Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Arkaden des Großen Hofs
- Fassade der St.-Johannes-Kirche
- Glockenturm
- Porträt von Valerian Protasewicz
Die Geschichte des Ortes
Die Arkaden des Großen Hofs verbinden die St.-Johannes-Kirche mit der alten Aula und den Hörsälen der Universität. Zunächst lag bei der Kirche der Hof des Kollegs; für dieses kaufte man das benachbarte große zweistöckige Haus. Zum Erscheinungsbild des Hofs kamen später Galerien, der Glockenturm und die barocke Fassade der Kirche hinzu, die es in den frühen Jahren noch nicht gab. Zu Beginn des Studienjahres ziehen Studierende und Lehrende hier wieder in einer Prozession zwischen Kirche und Gebäuden hindurch.
Am achtzehnten Oktober eintausendfünfhundertsiebzig wurde hier „Herkules“ aufgeführt. Ein professionelles Theater gab es in der Stadt noch nicht: Die Rollen spielten Schüler des gerade eröffneten Jesuitenkollegs Vilnius – einer Schule, die auf das Studium der Philosophie und Theologie vorbereitete. Die Komödie wurde auf Latein gespielt. So zeigten die Lehrer gleich, was sie lehren wollten: die Sprache zu beherrschen, eine Beweisführung aufzubauen und vor Publikum aufzutreten. Es war die erste bekannte Theateraufführung auf dem Gebiet Litauens.
Die heutigen Barockfassaden gab es damals nicht. An der Stelle des Großen Hofs der Universität Vilnius lag der Hof des Kollegs bei der St.-Johannes-Kirche. Die Schule richtete der Bischof von Wilna, Valerian Protasewicz, ein, der darauf hinarbeitete, dass Katholiken auf die Ausbreitung der Reformation mit Bildung und nicht allein mit Verboten antworteten. Er lud die Jesuiten ein, kaufte für sie ein großes zweistöckiges Haus neben der Kirche, überließ ihnen einen Teil seiner Bibliothek und sicherte der Schule Einkünfte aus Landbesitz. Später gründete er ein Wohnheim für arme Schüler. Für den Bischof war dies eine Ausgabe aus dem Vermögen, von dem er selbst und seine Einrichtungen unterhalten wurden, und keine ehrenvolle Förderung aus der Ferne.
Die Eröffnung war als öffentlicher Wettstreit geplant. Die Jesuiten hängten theologische Thesen an die Kirchentür und warteten sieben Tage auf Gegner, bereit, sie in einer Disputation zu verteidigen. Niemand kam. Danach führten die Schüler im Hof „Herkules“ auf, und am dreiundzwanzigsten Oktober begannen einhundertsechzig junge Männer ihren Unterricht. Hier lehrte man Grammatik, Poetik und Rhetorik; bald kamen Philosophie und Theologie hinzu. Die Aufführungen und Disputationen wurden fortgesetzt: Der Hof diente als Saal unter freiem Himmel, die Kirche als Ort öffentlicher Disputationen, und in der benachbarten Aula verteidigte man Arbeiten und verlieh Abschlüsse.
Das Kolleg durfte jedoch noch keine Universitätsdiplome ausstellen. Wohlhabende junge Männer gingen dorthin, wo ein Abschluss über die Grenzen einer einzelnen Schule hinaus anerkannt wurde. Protasewicz setzte sich mehrere Jahre lang für neue Rechte ein. Im Jahr eintausendfünfhundertneunundsiebzig erteilte der König von Polen und Großfürst von Litauen, Stephan Báthory, ein Privileg zur Gründung der Akademie Vilnius, und Papst Gregor der Dreizehnte bestätigte es durch eine Bulle. Das Kolleg erhielt das Recht, Abschlüsse in Philosophie und Theologie zu verleihen. Zum ersten Rektor ernannte man den Jesuiten Piotr Skarga; deshalb nannte man den Großen Hof später Skargas Hof.
Protasewicz starb zwei Monate nach der päpstlichen Entscheidung. Die Jesuiten leiteten die von ihm geschaffene Universität fast zwei Jahrhunderte lang, und die Schüler konnten in Vilnius ihre Arbeiten verteidigen, statt für einen anerkannten Abschluss reisen zu müssen.
Die Arkaden, der Glockenturm und die heutige Fassade der Kirche entstanden später. Von den Dekorationen des ersten „Herkules“ ist nichts erhalten. In der Galerie ist ein Porträt von Protasewicz erhalten, und zu Beginn des Studienjahres zieht hier weiterhin eine Prozession von Studierenden und Lehrenden ein: Vom Hof führen Türen in die Kirche, die Universitätsaula und die Hörsäle.
Praktisch vor Ort
Zentrales Ensemble: Montag–Samstag 9:00–18:00. St.-Johannes-Kirche: Montag–Samstag 9:00–19:00, Sonntag 9:00–15:00. Glockenturm: täglich 10:00–19:00, Tickets bis 18:30.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Universität bleibt ein Arbeitsraum, daher kann der Zugang zum Hof eingeschränkt sein. Hören Sie in diesem Fall am Eingangsbogen zu; planen Sie den Aufstieg auf den Glockenturm getrennt.
