Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Säulen des Gebetssaals
- Innenhof
- Nordmauer der Moschee
- Überdachte Marktpassagen
Die Geschichte des Ortes
Im Frühjahr eintausendneunhundertzehn hielten die Studenten der Zitouna in dieser Moschee ohne Lehrkräfte eine Vollversammlung ab. Schon eine Versammlung, die sie eigenständig abhielten, verstieß gegen die hier geltende Ordnung. Ein Scheich – ein Gelehrter, der Theologie, die arabische Sprache oder muslimisches Recht lehrte – setzte sich an eine Säule. Die Schüler ordneten sich als Halqa um ihn an, also in einem Kreis. Separate Unterrichtsräume waren nicht nötig: Hier betete man, hier unterrichtete man und nahm Prüfungen ab.
Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts sicherte eine solche Ausbildung den Absolventen nicht mehr ihre frühere Stellung. Tunesien stand unter französischem Protektorat, und Zugang zu bezahlten Stellen in der Verwaltung erhielten immer häufiger Menschen, die Französisch und moderne Fächer beherrschten. Den Absolventen der Zitouna blieben vor allem der Unterricht in Arabisch und wenige religiöse Ämter. Mehrere Jahre des Studiums an den Säulen konnten mit einem Diplom enden, von dem man kaum leben konnte.
Bei der Versammlung im März verlangten die Studenten Änderungen der Lehrpläne und Unterrichtsmethoden. Sie wählten Delegierte, und die Protektoratsverwaltung stimmte der Einrichtung einer Reformkommission zu. Ein Monat verging, doch die Kommission hatte nicht einmal mit erkennbarer Arbeit begonnen.
Am sechzehnten April stellten die Studenten den Unterricht ein und gingen zum Dar el-Bey, in dem die Regierung des Bey tagte. Nach den ersten Verhaftungen setzten sie den Streik fort. Nun riskierte jeder nicht eine künftige Stelle, sondern seine Freiheit und sogar die Möglichkeit, das Studium abzuschließen. Zwölf Tage lang gab es hier keinen gewöhnlichen Unterricht.
Schließlich empfing der Minister der Regierung des Bey die Delegierten. Die Verwaltung versprach, die Verfolgung der Beteiligten zu beenden, die Verhafteten wurden freigelassen, und am achtundzwanzigsten April öffnete die Zitouna wieder. Die Studenten kehrten zu ihren Säulen zurück, erhielten aber nicht das Wichtigste: Lehrpläne und Aufbau des Unterrichts änderten sich kaum.
Zwei Jahre später teilte eine neue Ordnung den Lehrgang in drei Stufen und führte getrennte Diplome ein. Naturwissenschaften, neue Lehrbücher und der Zugang der Absolventen zu einer größeren Zahl von Berufen blieben noch jahrzehntelang umstritten. Im Jahr eintausendneunhundertachtundfünfzig verlegte man den Unterricht aus der Moschee in eine eigene Bildungseinrichtung.
Heute belegt die Universität Zitouna andere Gebäude. Im Gebetssaal sind die Säulen erhalten, an denen die Scheichs Unterricht hielten, doch studentische Kreise gibt es an ihren Fußenden nicht mehr. Das Wort „Zitouna“ bedeutet „Olive“: Einer Überlieferung zufolge wuchs an dieser alten Gebetsstätte ein Olivenbaum. Der Olivenbaum selbst ist schon lange nicht mehr hier – von ihm blieb der Name der Moschee.
Praktisch vor Ort
Der Zugang zur Umgebung und das Lesen der Station von außen sind zuverlässig; die Regeln für den Eintritt in den Hof und besonders in die Gebetsräume hängen von den örtlichen Vorschriften, der Gebetszeit und der aktuellen Zulassung von Besuchern ab.
Geprüft: 17. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Beachten Sie die Regeln der aktiven Moschee, tragen Sie dezente Kleidung und rechnen Sie nicht damit, während der Gebetszeit oder bei örtlichen Einschränkungen eintreten zu können.
