Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Steinerne Figuren in orientalischer Kleidung
- Statue des Sior Antonio Rioba
- Eisennase
- Relief mit einem Kamel am benachbarten Palazzo
Die Geschichte des Ortes
In die Hauswände am Campo dei Mori sind Figuren von Männern in orientalischer Kleidung eingelassen. Den Namen des Platzes bringt man mit drei griechischen Brüdern in Verbindung – Rioba, Sandi und Afani. Einer alten venezianischen Chronik zufolge flohen sie im Jahr eintausendeinhundertzwölf vor inneren Kämpfen aus der Morea – so nannte man damals den Peloponnes – und brachten ein großes Vermögen mit.
Die Brüder waren Kaufleute. Neben dem heutigen Platz bauten sie Häuser, und ihre Familie handelte mit Gewürzen und Apothekenwaren, setzte eigene Schiffe ein und unterhielt ein Lagerhaus mit dem Zeichen eines Kamels. Die Darstellung eines Kameltreibers mit einem Kamel ist am benachbarten Palazzo Mastelli erhalten. Nach der traditionellen Erklärung nannten die Venezianer die Zugewanderten aus der Morea „Mori“, und dieser Beiname ging auf die Brücke, das Ufer und den Platz über.
Die steinernen Männer kann man nicht als genaue Porträts der Brüder ansehen. Die Figuren werden auf das Ende des dreizehnten Jahrhunderts datiert, und erst eine spätere städtische Überlieferung verband sie mit den Namen und Lebensgeschichten der Brüder. Sie verwandelte auch die Eckstatue in Sior Antonio Rioba – einen örtlichen Herrn, den es nie gegeben hat.
Rioba bekam eine durchaus echte Aufgabe. Die Venezianer befestigten an der Statue anonyme Spottverse, Anschuldigungen und Gedichte. Ein Mensch setzte nicht seinen Namen unter einen gefährlichen Text: Als dessen Autor galt der steinerne Sior. Deshalb nannte man Rioba eine venezianische „sprechende Statue“.
Im Jahr eintausendachthundertachtundvierzig brauchte der siebenundzwanzigjährige Philologe und Archivar Francesco Berlan diesen Straßennamen. Er verdiente seinen Lebensunterhalt durch Unterricht und eine Tätigkeit im Bildungsamt, schaltete sich jedoch nach dem Abzug der österreichischen Garnison in das politische Leben der in Venedig ausgerufenen Republik Venedig ein. Gemeinsam mit Augusto Giustinian gründete Berlan eine tägliche satirische Zeitung und nannte sie „Il Sior Antonio Rioba“. Die erste Ausgabe erschien am dreizehnten Juli. Nun stritt der erfundene Bewohner des Campo dei Mori auf gedruckten Seiten mit anderen städtischen Statuen.
Die Polizei stellte die Zeitung mehrmals ein. Nach einem besonders scharfen Artikel untersagte der Patriarch von Venedig den Gläubigen, sie zu verkaufen und zu lesen, und am neunundzwanzigsten März eintausendachthundertneunundvierzig wurde die Veröffentlichung eingestellt. Berlan wurde Abgeordneter, beteiligte sich an der Verteidigung der Republik und ging nach ihrem Fall fort: Die Rückkehr nach Venedig wurde ihm nicht erlaubt. Im Exil lebte er von der Zeitungsarbeit und konnte „Il Sior Antonio Rioba“ erst zehn Jahre später wieder herausgeben.
An der Ecke des Platzes ist der Adressat jener Zettel und Zeitungsartikel geblieben – der steinerne Rioba. Im neunzehnten Jahrhundert ersetzte man ihm die verlorene Nase durch ein Stück Eisen; an dieser dunklen Nase erkennt man unter den übrigen „Mori“ genau den Sior, mit dessen Namen Menschen Worte unterzeichneten, die sie nicht mit ihrem eigenen Namen zu unterzeichnen wagten.
Praktisch vor Ort
Offener städtischer Raum; gewöhnlich rund um die Uhr zugänglich.
Geprüft: 28. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie die Skulpturen vom Platz aus und respektieren Sie die Eingänge zu den Wohnungen. Casa di Tintoretto ist ein äußerer historischer Orientierungspunkt, kein versprochener Museumsinnenraum.
