Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Zwei Streifen aus rotem Ziegelstein im Pflaster
- Sandsteintafel am John-Haus
- Offenes Dreieck des Platzes
Die Geschichte des Ortes
Die roten Ziegelstreifen, die in das Pflaster eingelassen sind, zeichnen die Linien der verschwundenen Stadtmauern und des Krakauer Tores nach. Bis zum Beginn des neunzehnten Jahrhunderts wurde der Weg zum Königsschloss Warschau von Wohnhäusern, einer Apotheke, einem Stall und einem Kutschenschuppen eingeengt. Die zaristische Verwaltung ließ diese Bebauung entfernen, damit vor der Residenz ein breiter repräsentativer Zugang entstand; so formte sich das offene Dreieck des heutigen Schlossplatzes.
Am achten April tausendachthunderteinundsechzig kam der siebzehnjährige Michał Landy hierher, gemeinsam mit einer Prozession von Polen und Juden. Der Sohn eines Warschauer Holzhändlers besuchte gleichzeitig ein Realgymnasium und die Rabbiner-Schule. Die Teilnehmer forderten ein Ende der zaristischen Repressionen und die Rückgabe der Möglichkeit an die Stadtbewohner, in Warschau selbst für Ordnung zu sorgen.
Sechs Wochen zuvor hatten Soldaten hier bereits auf Demonstranten geschossen und fünf Menschen getötet. Danach gründeten Kaufleute, Ärzte, Geistliche und Vertreter anderer städtischer Stände eine Stadtdelegation. Vierzehn Delegierte erwirkten den Abzug der Truppen von den Straßen, ließen einen Teil der Gefangenen frei und stellten eigene Konstabler auf. Eine Zeit lang kamen die Stadtbewohner ohne die zaristische Polizei aus. Dann löste die Verwaltung die Delegation und die Landwirtschaftliche Gesellschaft auf – eine große legale polnische Organisation.
In der Nacht vom siebten auf den achten April legte der Leiter der Zivilverwaltung, Aleksander Wielopolski, der die Straßenversammlungen beenden wollte, dem Statthalter Michail Gortschakow ein neues Gesetz vor. Das Gesetz erlaubte den Einsatz von Waffen gegen Menschenmengen aus Zivilisten. Am Morgen begruben die Warschauer einen ehemaligen nach Sibirien Verbannten. Nach der Beerdigung zog ein Teil der Prozession zur Residenz des Statthalters im Königsschloss Warschau; unterwegs schlossen sich ihr weitere Menschen an.
Gerade für eine solche Konfrontation war die Anlage des Platzes entscheidend. Bis zum Beginn des neunzehnten Jahrhunderts gab es hier kein offenes Dreieck vor dem Schloss. Zwischen der Residenz und der Stadt standen das Krakauer Tor, Mauern, Wohnhäuser, eine Apotheke, ein Stall und ein Kutschenschuppen. In den Jahren tausendachthundertachtzehn bis tausendachthunderteinundzwanzig ließ der Architekt Jakub Kubicki diese Bebauung auf Anordnung der zaristischen Verwaltung abreißen. So entstand ein repräsentativer Zugang zum Schloss, nach dem der Platz seinen heutigen Namen erhielt. Zwei Streifen aus rotem Ziegelstein im Pflaster markieren die Linien des verschwundenen Tores und der Mauer.
Als die Prozession den geräumten Platz vor der Residenz des Statthalters füllte, eröffneten die Soldaten das Feuer. Dutzende Menschen kamen ums Leben. Landy ging an der Spitze mit einem Kreuz. Nach der bekanntesten Erzählung hob er es auf, nachdem Soldaten einen katholischen Mönch verwundet hatten. Das Museum von Warschau warnt, dass die Zeugnisse voneinander abweichen: Andere Augenzeugen nannten den Prozessionsteilnehmer Karol Nowakowski als den früheren Träger des Kreuzes.
Landy erhielt eine tödliche Verwundung. Man trug ihn in eine Apotheke, dann brachte sein Vater den Sohn ins St.-Rochus-Krankenhaus. Am nächsten Tag starb der junge Mann. Man begrub ihn in der Nacht vom zehnten auf den elften April auf dem Jüdischen Friedhof; die Polizei achtete darauf, dass nur die Nahestehenden zum Grab zugelassen wurden und die Beerdigung nicht zu einer neuen Prozession wurde. Die Erschießung der friedlichen Demonstration wurde zu einem der Ereignisse, nach denen der polnische Untergrund begann, den bewaffneten Januaraufstand gegen das Russisches Reich vorzubereiten.
Im Jahr zweitausendachtzehn brachte man an der Fassade des Eckhauses des John-Hauses, am Ausgang des Platzes zur Krakauer Vorstadt, eine Sandsteintafel an. Auf ihr werden Michał Landy, beide seiner Schulen und der achte April tausendachthunderteinundsechzig genannt. Die Tafel hängt nahe dem Rand des Platzes, wo man den Gymnasiasten aus dem Feuer getragen hatte.
Praktisch vor Ort
Offener städtischer Raum; wählen Sie einen Aussichtspunkt, der den Fußgängerverkehr nicht behindert.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Alle wichtigen Details sind vom Platz aus ohne Eintrittskarte zu sehen. Treten Sie an den Rand des Raums, damit Sie gleichzeitig die Säule, ihre alten Fragmente und die Schlossfassade erfassen können.
