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Worauf achten
- Baryczka-Kruzifix
- Baryczkówkapelle
Die Geschichte des Ortes
Neben der Residenz der masowischen Herzöge und später neben dem Königsschloss stand die wichtigste Pfarrkirche des mittelalterlichen Warschau. Hier fanden königliche Gottesdienste und staatliche Zeremonien statt, und später wurde die Kirche zur Hauptkirche des Warschauer Erzbischofs. Im linken Seitenteil hängt das spätgotische Baryczka-Kruzifix, das nach dem Krieg in seine Kapelle zurückkehrte.
Am sechzehnten August neunzehnhundertvierundvierzig hatte die einundzwanzigjährige Barbara Piotrowska Dienst neben der Kathedrale. Vor dem Aufstand studierte sie heimlich Architektur; um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, gab sie Unterricht, zeichnete Entwürfe und strickte zum Verkauf. Nun diente Barbara als Sanitäterin des Bataillons „Wigry“ der Polnischen Heimatarmee: Sie verband Verwundete im Krankenhaus und ging jeden zweiten Tag zu den Stellungen, die direkt in der Kirche eingerichtet waren.
Während des morgendlichen Beschusses geriet die Kathedrale in Brand. In der Baryczkówkapelle sahen Barbara und die Sanitäterin Teresa Potulicka den Aufstandskaplan Wacław Karłowicz. Der Priester stand auf dem Altar und versuchte, ein großes hölzernes Kruzifix abzunehmen. Die Frauen nahmen die schwere Christusfigur mit ausgestreckten Armen entgegen und trugen sie in die Jesuitengasse, die unter Beschuss lag. In der nächsten Toreinfahrt trennte Karłowicz die ausgebreiteten Arme vom Rumpf: Die Skulptur war als Ganzes zu schwer über die Barrikaden zu tragen. Später brachte man sie in das unterirdische Aufstandskrankenhaus bei der St.-Hyazinth-Kirche.
Die gerettete Figur wird Baryczka-Kruzifix genannt. Im Jahr eintausendfünfhundertfünfundzwanzig brachte der wohlhabende Warschauer Kaufmann und Stadtrat Jerzy Baryczka sie aus Nürnberg und übergab sie der hiesigen Kirche. Einer alten Überlieferung zufolge zog Baryczka das Kruzifix aus einem Feuer, das Protestanten für katholische Bilder vorbereitet hatten. Forschende halten diese Version für eine Legende: Im damaligen Nürnberg zerstörte man kirchliche Skulpturen nicht auf diese Weise, und der Kaufmann erwarb sie höchstwahrscheinlich auf gewöhnlichem Weg. Die Rettung des Kruzifixes im August neunzehnhundertvierundvierzig ist dagegen durch die Berichte der Beteiligten selbst belegt.
Zu diesem Zeitpunkt wurde die Figur hier bereits seit vier Jahrhunderten verehrt. Deshalb riskierten drei Menschen für einen Gegenstand aus einem brennenden Gebäude ihr Leben: Für die Gemeindemitglieder war sie ein verehrtes Heiligtum, vor dem man Votivgaben und militärische Auszeichnungen niederlegte.
Die Kirche selbst ging aus der Pfarrkirche des mittelalterlichen Warschau neben der Residenz der masowischen Herzöge und später neben dem Königsschloss hervor. Später fanden hier königliche Gottesdienste und staatliche Zeremonien statt. Im Jahr eintausendachthundertsiebzehn erhielt die Kirche den Rang einer Erzkathedrale – der Hauptkirche des Warschauer Erzbischofs. Deshalb werden hier auch heute Pfarrmessen und die wichtigsten Gottesdienste des Erzbistums gefeiert.
Die vollständige Widmung der Kirche lautet Martyrium des Johannes des Täufers. Johannes war ein Prediger, der Jesus taufte; nach den Evangelien befahl Herodes Antipas, der Herrscher Galiläas, ihn zu enthaupten, nachdem Johannes die Ehe des Herodes mit der Frau seines Bruders verurteilt hatte. Bereits in Dokumenten aus dem Jahr eintausenddreihundertneununddreißig wird die hiesige Pfarrkirche nach der Enthauptung Johannes des Täufers benannt.
Barbara und Teresa überlebten den Aufstand, das Lager in Pruszków und die Zwangsarbeit, flohen und kehrten nach Warschau zurück. Barbara schloss die Architekturfakultät ab und arbeitete im Biuro Odbudowy Stolicy. Die zerstörte Erzkathedrale wurde nach dem Krieg wiederaufgebaut, und das Kruzifix kehrte im Jahr neunzehnhundertachtundvierzig in die Baryczkówkapelle zurück. Im Jahr zweitausendzwanzig ging die fast achtundneunzigjährige Barbara nach einer weiteren Restaurierung der Figur wieder neben ihr her und stützte das Kreuz auf dem letzten Wegstück zur Kathedrale.
Im linken Seitenteil der Erzkathedrale hängt heute jene spätgotische Figur, die drei Menschen von hier forttrugen, nachdem ihr die Arme abgetrennt worden waren.
Praktisch vor Ort
Offener städtischer Raum; wählen Sie einen Aussichtspunkt, der den Fußgängerverkehr nicht behindert.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Von außen ist die nachkriegszeitliche Entscheidung zugunsten der masowischen Gotik sichtbar. Berücksichtigen Sie beim Betreten Gottesdienste, bewahren Sie Ruhe und rechnen Sie nicht damit, jeden Teil der Kirche frei besichtigen zu können.
