Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Backsteinfassade
- Kurzer achteckiger Turmabschluss
- Mosaik über dem Portal
Die Geschichte des Ortes
Die kirchliche Tradition brachte den im Neuen Testament nicht genannten Berg mit dem Berg Tabor in Verbindung. Das Mosaik über dem Backsteinportal der Kirche zeigt, wie Christus mit Petrus, Johannes und Jakobus auf ihn steigt; zu Ehren dieser Verwandlung erhielt die Gemeinde ihren Namen. Die hiesigen Mietshäuser waren so überfüllt, dass von der Muttergemeinde Emmaus-Gemeinde, die mehr als hunderttausend Gemeindemitglieder zählte, neue Gemeinden abgetrennt wurden, und der Taborkirche wurden fast dreiundzwanzigtausend Menschen zugeordnet. Als Gemeindemitglieder und Geld weniger wurden, blieb der riesige Saal den größten Teil der Woche geschlossen.
Die Wrangelstraße endet an der Fassade der Taborkirche. Die Baumeister zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts stellten die Kirche bewusst auf diese Linie: Ihr einundsiebzig Meter hoher Turm schloss die Straßenperspektive ab. Nach der Bombardierung im Jahr neunzehnhundertfünfundvierzig wurde der beschädigte Turmhelm abgetragen, deshalb ist über den Dächern heute ein kurzer achteckiger Abschluss zu sehen.
Erst Ende der achtziger Jahre begann man, das Viertel Wrangelkiez zu nennen; zuvor war es das Schlesische Viertel. Kiez ist eine Berliner Bezeichnung für ein kleines Wohnviertel. Der Name geht auf die Wrangelstraße zurück, die im Jahr achtzehnhundertneunundvierzig nach dem preußischen General Friedrich von Wrangel benannt wurde. Ein Jahr zuvor hatte der König ihm aufgetragen, die Berliner Revolution niederzuschlagen. Wrangel führte dreizehntausend Soldaten in die Stadt, entwaffnete die Bürgerwehr und löste die Versammlung der Abgeordneten auf, die eine Verfassung forderten. Das geschah im Zentrum Berlins und nicht in dieser Straße: Die Bebauung des heutigen Viertels begann später.
Den Namen der Kirche erklärt das Mosaik über dem Portal. Darauf steigt Christus mit den Jüngern Petrus, Johannes und Jakobus auf einen Berg und erscheint ihnen in verwandelter Gestalt. Im Neuen Testament wird der Berg nicht genannt; die kirchliche Tradition brachte ihn mit dem Berg Tabor in Verbindung. Zu Ehren dieses Ereignisses erhielt die Evangelische Taborgemeinde ihren Namen.
Eine so große Kirche wurde wegen der Menschen benötigt, die sich in den hiesigen Mietshäusern drängten. Die Muttergemeinde Emmaus-Gemeinde zählte mehr als hunderttausend Gemeindemitglieder, und von ihr wurden neue Gemeinden abgetrennt. Als die Taborkirche im Jahr neunzehnhundertfünf geweiht wurde, wurden ihr fast dreiundzwanzigtausend Menschen zugeordnet. Gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts gab es wesentlich weniger Gemeindemitglieder und auch weniger Geld, und der riesige Saal blieb den größten Teil der Woche geschlossen.
Im Jahr neunzehnhundertzweiundneunzig trennten Pastor Dieter Tag und Mitarbeitende der Gemeinde am Eingang einen Teil des Kirchensaals mit einer Metallwand und Glas ab. So entstand ein kleiner beheizter Raum – das Taborium. Bald darauf besprachen Tag und seine Kolleginnen und Kollegen mit einem Mitarbeiter der Unterkunft Arche, wie sich verhindern ließe, dass obdachlose Menschen an Unterkühlung sterben. Gewöhnliche Nachtunterkünfte gab es bereits, doch manche Menschen konnten oder trauten sich nicht, sie aufzusuchen. Für sie schlug die Gemeinde vor, direkt im Taborium eine Übernachtungsmöglichkeit zu eröffnen.
Seit dem Jahr neunzehnhundertdreiundneunzig nahmen Freiwillige hier in den kalten Monaten einmal pro Woche Menschen auf. Damals verlangte man nicht einmal eine Bescheinigung darüber, frei von Läusen zu sein, ließ Menschen mitten in der Nacht herein und nahm Betrunkene auf, sofern sie andere nicht bedrohten. Die Abendschicht verteilte Essen und Tee; ein Arzt untersuchte diejenigen, die Hilfe brauchten; eine Dolmetscherin sprach mit polnischen Gästen. Die Nachtschicht gab Matten und Decken aus, die Morgenschicht bereitete Frühstück zu, und bis acht Uhr wurde der Raum für die gewöhnlichen Aktivitäten der Gemeinde aufgeräumt.
Eine Nacht reichte nicht. Tag und seine Mitarbeitenden begannen, andere Berliner Gemeinden zu überzeugen, jeweils noch einen weiteren Tag zu übernehmen. Nach und nach schlossen sich so viele Gemeinden an, dass bis zum Jahr neunzehnhundertfünf irgendein kirchliches Nachtcafé in der Stadt an jedem Wochentag geöffnet war.
In der Saison von Oktober zweitausendfünfundzwanzig bis April zweitausendsechsundzwanzig öffnete das Nachtcafé Tabor weiterhin dienstags und nahm bis zu vierzig Menschen auf. Diese Plätze wurden in eben jenem Taborium hinter der Glaswand vorbereitet, das die Gemeinde einst vom Kirchensaal abgetrennt hatte, der für Tausende von Gemeindemitgliedern ausgelegt war.
Praktisch vor Ort
Der Kiez ist rund um die Uhr geöffnet; Kirche und Gemeinschaftsräume haben eigene Öffnungszeiten, in den Wohnhöfen ist nach 22:00 Ruhe erforderlich.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Stele kann von der Straße aus besichtigt werden, ein Zugang zur Kirche ist jedoch nicht garantiert. Dies ist ein Wohnviertel: Sprechen Sie leise und betreten Sie keine geschlossenen Höfe.
