Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Die Lincoln-Statue
- Die Kolonnade
- Breite Stufen
- Texte der Reden an den Seitenwänden
Die Geschichte des Ortes
Hinter der breiten Treppe und der Kolonnade sitzt Abraham Lincoln aus Marmor, der sechzehnte Präsident der Vereinigten Staaten. Der Kongress der Vereinigten Staaten widmete ihm dieses Gebäude dafür, dass er während des Sezessionskriegs die Union bewahrte und eine Proklamation erließ, die die Sklaven auf dem Gebiet der aufständischen Staaten für frei erklärte. An den Seitenwänden sind die Gettysburg-Rede und die Zweite Antrittsrede, die sich der Beendigung des Krieges widmet, eingemeißelt. Die Terrasse vor den Säulen öffnet sich zum Lincoln Memorial Reflecting Pool und zum Washington Monument.
Am neunten April neunzehnhundertneununddreißig stellte man auf den Stufen vor den Säulen einen Flügel und eine Reihe von Radiomikrofonen auf. Davor, auf der Terrasse und weiter entlang des Lincoln Memorial Reflecting Pool, versammelten sich fünfundsiebzigtausend Menschen. Dieses Konzert kam zustande, weil einer Sängerin in Washington, D.C. nacheinander zwei gewöhnliche Säle verschlossen worden waren.
Marian Anderson, eine schwarze amerikanische Altistin, verdiente ihren Lebensunterhalt mit Konzertauftritten. Allein ihre Honorare brachten ihr im vorhergehenden Jahr beinahe eine Viertelmillion Dollar ein. Das europäische Publikum nahm sie begeistert auf, ihre amerikanischen Konzerte fanden vor ausverkauften Sälen statt. In der Hauptstadt sang Anderson jährlich zugunsten der Musikschule der Howard University, und die bisherigen Räume fassten die Interessierten nicht mehr.
Die Universität bat darum, DAR Constitution Hall zur Verfügung zu stellen – den größten Konzertsaal der Stadt mit viertausend Plätzen. Die Daughters of the American Revolution, denen er gehörte, ließen nur weiße Künstler auf die Bühne und lehnten Anderson ab. Anschließend erlaubte die städtische Bildungsbehörde nicht, ihr Konzert im Auditorium der Central High School abzuhalten. Sogar eine Übernachtungsmöglichkeit musste in einem Privathaus gesucht werden: Die Hotels in Washington, D.C. nahmen keine schwarzen Gäste auf.
Andersons Konzertmanager Sol Hurok, der den Auftritt seiner Künstlerin retten musste, gab die Geschichte der Ablehnung an die Zeitungen weiter. Eleanor Roosevelt, First Lady und Mitglied der Daughters of the American Revolution, trat aus Protest aus der Organisation aus. Walter White, Leiter der Bürgerrechtsorganisation National Association for the Advancement of Colored People, schlug vor, das Konzert zum Lincoln Memorial zu verlegen. Das Gelände hier wurde vom United States Department of the Interior verwaltet, und Minister Harold Ickes erwirkte die Zustimmung von Präsident Franklin Delano Roosevelt. Bis Ostern blieben zehn Tage.
Der Mann aus Marmor hinter der Sängerin ist Abraham Lincoln, der sechzehnte Präsident der Vereinigten Staaten. Während des Sezessionskriegs bewahrte er die Union und erließ die Emanzipationsproklamation, die die Sklaven auf dem Gebiet der aufständischen Staaten für frei erklärte. Deshalb widmete der Kongress der Vereinigten Staaten ihm dieses Denkmal, und an den Seitenwänden wurden die Gettysburg-Rede mit ihren Worten über die Gleichheit der Menschen sowie die Zweite Antrittsrede über die Beendigung des Krieges eingemeißelt. Der offene Platz vor dem Mann, der mit der Befreiung der Sklaven verbunden war, ermöglichte es, jene zusammenzubringen, die die Stadtsäle nach Hautfarbe getrennt platzierten oder gar nicht einließen.
Anderson wollte keine politische Rednerin werden: Ihr Beruf blieb das Singen, und genau damit antwortete sie auf die Ablehnung. Ickes stellte sie dem Publikum vor, worauf sie ein fünfundzwanzigminütiges Programm mit dem patriotischen Lied My Country, ’Tis of Thee begann. In der Zeile, in der eine einzelne Stimme gewöhnlich „ich singe dir“ sang, erklang bei Anderson „wir singen dir“. Menschen unterschiedlicher Hautfarbe standen vor einer Bühne, und Millionen hörten die Liveübertragung des NBC-Radionetzes.
Vier Jahre später luden die Daughters of the American Revolution Anderson zu einem Wohltätigkeitskonzert in genau jene DAR Constitution Hall ein. Sie sagte unter der Bedingung zu, dass die Zuschauer nicht nach Hautfarbe getrennt würden. Im Jahr neunzehnhundertfünfundfünfzig wurde Anderson die erste schwarze Solistin der Metropolitan Opera in New York, und weitere acht Jahre später sang sie während des Marschs auf Washington erneut auf diesen Stufen.
Vom Flügel und den Radiomikrofonen ist hier nichts geblieben. Auf Fotografien steht Anderson mit dem Rücken zum sitzenden Lincoln und dem Gesicht zum Washington Monument; die Fläche, die Säulen und der offene Raum für ihr fünfundsiebzigtausendköpfiges Publikum befinden sich noch an ihren früheren Plätzen.
Praktisch vor Ort
Die Haupthalle und der äußere Bereich sind kostenfrei zugänglich, sofern es keine vorübergehenden Schließungen gibt. Das Museum auf der unteren Ebene erfordert eine separate Eintrittskarte; Karten werden im Voraus und am selben Tag in begrenzten Kontingenten ausgegeben. Anfang Juli 2026 war das Gebiet von Feiertagsbeschränkungen betroffen.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Steigen Sie in einem angenehmen Tempo hinauf und halten Sie sich zunächst bei den Säulen auf, dann drehen Sie sich zum National Mall. Für diese Station genügen die frei zugänglichen Außenflächen und die Haupthalle.
