Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Gotische Fassade des Tallinner Rathauses
- Gerichtssaal
- Offener Raum des Platzes
Die Geschichte des Ortes
Der Rathausplatz dient Messen, Konzerten und Stadtfesten, weil der offene Platz vor dem Tallinner Rathaus schon im Mittelalter der wichtigste Markt der Unterstadt war. Hier verkaufte und wog man Waren, und hinter dem südlichen Rand des Platzes entschieden die Ratsherren – Mitglieder des Stadtrats – Streitigkeiten und sprachen Urteile. Das Tallinner Rathaus gab dem Platz seinen heutigen Namen.
Am vierundzwanzigsten Januar eintausendfünfhundertfünfunddreißig kam der Pflasterer Nikolai hierher. Er verdiente sein Geld mit dem Verlegen von Steinen auf den Straßen der Stadt und bemühte sich um ein Gerichtsverfahren gegen Johann von Uexküll, den Herrn des Gutes Riisipere. Uexküll hatte den Bruder von Nikolai getötet, Mattis aus Suurepere, einen von ihm abhängigen Bauern.
Spätere Nacherzählungen bezeichnen Mattis als Flüchtling, der in der Stadt Zuflucht suchte. Die erhaltenen Gerichtsaufzeichnungen bestätigen das nicht: Es ist unbekannt, wo der Mord geschah und weshalb der Streit begann. Bekannt ist jedoch, was Uexküll selbst gestand. Er befahl, Mattis zu entkleiden, ihn in Ketten zu legen und ihn zwei Nächte lang in der Kälte liegen zu lassen. Als dem Gefangenen die Füße erfroren waren, schlug der Gutsherr ihn mit einem Holzscheit auf die Fußsohlen und auf den Kopf, bis er starb.
Nikolai forderte, Uexküll sein städtisches Schutzzeugnis zu entziehen. Ein solches Zeugnis garantierte dem Angeklagten vorübergehend Sicherheit und gab ihm die Möglichkeit, eine Entschädigung auszuhandeln. Der Stadtrat erfüllte die Bitte des Pflasterers. Uexküll kam dennoch in die Stadt, und der Gerichtsvogt – ein Beamter für Strafsachen – nahm ihn in Gewahrsam.
Im Tallinner Rathaus gestand der Gutsherr ohne Folter und versuchte dann, sich freizukaufen. Den städtischen Armenhäusern bot er ein ganzes Dorf und bis an sein Lebensende jährlich etwa je zwei Tonnen Roggen an, dem Stadtrat tausend Mark. Der Umfang des Angebots zeigt, wie viel Land und Getreide hinter seiner Stellung standen. Die Ratsherren lehnten ab. Im Gerichtsbuch hielten sie fest, dass mit einem Reichen ebenso verfahren werden solle wie mit einem Armen.
Am siebten Mai eintausendfünfhundertfünfunddreißig wurde Johann von Uexküll mit einem Schwert enthauptet. Der genaue Ort der Hinrichtung ist unbekannt. Der Chronist Balthasar Russow schrieb, das Urteil sei zwischen den Stadttoren vollstreckt worden; später verband eine Tallinner Überlieferung es mit dem Harju-Tor. Der Frau des Hingerichteten gab man den Leichnam, das Schwert und die bei ihm gefundenen Sachen zurück. Die Kleidung, in der er zum Henker gegangen war, erhielt der Henker.
Das gotische Gebäude am Rand des Platzes ist eben jenes Tallinner Rathaus, in das der Pflasterer Nikolai seine Klage gegen den Gutsherrn brachte. Im Hauptgeschoss ist der Gerichtssaal erhalten, und vor der Fassade bleibt weiterhin ein freier Platz für den Markt und die ganze Stadt.
Praktisch vor Ort
Der Platz ist rund um die Uhr geöffnet. Das Innere des Tallinner Rathauses ist saisonal geöffnet; für 2026 ist der Sommerbetrieb vom 1. Juni bis 31. August mit letztem Einlass 30 Minuten vor Schließung angekündigt.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Sehen Sie sich den Platz zunächst als Ganzes an und gehen Sie dann zu den Details des Pflasters; während Veranstaltungen können einige Markierungen durch Aufbauten oder Tische verdeckt sein.
