Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Das dreieckige Haus
- Granitblöcke des Pflasters
- Zeilen von Schriftstellern im Stein
- Laternen der Gasse
Die Geschichte des Ortes
Die kurze Gasse zwischen der Buchhandlung und der Bar hieß einst Adler Place und diente als Durchfahrt: Lastwagen fuhren hier hinein und hinterließen Müll. Nach der Sperrung des Verkehrs pflasterte man den Durchgang mit Granitblöcken, stellte Laternen auf und machte die Ladenwand zu einer seiner Grenzen. In den Steinen unter den Füßen lassen sich Zeilen von Schriftstellern lesen; am Ausgang nach North Beach sind Texte bestimmter Autoren gewählt, näher an der Grant Avenue Texte chinesischer Autoren. Ihren heutigen Namen erhielt die Gasse zur Erinnerung an Jack Kerouac, der zwischen zwei benachbarten Türen hin- und herging.
In dem dreieckigen Haus an der Columbus Avenue werden Bücher verkauft, eigene Ausgaben veröffentlicht und literarische Lesungen veranstaltet. Der Name „City Lights“ entstand vor dem Laden: Der Soziologiedozent Peter Martin gab eine Zeitschrift heraus, die nach Charlie Chaplins Film City Lights benannt war. Im Jahr neunzehnhundertdreiundfünfzig hängte Martin hier ein Schild mit der Aufschrift „Taschenbuchladen“ auf, als der Dichter Lawrence Ferlinghetti vorbeikam. Sie investierten jeweils fünfhundert Dollar und eröffneten die erste Buchhandlung des Landes, die ausschließlich preiswerte Taschenbuchausgaben verkaufte.
Zwei Jahre später verkaufte Martin seinen Anteil. Ferlinghetti blieb Eigentümer und gründete beim Laden einen kleinen Verlag für Autoren, die von großen Firmen abgelehnt wurden. Für die Theke und die Buchbestellungen war der Geschäftsführer Shigeyoshi „Shig“ Murao zuständig. Auch er investierte seine eigenen fünfhundert Dollar in das Unternehmen: Der Laden war für ihn zugleich Arbeit, Kapital und Freundeskreis.
Im Herbst neunzehnhundertfünfundfünfzig hörte Ferlinghetti, wie der junge Dichter Allen Ginsberg „Howl“ vorlas – ein langes Gedicht über psychische Zusammenbrüche, Drogen und Sex, einschließlich der Liebe zwischen Männern. Ferlinghetti bot an, das Manuskript zu veröffentlichen. Das Risiko verstand er schon im Voraus und vereinbarte noch vor dem Druck mit der American Civil Liberties Union, dass deren Juristen den Fall übernehmen würden, falls eine Verfolgung beginne.
„Howl and Other Poems“ erschien als kleines Buch in der Reihe „Pocket Poets“. Im Frühjahr neunzehnhundertsiebenundfünfzig hielten Zollbeamte fünfhundertzwanzig Exemplare einer neuen, in England gedruckten Auflage als obszöne Veröffentlichung zurück. Ferlinghetti bestellte weitere zweieinhalbtausend Exemplare in den Vereinigten Staaten, und das Buch erschien erneut in den Regalen von City Lights.
Ende Mai kamen zwei Inspektoren der Polizeibehörde für Jugendangelegenheiten ohne Uniform hierher. Murao verkaufte ihnen ein Exemplar. Am dritten Juni kehrten die Polizisten mit einem Durchsuchungsbefehl zurück, verhafteten den Geschäftsführer direkt im Laden und brachten ihn in die städtische Gerichtshalle. Ferlinghetti war außerhalb der Stadt; nach seiner Rückkehr stellte er sich selbst der Polizei. Jedem drohten sechs Monate Haft und eine Geldstrafe von fünfhundert Dollar – genau der Betrag, den Murao in die Buchhandlung investiert hatte.
Die Anklage gegen Murao wurde fallengelassen: Die Staatsanwälte konnten nicht beweisen, dass der Verkäufer das Buch gelesen und einen obszönen Text bewusst verbreitet hatte. Der Prozess gegen Ferlinghetti wurde fortgesetzt. Am dritten Oktober sprach Richter Clayton Horn den Verleger frei: Das Gedicht hatte literarische und gesellschaftliche Bedeutung, daher machten grobe Worte und explizite Szenen es für sich genommen nicht zu einem Verbrechen.
Bis zum folgenden Jahr waren bereits mehr als zwanzigtausend Exemplare von „Howl“ gedruckt. Ginsberg erlangte große Bekanntheit, Ferlinghetti behielt den Verlag, und City Lights wurde aus einem kleinen Laden zu einem bekannten Zentrum unabhängiger Literatur. Im Jahr zweitausendeins verlieh die Stadt diesem Haus den Status eines Denkmals mit der Nummer zweihundertachtundzwanzig; zu den offiziell genannten Gründen gehörte das Eintreten für die Pressefreiheit.
Der kurze Durchgang entlang der Ladenwand hieß früher Adler Place. Jack Kerouac, Romancier der Beat-Generation und Autor von „On the Road“, ging in den fünfziger Jahren sowohl zu City Lights als auch in das Vesuvio Cafe auf der anderen Seite des Durchgangs. Im Jahr neunzehnhundertachtundachtzig überzeugte Ferlinghetti den Stadtrat, der Gasse Kerouacs Namen zu geben.
Ein neues Schild allein reichte nicht aus: Hier fuhren weiterhin Lastwagen durch und hinterließen Müll. Erst neunzehn Jahre später erreichten die Mitarbeiter von City Lights gemeinsam mit dem Programm zur Aufwertung der Gassen von Chinatown die Sperrung der Durchfahrt. Hier verlegte man Granitblöcke, stellte Laternen auf und ließ Zeilen von Schriftstellern in den Stein ein. Auf der Seite von North Beach stehen darunter Worte Kerouacs, näher an der Grant Avenue Zeilen chinesischer Autoren. Der Name erschien über der Gasse, weil Kerouac zwischen zwei benachbarten Türen hin- und herging; zum Fußgängerweg wurde dieser Weg erst im Jahr zweitausendsieben.
Praktisch vor Ort
Sehen Sie sich zuerst die Fassade und die Gasse von außen an; planen Sie den Besuch des Ladens und mögliche Veranstaltungen im Inneren gesondert. Stellen Sie sich nicht als Gruppe quer über den schmalen Durchgang.
