Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Schwarzes Schild mit goldenen Buchstaben
- Handelswaagen
- Ladentisch
- Kisten und Dosen mit Waren
Die Geschichte des Ortes
Der Geschäftsteil des Hauses nahm das untere Stockwerk ein: Zwischen Waagen, Ladentisch, Kisten und Dosen wurden Waren gelagert und ausgegeben. Oben befanden sich die Wohnräume, deshalb gehörte die Arbeit im Laden zum Alltag der Familie und blieb nicht eine Angelegenheit hinter einer separaten Tür. Die Ausstellung wurde am dritten November neunzehnhundertsiebenundsiebzig eröffnet und nach Familienerinnerungen, Dokumenten und alten Gegenständen zusammengestellt; der ursprüngliche Innenraum hat nicht unberührt bis in unsere Tage überdauert.
Im Jahr achtzehnhundertneunundsechzig suchte der Taganroger Kaufmann Pawel Jegorowitsch Tschechow einen Ort, an dem sein Handel mehr Geld einbringen würde. Er mietete vom Kaufmann Moissejew ein zweigeschossiges Haus neben dem neuen Markt, den Jahrmarktsplätzen und dem Bahnhof. Unten eröffnete er ein Geschäft, im Keller lagerte er Vorräte, und oben brachte er die Familie unter. Über dem Eingang erschien ein schwarzes Schild mit goldenen Buchstaben: „Tee, Zucker, Kaffee und andere Kolonialwaren“. Als Kolonialwaren bezeichnete man damals eingeführte Waren wie Tee und Kaffee, doch das Sortiment war viel breiter: Mehl, Grütze, Seife, Kerzen, Kerosin, Hering, Arzneimittel und Wein.
Das Wort „Tschechows“ bezieht sich hier auf die ganze Familie. Der Besitzer war der Vater, doch hinter den Ladentisch stellte er seine Söhne Alexander, Nikolai und Anton. Den neunjährigen Anton Pawlowitsch Tschechow wollte Pawel Jegorowitsch an den Handel gewöhnen und zu seinem „Auge des Hausherrn“ machen: Der Junge sollte Waren ausgeben, Geld zählen und die Gehilfen beaufsichtigen.
Tschechows älterer Bruder beschrieb später einen Winterabend in diesem Haus. Anton kam vom Gymnasium zurück und setzte sich an Latein. Der Vater wollte fortgehen und befahl ihm, in den Laden hinunterzugehen. Der Junge versuchte zu widersprechen: Für den nächsten Tag sei viel aufgegeben, und im Verkaufsraum sei es kalt. Pawel Jegorowitsch antwortete, die Aufgaben könne man am Ladentisch lernen. Der Laden wurde nicht beheizt, damit die Waren nicht verdarben. Anton setzte sich auf eine Seifenkiste, schlug sein Heft auf und entdeckte Eis im Tintenfass. Bliebe die Übersetzung unerledigt, bekäme er im Gymnasium eine schlechte Note; zu Hause konnte darauf eine Tracht Prügel vom Vater folgen.
Auch die Handelslehre erwies sich als verwirrend. Einer Familienerinnerung zufolge sah Anton eines Tages, wie ein Junge hinter dem Ladentisch mit einem Finger die Waagschale festhielt und einer Kundin zu wenig Wurst abwog. Die Mutter erklärte ihrem Sohn, dass man nicht betrügen dürfe und der Vater so etwas nicht zulassen würde. Die Kundin kam bald mit einer Beschwerde zurück. Ohne die Sache zu klären, weigerte sich Pawel Jegorowitsch, den Betrug beim Abwiegen anzuerkennen: Er erklärte, ihre Waage zu Hause habe sich geirrt, und verteidigte den guten Namen des Geschäfts. Er hielt sich für einen ehrlichen Kaufmann, doch der Sohn hatte bereits gesehen, wie die ehrliche Regel verschwindet, wenn auf der anderen Waagschale ein Verlust von einigen Kopeken liegt.
Pawel Jegorowitsch hoffte, Nachfolger für sein Geschäft heranzuziehen. Im Jahr achtzehnhundertvierundsiebzig verließen die Tschechows dieses gemietete Haus und zogen in ein eigenes. Weitere zwei Jahre später ging der Vater bankrott und floh vor den Gläubigern nach Moskau. Der sechzehnjährige Anton blieb in Taganrog, um das Gymnasium abzuschließen, und verdiente Geld durch Unterrichtsstunden. Später ernährte er die Familie bereits mit literarischen Honoraren, die der Vater einst mit dem Handel zu ernähren gehofft hatte.
Die heutige Ausstellung wurde am dritten November neunzehnhundertsiebenundsiebzig eröffnet. Die Einrichtung des Ladens wurde nach Familienerinnerungen, Dokumenten und alten Gegenständen rekonstruiert; es ist kein Verkaufsraum, der seit der Zeit der Tschechows unberührt erhalten geblieben wäre. Im ersten Stock befinden sich wieder Waagen, ein Ladentisch und Waren, oben die Wohnräume. Es ist genau jene Anordnung des Hauses, bei der der Vater den Sohn jederzeit vom Schulbuch hinter den Ladentisch rufen konnte.
Praktisch vor Ort
Di–So 10:00–18:00, Kasse bis 17:00; Mo geschlossen. Bis 31.08.2026 donnerstags 10:00–19:00, Kasse bis 18:00. 01.07.2026 Hygienetag.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Von außen lassen sich das Schild und die Anlage des Handelshauses erkennen; der Innenraum ist nötig, um die Nähe von Ladentisch und Familienwohnung zu spüren.
