Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Pavillon über der Mauer
- Abschnitt des Ziegelmauerwerks
- Steinbogen mit Inschrift
- Steinplatte vor dem Tempel
Die Geschichte des Ortes
Dajing Ge steht auf einem Rest der Mauer, mit der die Bewohner von Shanghai einst die gesamte chinesische Stadt umgaben. Von den Befestigungen sind hier heute etwa fünfzig Meter Mauerwerk erhalten. Darüber erhebt sich ein Pavillon mit einem Guan-Yu-Tempel, daneben verläuft die Renmin Lu. Diese Straße liegt dort, wo einst die Mauer und der zugeschüttete Graben lagen.
Die Mauer wurde im Jahr eintausendfünfhundertdreiundfünfzig nach fünf Piratenüberfällen in einem einzigen Frühjahr errichtet. Die Angreifer verbrannten die Kreisverwaltung, Häuser und Schiffe mit Getreide; ein Beamter floh, zwei kamen ums Leben. Der kaiserliche Hof erlaubte die Befestigung der Stadt, stellte aber kein Geld bereit. Örtliche Familien spendeten Silber, Getreide und Land, rissen ihre eigenen Häuser dort ab, wo der Verlauf der Befestigung geplant war, und trugen Erde und Steine herbei. Die Arbeiten waren in weniger als drei Monaten abgeschlossen. Die nächsten Gruppen von Plünderern gelangten bis an die Mauern, drangen jedoch nicht mehr ins Innere vor.
Als die Überfälle aufhörten, errichteten die Stadtbewohner auf dieser Schießplattform ein Heiligtum für Guan Yu – einen Feldherrn, der als Guan Yu, Schutzpatron der Krieger und Verkörperung der Pflichttreue verehrt wurde. Im Jahr eintausendachthundertfünfzehn wurde über der Mauer ein dreistöckiger Pavillon errichtet. Einundzwanzig Jahre später schrieb der Generalgouverneur Chen Luan für seinen Steinbogen die Worte „Da qian sheng jing“ – „die grenzenlos schöne Welt“. Die Stadtbewohner kürzten die Inschrift auf zwei Silben: Dajing. „Ge“ bedeutet Pavillon.
Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts blieb die militärische Mauer die Grenze der chinesischen Kreisstadt, doch der Handel war längst über sie hinausgewachsen. Durch die niedrigen Tore kamen Fuhrwerke nur mühsam hindurch. Kaufleute, Ladenbesitzer und Transporteure lebten vom Austausch zwischen den Flussanlegestellen, der alten Stadt und den benachbarten ausländischen Konzessionen – Stadtteilen mit eigener Verwaltung. Während Waren an den Toren aufgehalten wurden, gewannen Betriebe im französischen Teil von Shanghai schneller Kunden.
Im Jahr eintausendneunhundertdrei schlug die französische Verwaltung vor, die chinesische Kreisverwaltung weit nach Süden, nach Minhang, zu verlegen, die Mauer abzureißen und das frei gewordene Gebiet der Konzession anzugliedern. Li Pingshu, ein örtlicher Bürgerrechtler, der die städtischen Ingenieurdienste leitete, griff in den Streit ein. Er befasste sich mit Wasserversorgung, Brandschutz und Verkehr im chinesischen Teil von Shanghai und setzte sich dafür ein, dass dieser seine Straßen selbst verwaltete. Li argumentierte entschieden: Wenn die Mauer ohnehin als Vorwand für die Ausweitung der Konzession genutzt werde, solle die chinesische Verwaltung sie selbst abtragen und das Land der Stadt überlassen.
Die Gegner des Abrisses antworteten mit derselben Befürchtung: Ohne die Mauer würde das französische Gebiet noch näher heranrücken. Sie gründeten die Gesellschaft zur Erhaltung der Stadtmauern und erreichten einen Kompromiss. Im Jahr eintausendneunhundertneun schlugen die Bauarbeiter drei zusätzliche Durchgänge durch. Einer davon, das Kleine Nordtor, lag neben Dajing Ge. Das verringerte die Staus, doch die Kaufleute verloren weiterhin Kunden.
Nach der Revolution von eintausendneunhundertelf übernahm Li Pingshu die Leitung der Zivilverwaltung der neuen Shanghaier Regierung. Im Januar des folgenden Jahres versammelte er mehr als zweitausend Kaufleute, Vertreter von Handwerksverbänden und städtische Älteste. Die Mehrheit stimmte für den Abriss. Den Arbeitern wurde befohlen, das Mauerwerk mit Hämmern, Meißeln und landwirtschaftlichen Werkzeugen abzutragen und Ziegel sowie Erde sofort in den Graben zu werfen.
Die Verantwortlichen richteten die Verwaltung für Mauer und Graben ausgerechnet in Dajing Ge ein. Von hier aus teilten sie die Arbeitsabschnitte ein, mit denen sie bis Ende eintausendneunhundertvierzehn fast den gesamten Befestigungsring beseitigten. Auf seiner nördlichen Hälfte legten sie die Minguo Lu an – die Straße der Republik, die heutige Renmin Lu; die südliche Hälfte nannten sie Zhonghua Lu. Die Kaufleute erhielten eine Ringstraße und freie Durchfahrten, obwohl die alte chinesische Stadt die benachbarten Konzessionen bei Ausstattung und Geschäftstätigkeit weiterhin nicht einholte.
Unter Dajing Ge wurde das Mauerwerk nicht abgetragen: Auf ihm standen der Tempel und die Abrissverwaltung selbst, und die Stadtbewohner baten darum, das bekannte Heiligtum zu bewahren. Der Pavillon wurde später restauriert, doch ein Teil der alten Ziegel und der Verlauf der Mauer blieben an ihrem ursprünglichen Ort. Die Steinplatte vor dem Tempel preist noch immer die Treue von Guan Yu. Hinter ihrem Rand bricht die Befestigung dort ab, von wo Li Pingshu ihren Abbruch leitete.
Praktisch vor Ort
Die offizielle Tourismuswebsite der Stadt zeigt am 2026-07-01: Der Innenraum ist nicht geöffnet. Der Straßenabschnitt der Mauer und die Fassade können von der Dajing Lu aus besichtigt werden; vorübergehende Öffnungen müssen vor Ort geprüft werden.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Auch bei geschlossenem Eingang funktioniert die Station von außen: Sie müssen keinen Ersatz suchen oder versuchen, hinter die Absperrungen zu gelangen.
