Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Fraumünster
- Münsterhof
- Kreuzgang
- Kupferblöcke im Boden
Die Geschichte des Ortes
Der Name Fraumünster bewahrt die Erinnerung an ein Frauenkloster, dessen Äbtissin über Ländereien und Einkünfte verfügte, an der Ernennung städtischer Amtsträger mitwirkte und eine Zeit lang die Zürcher Münze verwaltete. Die Kirche neben dem Münsterhof diente den vornehmen Frauen der Gemeinschaft, und der Platz versammelte jene, mit denen das Kloster städtische Angelegenheiten führen musste. Im Kreuzgang zwischen Kirche und Stadthaus sind siebenunddreißig Kupferplatten in den Boden eingelassen: Sie sind der letzten Äbtissin gewidmet, von der kein zuverlässiges Porträt erhalten ist.
Stadtarchäologen fanden unter dem Münsterhof dichte Reihen mittelalterlicher Gräber, Hausreste und die runde St. Jakobskapelle. Um eintausenddreihundert ließ eine der Äbtissinnen, wie die Grabungsergebnisse nahelegen, vom Friedhof nur einen schmalen Streifen entlang der Kirche stehen und die Kapelle sowie mehrere Häuser abreißen. So entstand der Münsterhof – der Hof vor dem Münster und damals der einzige große Platz der Zürcher Altstadt. Hier empfing die Äbtissin den ankommenden König vor den Stadtbewohnern und seinem Gefolge als Erste.
Fraumünster bedeutet „Frauenmünster“. Im Jahr achthundertdreiundfünfzig übergab König Ludwig der Deutsche das Kloster seiner Tochter Hildegard, damit sie hier zusammen mit anderen vornehmen Frauen lebte. Später trug die Leiterin dieser Gemeinschaft den Titel einer Reichsfürstin: Sie verwaltete große Landbesitze, wirkte bei der Ernennung städtischer Amtsträger mit und verfügte eine Zeit lang über die Prägung der Zürcher Münze. Den Platz brauchte sie für öffentliche Zeremonien gerade deshalb, weil das Kloster auch städtische Angelegenheiten wahrnahm.
Die letzte Äbtissin war Katharina von Zimmern. Sie leitete das Fraumünster achtundzwanzig Jahre lang und war zu Beginn der Reformation weiterhin die formelle Herrin der Stadt und Verwalterin eines reichen Besitzes mit Dörfern, Höfen, Ländereien und Einkünften. Freitags, wenn auf dem Münsterhof Markt war, predigte Zwingli auch in dieser Kirche: Die Bauern kamen zum Handel und hörten zugleich die neue Lehre. Seine Anhänger und Gegner bemühten sich, Katharina auf ihre Seite zu ziehen, und der Stadtrat hoffte, das Klostervermögen der städtischen Verwaltung zu übertragen.
Im Dezember eintausendfünfhundertvierundzwanzig übergab die sechsundvierzigjährige Katharina dem Rat freiwillig die Abtei, die Kirche, die Ländereien, die abhängigen Menschen, die alten Rechte und die gesamte Wirtschaftsverwaltung. Im Ratsprotokoll ist ihr eigener Grund vorsichtig formuliert: Sie wollte Zürich und sich selbst von „Unruhe und Not“ befreien. Die spätere Behauptung, sie habe damit gewiss einen Bürgerkrieg verhindert, lässt sich nicht beweisen. Die Folgen der Übergabe sind dagegen genau bekannt. Der Rat schuf eine besondere Behörde für den ehemaligen Klosterbesitz, erhielt die Möglichkeit, die übrigen städtischen Klöster aufzuheben, und das Fraumünster wurde aus einer Kirche einer Frauengemeinschaft zu einer städtischen reformierten Kirche.
Katharina verlor ihr Amt, jahrhundertealte Privilegien und die Unterstützung ihrer katholischen Verwandten. Die Bedingungen für ihr eigenes Leben legte sie in derselben Vereinbarung fest. Der Rat nahm sie in die Bürgerschaft auf, versprach ihr Schutz und ließ sie ohne männlichen Vormund – für eine Frau des sechzehnten Jahrhunderts bedeutete das die seltene Möglichkeit, selbstständig über ihr Eigentum zu verfügen. Auf Lebenszeit standen ihr ein Haus mit Gemüsegarten und Garten, Brennholz, Getreide, Hafer, Wein und jährlich dreihundertdreiundfünfzig Zürcher Pfund zu.
Ein Jahr später heiratete Katharina Eberhard von Reischach, einen aus Zürich verbannten Söldnerführer und Diplomaten. Wegen seiner Verbannung zogen die Eheleute nach Schaffhausen; dort brachte Katharina einen Sohn und eine Tochter zur Welt. Der Sohn starb früh, und Eberhard fiel im Jahr eintausendfünfhunderteinunddreißig in der Schlacht bei Kappel. Katharina kehrte nach Zürich zurück und lebte hier noch sechzehn Jahre lang als Witwe mit ihrer Tochter, wobei sie die zugesicherte Versorgung erhielt. In den Stadtbüchern wurde sie bis zu ihrem Tod weiterhin „Äbtissin“ genannt.
Im Kreuzgang zwischen dem Fraumünster und dem Stadthaus liegt ein ihr gewidmetes Rechteck aus siebenunddreißig Kupferblöcken. Eine Figur Katharinas gibt es darauf nicht: Kein einziges zuverlässiges Porträt von ihr ist erhalten. Neben den Blöcken sind Worte über „Unruhe und Not“ aus dem Dokument, mit dem die letzte Äbtissin die Geschichte des Frauenklosters beendete, in den Boden eingelassen.
Praktisch vor Ort
Saisonale Öffnungszeiten: 1. März–31. Oktober 10:00–18:00; 1. November–28. Februar 10:00–17:00; letzter Einlass 15 Minuten vorher. Sonntags meist ab 12:00 für Besucher, außergewöhnliche Öffnungszeiten sind möglich.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie die Kirche und das Denkmal als eine Szene: innen die Erinnerung an die Abtei, außen der fortdauernde Streit um den Bürgermeister. Der Besuch des Innenraums ist nicht erforderlich und hängt vom Zugang vor Ort ab.
