Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Spiegelnde Stahlhülle
- Durchgang unter der Skulptur
- Verzerrte Spiegelungen von Hochhäusern
- Spiegelung des Himmels
Die Geschichte des Ortes
Auf dem offenen Platz des Millennium Park liegt eine große polierte Stahlskulptur. Ihre gebogene Hülle vereint Himmel, Hochhäuser und Menschen in der Nähe in einer Spiegelung, und unten setzt sich der Raum unter dem Gewölbe fort. Es gibt weder Sockel noch Absperrung, daher treten die Menschen ganz nah an das Metall heran und gehen durch den unteren Bogen. Die Spiegelungen der Stadt verändern sich fortwährend und werden Teil des Anblicks selbst.
Im Jahr tausendneunhundertneunundneunzig wählte die Kommission des künftigen Millennium Park den Entwurf des Bildhauers Anish Kapoor. Er wollte die Wirkung eines Tropfens flüssigen Quecksilbers erzielen: Die niedrige spiegelnde Form sollte Hochhäuser und den offenen Himmel reflektieren, während darunter ein Durchgang blieb.
Zunächst sollte die Skulptur dort stehen, wo sich heute der Lurie Garden befindet. Als die Organisatoren ihre Größe sahen, baten sie Kapoor, den Entwurf zu verkleinern. Er erwiderte, er könne ihn verkleinern, wenn sie Chicago verkleinerten. Für den Garten hielt man das Objekt für zu groß und verlegte es hierher auf den offenen Platz, obwohl Kapoor selbst widersprach. So gelangte die spiegelnde Hülle gegenüber den Hochhäusern, deren Spiegelungen Teil des Werks werden sollten.
Die Größe wurde durchgesetzt, doch nun musste diese Form hergestellt werden. Mehrere Fachleute hielten eine nahtlose Stahlhülle für nicht realisierbar. Kapoor bestellte Probestücke bei drei Firmen und wählte den Ingenieur Ethan Silva, den Eigentümer einer kalifornischen Werkstatt, der diesen Auftrag unbedingt erhalten wollte. Silvas Firma verdiente zunächst an Stahlbootrümpfen, später an Bühnenmechanik und ungewöhnlichen Metallkonstruktionen. Hier erwies sich gerade die Fähigkeit als nützlich, Stahlblech in eine komplizierte Kurve zu biegen: Silvas Muster war das präziseste, und die Schweißnaht am wenigsten sichtbar.
Silva wollte die Hülle vollständig in Oakland herstellen und sie auf dem Seeweg durch den Panamakanal und den Sankt-Lorenz-Strom nach Chicago bringen. Die Leiter des Parks hielten den Transport einer solchen Last für zu riskant. Deshalb brachte man einhundertachtundsechzig gebogene Platten mit Lastwagen hierher, und Chicagoer Monteure verschweißten sie erst auf dem Platz.
Zur Eröffnung des Millennium Park im Sommer zweitausendvier blieb die Oberfläche unvollendet. Kapoor wollte das Werk nicht mit Nähten zeigen, doch für die Zeremonie nahm man das riesige SchutzZelt ab. Die Besucher nahmen die unvollendete Skulptur so gut auf, dass die Organisatoren die Rückkehr des Zelts um mehrere Monate verschoben.
Auch einen Namen konnte das Publikum dem Objekt noch geben. Während die Platten noch montiert wurden, begannen Chicagoer und Zeitungen, es „Bob“ zu nennen. Kapoor gab der Skulptur einen anderen Namen: „Cloud Gate“; im Spiegel findet der Himmel Platz, und unter der zwölf Meter hohen Hülle ist tatsächlich ein Durchgang ausgeschnitten. Das Wort „Bob“ hielt er zunächst für albern, doch der Beiname überdauerte seine Einwände. Später räumte der Künstler ein, dass auch er ihn benutzt.
Als das Zelt zurückkehrte, bearbeiteten vierundzwanzig Metallarbeiter jede Naht von Hand: Sie trugen die Schweißung ab, richteten sie aus, schliffen und polierten sie in fünf Arbeitsschritten. Die Arbeiten wurden bis zum Jahr zweitausendsechs abgeschlossen, und beide beteiligten Firmen erhielten eine Sonderauszeichnung der American Welding Society.
Unter dem konkaven Gewölbe vervielfachen sich die Spiegelungen der Menschen und laufen über dem Kopf zusammen; außen krümmen sich in der Oberfläche Hochhäuser und Wolken. Vor Ihnen liegen einhundertachtundsechzig einzelne Platten und fast drei Viertel Kilometer Schweißnähte. Keine Linie, an der man sie zählen könnte, ist zu sehen.
Praktisch vor Ort
Millennium Park täglich 6:00–23:00; der Platz kann wegen Veranstaltungen, Sicherheitsmaßnahmen oder Wartungsarbeiten geschlossen werden.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Gehen Sie um die Skulptur herum und unter ihr hindurch: Der wichtigste optische Effekt ist von einem einzigen Punkt aus nicht zu sehen.
