Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Krieger entlang der Wände
- Leeres Zentrum
- Streitwagen
- Vier Pferde
Die Geschichte des Ortes
Die kleine Grube 3 ist nicht für den Kampf angelegt: Die Tonkrieger stehen entlang der Wände einander zugewandt und lassen die Mitte frei. Daneben steht ein vorbereiteter Streitwagen, und die Wache an den Durchgängen erinnert an die Bewachung eines abgeschlossenen Raums. Archäologen bringen eine solche Anlage mit dem Hauptquartier einer Armee in Verbindung, wo ranghohe Militärs einen Feldzug vorbereiteten und zuvor Rituale vollzogen. Die Details der zeremoniellen Wache erinnern daran, dass Krieg für Qin eine Angelegenheit der Macht des Herrschers blieb.
Im Mai neunzehnhundertsechsundsiebzig fanden Archäologen fünfundzwanzig Meter von Grube 1 entfernt diese viel kleinere Ausgrabung – Grube 3. Darin befanden sich achtundsechzig Krieger, vier Pferde und ein Streitwagen. Die wichtigste Figur fehlte: Unter den Offizieren und Wachposten gab es keinen Oberbefehlshaber.
Die Stellung der Krieger gab einen Hinweis auf die Funktion der Grube. Sie stehen entlang der Wände einander zugewandt, als bewachten sie die Durchgänge. Für eine Schlacht wäre diese Formation nutzlos. Auch der Streitwagen unterscheidet sich von den Kampfwagen der benachbarten Gruben: Neben ihm sind vier Personen aufgestellt, von denen eine vermutlich einen ranghohen Militär darstellte. Deshalb nannten Archäologen diese Anlage „jūn mù“ – das Hauptquartier einer Armee.
Die Befehlshaber befassten sich hier auch mit Dingen, die heute auf keiner Stabskarte stehen würden. Im nördlichen Raum fand man Hirschgeweihe, Tierknochen und Spuren eines Vorhangs. Vor einem Feldzug brachten die Heerführer Opfer dar, weissagten über den Ausgang und baten die Geister um eine günstige Entscheidung. Die bronzenen „shu“-Schäfte, die bei den Wachposten gefunden wurden, sind für einen gewöhnlichen Kampf zu kurz und haben keine Spitze. Wahrscheinlich sind sie Zeichen einer zeremoniellen Wache. Deshalb betrachtet ein Teil der Forschenden Grube 3 als militärisches Heiligtum beim Hauptquartier.
Das leere Zentrum erklärt man mit der Organisation der wirklichen Qin-Armee. Ein Soldat erhielt für militärische Verdienste Rang, Land und ein Haus; für einen armen Bauern konnte ein Feldzug die Stellung der ganzen Familie verändern. Ein General befehligte Tausende solcher Männer, konnte sie aber nicht als seine eigene Armee betrachten. Ein Befehl wurde durch ein bronzenes Zeichen in Gestalt eines Tigers bestätigt, das in zwei Hälften geteilt war. Eine hielt der Heerführer, die andere der Herrscher. Eine erhaltene Qin-Inschrift verbot, fünfzig oder mehr Bewaffnete auszuführen, bevor die Hälften zusammengefügt waren.
Qin Shihuangdi, der erste Kaiser des vereinigten China, brauchte Generäle, die Königreiche erobern konnten, behielt sich aber das letzte Recht vor, das Heer in Bewegung zu setzen. Die Schöpfer der Grabanlage übertrugen diese Ordnung unter die Erde: Die Wache wartet, der Streitwagen ist vorbereitet, der Ritualraum ist eingerichtet, doch die Figur dessen, der den Befehl erteilt, fehlt. Nach einer wissenschaftlichen Hypothese bezeichnete der Streitwagen die Anwesenheit des Kaisers selbst als Oberbefehlshaber. Das bleibt eine Deutung und keine feststehende Tatsache.
Qin Shihuangdi starb im Jahr zweihundertzehn vor unserer Zeitrechnung und wurde unter dem Grabhügel des Qin Shihuangdi begraben, ungefähr eineinhalb Kilometer weiter westlich. Wenn die Deutung zutrifft, hat der leere Platz in Grube 3 nichts eingebüßt: Der einzige Mensch, den die Handwerker nicht unter die Tonoffiziere stellten, befindet sich an einem anderen Punkt derselben Grabanlage.
Praktisch vor Ort
Offizielle Ticketkontrolle: 08:30-17:00 in der Hochsaison; 08:30-16:30 in der Nebensaison. Feiertage bitte gesondert prüfen.
Öffnungszeiten nach Tagen
Eilen Sie nicht wegen der Größe der Grube: Hier sind die Anordnung der Figuren und die freien Flächen zwischen ihnen wichtiger.
