Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Die Inschrift „P. Hankar, Architekt“
- Der Metall-Erker
- Farbige Sgraffito-Paneele
- Figuren von Vögeln und einer Fledermaus
Die Geschichte des Ortes
In der Ziegelwand wechseln sich helle und blaue Steineinlagen ab, und über die Straße ragt ein Erker mit einem unverkleideten Metallgerüst. Hinter der Fassade wurden in einem einzigen schmalen Haus Wohnraum und ein Architekturatelier untergebracht: Hierher kamen Auftraggeber, und hier arbeiteten später auch junge Architekten. Unter den Fenstern blieben Sgraffito-Paneele erhalten, bei denen die obere helle Putzschicht bis zur dunklen darunter aufgeritzt ist; Vögel markieren die Tagesabschnitte, eine Fledermaus die Nachtstunden. Bei späteren Umbauten verschwand der größte Teil der ursprünglichen Innenräume, doch die Fassade und die Hauptwohnetage blieben erhalten, und das Haus dient weiterhin als Privathaus.
Auf Höhe der zweiten Etage sind Name und Beruf eingemeißelt: „P. Hankar, Architekt“. Daneben steht die Jahreszahl tausendachthundertdreiundneunzig. Es ist die Signatur von Paul Hankar selbst, die er beim Bau seines eigenen Hauses hinterließ.
Hankar eröffnete hier eine selbstständige Architekturpraxis. Zuvor hatte er mehr als zehn Jahre im Atelier eines anderen Architekten seinen Lebensunterhalt verdient: Er entwarf, arbeitete jedoch unter einem fremden Namen. Nun sollten die Auftraggeber zu ihm kommen. Auf dem schmalen Grundstück verband Hankar Wohnraum und Arbeitsatelier, und die Fassade machte er zu einem Muster dessen, was er seinen Kunden anbieten wollte: roten Ziegel, weißen und blauen Stein, die offene Metallkonstruktion des Erkers, Schmiedeeisen anstelle der vertrauten symmetrischen Steindekoration.
Für die farbigen Paneele zog Hankar Adolphe Crespin hinzu – einen Dekorateur und Plakatkünstler, mit dem er das grafische Erscheinungsbild des neuen Ateliers schuf. Crespin arbeitete in der Sgraffito-Technik: Er ritzte die obere helle Putzschicht auf und legte die dunkle darunter frei. Unter den Fenstern erschienen Pflanzen und Tiere, unter dem Gesims der Verlauf des Tages. Vögel bezeichnen Morgen, Tag und Abend, eine Fledermaus die Nacht.
Ein Jahr später verwandelte Crespin denselben Gedanken in Werbung für das Atelier. Auf einem farbigen Plakat sitzt Hankar hier mit einem Stift in der Hand am Zeichentisch; daneben sind ein Lineal und ein Lot angebracht, hinter seinem Rücken Waben und Bienen. Den Auftraggebern bot man das Bild eines Architekten an, der Haus, Möbel, Metall und Wandgrafik selbst entwirft. Fassade und Plakat warben für einen Menschen und eine Arbeitsadresse.
Im Jahr tausendachthundertfünfundneunzig fertigte der junge französische Architekt Hector Guimard, der nach Belgien gekommen war, um die neue Architektur zu studieren, eine Aquarellzeichnung dieser Fassade an. Das Haus galt bereits als einer der ersten Bauten des Brüsseler Jugendstils. Hankar erhielt neue Aufträge, Crespin führte weiterhin Sgraffiti für seine Gebäude aus, und im Atelier erschienen junge Architekten. Hankar selbst arbeitete hier weniger als acht Jahre: Im Jahr neunzehnhunderteins starb er im Alter von einundvierzig Jahren.
Spätere Umbauten zerstörten einen beträchtlichen Teil der ursprünglichen Innenräume. Die Fassade und die Hauptwohnetage blieben erhalten, und das Haus ist weiterhin ein Privathaus. Auf Crespins Plakat ist die Atelieradresse als Haus dreiundsechzig angegeben. Nach der Umnummerierung der Straße wurde daraus Haus einundsiebzig. Es ist dieselbe Adresse, über der weiterhin eingemeißelt steht: „P. Hankar, Architekt“.
Praktisch vor Ort
Privathaus; kein regelmäßiger Zugang zum Inneren, die Fassade ist von der Straße aus sichtbar.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie das Haus vom Gehweg aus und versperren Sie nicht den privaten Eingang. Die oberen Bilder lassen sich am besten nacheinander lesen, indem Sie den Blick von „Morgen“ zu „Nacht“ wandern lassen.
