Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Klassenzimmer mit Schulbänken
- Gymnasialuniform
- Alleen des Gymnasiumsgartens
- Gedenkzeichen für namenlose Opfer
Die Geschichte des Ortes
In dem alten Schulgebäude befindet sich heute das Literaturmuseum. Nach Erinnerungen ehemaliger Schüler wurden hier das Vestibül, ein Klassenzimmer mit Schulbänken, die Aula, der Karzer und der Korridor im zweiten Stock wiederhergestellt. Hinter dem Gebäude wurde der Gymnasiumsgarten erneut angelegt: Die früheren Anpflanzungen sind nicht erhalten, und inmitten der neuen Alleen steht ein Gedenkzeichen für namenlose Opfer der Nationalsozialisten, die nach dem Krieg im Garten gefunden wurden.
Vor uns steht das Gebäude des Taganroger klassischen Knabengymnasiums. Anton Pawlowitsch Tschechow lernte hier elf Jahre lang – von achtzehnhundertachtundsechzig bis achtzehnhundertneunundsiebzig. Der Religionslehrer Fjodor Pokrowski liebte es, die Nachnamen der Schüler zu verändern, und nannte ihn Antoscha Tschechonte. Später zeichnete Tschechow humoristische Erzählungen und seine beiden ersten Sammelbände – „Märchen der Melpomene“ und „Bunte Geschichten“ – mit diesem Schulspitznamen. So gelangte ein vertrauter Spitzname aus der Gymnasialklasse auf Buchumschläge.
Im Jahr achtzehnhundertachtundsiebzig besuchte Tschechow die siebte Klasse, und sein Kamerad Lew Wolkenstein bereitete sich darauf vor, die abschließende achte Klasse zu beenden. Nach der Erinnerung des Gymnasiasten Michail Rabinowitsch vereinbarten die Abgänger, den aufgegebenen Aufsatz nicht zu schreiben. Wolkenstein brach die Vereinbarung. Einer seiner Mitschüler beleidigte ihn wegen seiner jüdischen Herkunft und erhielt eine Ohrfeige. Der Vater des beleidigten Schülers beschwerte sich, und der Lehrerrat schloss Wolkenstein innerhalb einer Stunde aus. Für einen Abgänger bedeutete das, das Abschlusszeugnis und die Möglichkeit zur Fortsetzung seiner Ausbildung zu verlieren.
Tschechow wollte seinen Kameraden zurückholen. Er schlug zehn Gymnasiasten vor, sich beim Direktor Edmund Reitlinger um eine Audienz zu bemühen und fertige Gesuche um ihren eigenen Austritt mitzubringen: Falls Wolkenstein nicht wieder aufgenommen würde, würden auch sie das Gymnasium verlassen. Reitlinger, der hier für die Disziplin und die Entscheidung des Lehrerrats zuständig war, hörte die Schüler an, wurde zu Tränen gerührt und versprach, den Rat noch am selben Tag erneut einzuberufen. Der Ausschluss wurde aufgehoben. Wolkenstein beendete das Gymnasium, erhielt eine juristische Ausbildung und wurde Rechtsanwalt. Auch nachdem Tschechow Taganrog verlassen hatte, blieben sie befreundet; im Jahr achtzehnhundertsechsundneunzig vermerkte der Schriftsteller ihr gemeinsames Abendessen in Rostow in seinem Tagebuch.
Das Museum nimmt genau dieses Gymnasialgebäude ein. Nach den Erinnerungen der Schüler wurden innen das Vestibül, ein Klassenzimmer, die Aula, der Karzer und der Korridor im zweiten Stock wiederhergestellt. Die literarische Ausstellung beginnt dort, wo Tschechow noch an der Schulbank saß, eine Schüleruniform trug und seine Kameraden zu einem Gespräch mit dem Direktor versammelte.
Hinter dem Gebäude befanden sich auch zu Tschechows Zeit der Gymnasiumshof und der Garten. Der heutige Gymnasiumsgarten bewahrt die alten Anpflanzungen nicht. Nach dem Abriss eines baufälligen Schulgebäudes im Jahr zweitausenddreizehn schlugen Museumsmitarbeiter vor, dem Gelände seine frühere Bestimmung zurückzugeben; der neue Bereich wurde im Frühjahr zweitausendsechsundzwanzig eröffnet.
Ein Teil davon ist mit einem anderen Schicksal des Gymnasiumsgeländes verbunden. Während der deutschen Besatzung war im Gebäude mehrere Monate lang das SS-Sonderkommando 10a untergebracht. Im Herbst neunzehnhundertsiebenundfünfzig entdeckte man bei Instandhaltungsarbeiten im Garten einen Graben mit menschlichen Überresten. Inmitten der neuen Alleen steht ein Gedenkzeichen für namenlose Opfer der Nationalsozialisten an der Stelle jenes Fundes.
Praktisch vor Ort
Di–So 10:00–18:00, Kasse bis 17:00; Mo geschlossen. Bis 31.08.2026 ist das Museum donnerstags bis 19:00 geöffnet, die Kasse bis 18:00. Der Garten ist kostenlos, der Eintritt endet um 17:30. 01.07.2026 Reinigungstag.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Gebäude und Garten lassen sich von außen betrachten, doch das Museumsinterieur vermittelt die Atmosphäre der schulischen Ordnung besser.
