Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Gediminas-Denkmal
- Eiserner Wolf auf dem Sockel
- Farbiger Streifen im Pflaster
- Weiße Fassade der Kathedrale
Die Geschichte des Ortes
Der Kathedralplatz nimmt den Mittelpunkt des verschwundenen Unteren Schlosses von Vilnius ein, der wichtigsten fürstlichen Residenz von Vilnius. Unter der Bronzestatue fanden Archäologen mehrere Pflasterungen, ein Mauerfragment mit einer Einfahrt und eine Straße zum Schloss; eine farbige Linie zwischen den Steinen zeigt einen Teil seiner Grenze. Die weiße Kathedrale entstand hier erst viel später mit der Bekehrung des Landes zum Katholizismus und veränderte ihr Aussehen mehrmals, doch der Platz verbindet noch immer das frühere Schloss mit dem wichtigsten Gotteshaus der Stadt.
Vor der katholischen Kathedrale steht ein Mensch, der bis zu seinem Tod Heide blieb. Es ist Gediminas, der Großfürst – der oberste Herrscher des damaligen Litauen. Der Bildhauer stellte ihn neben ein Pferd, gab ihm ein Schwert in die linke Hand und hob die rechte zum Segensgestus.
Gediminas wird als Gründer von Vilnius bezeichnet, obwohl hier lange vor ihm bereits eine Siedlung bestand. Archäologen fanden Befestigungen und Wohnbauten, die vor der Herrschaft des Fürsten entstanden waren. Gediminas machte Vilnius zu seiner Hauptresidenz, erweiterte das Untere Schloss von Vilnius und nannte die Stadt erstmals in einer Urkunde, die sich genau datieren lässt.
Zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts brauchte der Fürst zwei Dinge: eine Atempause im Krieg mit dem Deutschen Orden und Menschen für die wachsende Hauptstadt. Der Orden war ein Staat von Kriegermönchen, die das heidnische Litauen angriffen und dessen Taufe als Ziel ausgaben. Gediminas versuchte, ihnen mit Hilfe des Papstes diesen Vorwand zu nehmen, doch eine eigene Taufe konnte ihn Thron und Leben kosten. Sein Staat vereinte heidnische Litauer und orthodoxe ruthenische Länder; Gesandte berichteten später, dass die Gefolgsleute beider Seiten dem Fürsten mit Gewalt drohten, falls er Katholik würde.
Gediminas diktierte seinen Hofmönchen lateinische Briefe. Sie wurden höchstwahrscheinlich im nahen Wohnturm der Burg verfasst, dort, wo sich heute der Palast der Großfürsten von Litauen befindet. Am fünfundzwanzigsten Januar eintausenddreihundertdreiundzwanzig wandte sich der Fürst an die Einwohner von Lübeck, Bremen, Magdeburg, Köln und anderen Städten. Er lud Ritter, Kaufleute, Ärzte, Schmiede, Schuhmacher, Müller und Landwirte nach Litauen ein. Den Bauern versprach er zehn Jahre Steuerfreiheit, den Händlern freie Ein- und Ausreise ohne Zölle, den Christen die Möglichkeit, ihren Glauben auszuüben. In diesem Brief ist der Name Vilnius erstmals schriftlich überliefert.
Gleichzeitig beklagte sich Gediminas bei Papst Johannes dem Zweiundzwanzigsten über den Deutschen Orden und gebrauchte Formeln, die man in Rom als Versprechen verstand, den Katholizismus anzunehmen. Der Papst, der die Taufe des litauischen Herrschers anstrebte, schickte ihm Legaten – seine bevollmächtigten Vertreter. Im Herbst eintausenddreihundertvierundzwanzig trafen die Gesandten der Legaten am Hof in Vilnius ein, um die endgültige Zustimmung zu erhalten.
Bei einem Empfang fragte Gediminas, ob ihnen der Inhalt des Briefes bekannt sei. Die Gesandten antworteten, der Fürst beabsichtige, sich taufen zu lassen. Darauf erklärte er, einen solchen Auftrag habe er nicht erteilt, und beschuldigte den Franziskaner Berthold – den Mönch, der die Worte des Fürsten auf Latein niedergeschrieben hatte. Berthold verteidigte sich: Er habe geschrieben, Gediminas wolle ein „Sohn des Gehorsams“ werden und sich unter den Schutz der Heiligen Mutter Kirche begeben. Für den katholischen Klerus bedeuteten diese Worte die Taufe. Gediminas deutete sie anders. Er sagte, er könne den Papst nur deshalb Vater nennen, weil dieser älter sei; Menschen seines Alters nenne er Brüder, jüngere Söhne.
Aus dem erhaltenen Bericht wird klar, wie das Treffen endete, doch lässt sich nicht feststellen, ob der Fürst sich zunächst aufrichtig taufen lassen wollte oder von Anfang an im Brief ein Schlupfloch gelassen hatte. Die Gesandten kehrten ohne Zustimmung zurück. Gediminas blieb Heide, doch die päpstlichen Legaten bestätigten den von ihm geschlossenen vierjährigen Waffenstillstand, und katholische Mönche dienten weiterhin in seinen Herrschaftsgebieten.
Die offizielle Taufe Litauens erfolgte erst sechs Jahrzehnte später. Sie vollzog Gediminas’ Enkel Jogaila, der den Katholizismus annahm, die polnische Krone erhielt und hier im Jahr eintausenddreihundertsiebenundachtzig die Kathedrale stiftete. Der heutige weiße Bau wurde viele Male umgestaltet, doch der Name des Platzes verweist noch immer auf Jogailas Entscheidung und das Denkmal davor auf die unvollendeten Verhandlungen seines Großvaters.
Als im Jahr eintausendneunhundertsechsundneunzig das Fundament für den bronzenen Gediminas vorbereitet wurde, entdeckten Archäologen unter dem künftigen Sockel mehrere alte Pflasterungen, eine Mauer mit einer Toröffnung und eine Straße zur fürstlichen Residenz. Die Statue wurde fast im Zentrum des früheren Unteren Schlosses von Vilnius aufgestellt. Ein farbiger Streifen im Pflaster des Platzes markiert einen Teil seiner Grenze.
Der eiserne Wolf auf dem Sockel gehört zur Überlieferung vom prophetischen Traum Gediminas’; es ist eine Legende über die Gründung der Stadt. Das schriftliche Zeugnis ist bescheidener: Die Originale der fürstlichen Briefe sind verschwunden, erhalten blieb eine in Riga angefertigte Kopie. Auf ihr steht das Datum, von dem an Vilnius heute sein Alter zählt.
Praktisch vor Ort
Der Platz und das Denkmal sind rund um die Uhr zugänglich.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die verborgenen Krypten und Befestigungen der Kathedrale sind vom Platz aus nicht sichtbar; für diesen Stopp genügen der offene Raum und die vier genannten Orientierungspunkte.
