Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Terrakottazahnräder an der Fassade
- Das Bibliotheksschild „Chicago Bee“
Die Geschichte des Ortes
Die Terrakottazahnräder an der Fassade verraten die frühere Bestimmung des Gebäudes: Hier sollten die Redaktion einer Wochenzeitung und ihre Druckerei zusammengeführt werden. Später wurden diese Räume zur Ausweichadresse der Kosmetikfirma und der anderen überlebenden Unternehmen ihres Eigentümers. Nach langem Leerstand wurde das Gebäude erhalten, als man bereits begann, Teile von der Fassade abzunehmen. Heute befindet sich darin eine Filiale der Chicago Public Library, und auf dem Schild ist der Zeitungsname „Chicago Bee“ erhalten geblieben.
Im Herbst neunzehnhundertneunundzwanzig unterzeichnete Anthony Overton Bauverträge über etwa zweihunderttausend Dollar. Das Kapital hatten ihm Kosmetikprodukte für schwarze Käufer eingebracht; nun investierte der Verleger dieses Geld in ein eigenes Gebäude für die Zeitung Chicago Bee – wörtlich „Chicagoer Biene“. Die Wochenzeitung warb für Overtons Produkte und konkurrierte um Leser mit der weitaus einflussreicheren Zeitung Chicago Defender.
Zuvor saßen die Mitarbeiter der Chicago Bee in Overtons Gebäude etwas weiter nördlich, während die Druckerei einen separaten Raum weiter südlich einnahm. Overton wollte sie unter einem Dach zusammenführen. Er stellte den Bau auch nach Beginn der Weltwirtschaftskrise nicht ein, und im Jahr neunzehnhunderteinunddreißig zog die Redaktion hierher. Die Zahnräder im Terrakottaornament der Fassade erinnerten an die Druckmaschinen, für die das neue Gebäude entworfen worden war.
Während das Gebäude noch gebaut wurde, schlug der Theaterredakteur James Gentry den Namen Bronzeville vor, über den auf der Route bereits die Rede war. Im Jahr neunzehnhundertdreißig erschien er erstmals auf den Seiten der Chicago Bee, in der Werbung für den Wettbewerb „Mayor of Bronzeville“. Es ging um einen Ehrentitel für einen bekannten Bewohner des Viertels, nicht um ein städtisches Amt. Overton bezahlte diese Zeitungsaktion in der Hoffnung, Leser anzuziehen, doch der Wettbewerb hatte keinen Erfolg.
Zwei Jahre später verließ Gentry die Redaktion, die bereits in diesem Gebäude arbeitete, und nahm die Idee zu einem Konkurrenten mit. Der Verleger des Chicago Defender, Robert Abbott, beauftragte seinen Werbefachmann Charles Browning, den Wettbewerb umzugestalten. Browning gewann bekannte Unternehmer und Berufstätige aus Bronzeville zur Teilnahme; die Wahl des Ehrenbürgermeisters wurde zur zweitertragreichsten Werbeaktion des Chicago Defender. Mit dem Wettbewerb verbreitete sich auch der Name des Viertels. Gentry setzte sich nun bei einem anderen Verleger durch, und die Chicago Bee verlor ein Projekt, das ihr Mitarbeiter erdacht hatte.
Auch für Overton brachte das neue Gebäude ein anderes Ergebnis, als er erwartet hatte. Nach dem Zusammenbruch der Douglass National Bank, der sich kurz nach dem Umzug der Zeitung ereignete, musste der Unternehmer sein früheres Geschäftshaus verkaufen und die Kosmetikfirma sowie die übrigen überlebenden Unternehmen hierher verlegen. Die Räume, die für eine wachsende Wochenzeitung gedacht waren, wurden zur Ausweichadresse seines gesamten Geschäfts.
Overton starb im Jahr neunzehnhundertsechsundvierzig. Seine Söhne führten die Chicago Bee noch kurz weiter, schlossen die Zeitung jedoch im folgenden Jahr; einen erheblichen Teil des Redaktionsarchivs verkauften sie als Altpapier. Die Kosmetikfirma blieb bis zum Jahr neunzehnhundertdreiundachtzig hier. Danach stand das Gebäude leer, und Diebe begannen, Terrakottateile von der Fassade abzunehmen.
Lokale Denkmalschützer erreichten den Erhalt des Gebäudes, die Stadt kaufte es, und im Mai neunzehnhundertsechsundneunzig eröffnete hier eine Filiale der Chicago Public Library. Sie behielt den Zeitungsnamen „Chicago Bee“. Gerade die Wochenzeitung, von der der größte Teil des Archivs verloren ist, steht nun auf dem Schild der Bibliothek.
Praktisch vor Ort
Die Chicago Bee Branch hat eingeschränkte Öffnungszeiten; prüfen Sie vor dem Betreten die CPL.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Fassade kann selbstständig besichtigt werden; ob ein Zugang zu den genutzten Räumen möglich ist, prüfen Sie bitte gesondert.
