Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Kolonnade
- Erster Sitzungssaal des Legislative Council of New South Wales
- Flügelfenster
- Bemalung, die Holzpaneele nachahmt
Die Geschichte des Ortes
Im Jahr achtzehnhundertdreiundfünfzig legte William Charles Wentworth dem hier tagenden Legislative Council of New South Wales einen Entwurf für eine Verfassung von New South Wales vor. Wentworth, Vorsitzender eines Sonderausschusses und wohlhabender Grundbesitzer, setzte sich für die Selbstverwaltung der Kolonie ein. Die Minister sollten aus der parlamentarischen Mehrheit gewählt und nicht nach dem Ermessen des Gouverneurs ernannt werden; örtliche Gesetze müssten nicht mehr über London laufen.
Der Council gelangte beinahe zufällig in dieses Gebäude. Die Kolonnade an der Macquarie Street gehörte zum Nordflügel des Kolonialkrankenhauses. Die britische Regierung weigerte sich, den Bau zu bezahlen, und Gouverneur Lachlan Macquarie traf eine Vereinbarung mit drei Bauunternehmern: Sie würden das Krankenhaus errichten und erhielten dafür ein Monopol auf die Einfuhr von fünfundvierzigtausend Gallonen hochprozentigen Alkohols. Einer der Bauunternehmer war der oberste Chirurg D'Arcy Wentworth, Williams Vater; der Nordflügel war für den obersten Chirurgen bestimmt. Im Jahr achtzehnhundertneunundzwanzig überließ man einige seiner Räume dem inzwischen gewachsenen Legislative Council of New South Wales.
Der Entwurf von D'Arcys Sohn sah zwei Kammern vor. Die untere sollte gewählt werden – obwohl nur Männer wählen durften, die die Vermögensvoraussetzung erfüllten. Wentworth schlug vor, die Mitgliedschaft in der oberen Kammer ebenso wie die Titel britischer Lords zu vererben. Die Wahlkreise teilte er so ein, dass ländliche Gebiete und große Viehzüchter einen Vorteil erhielten. Für Wentworth selbst war das ein ganz konkreter Einsatz: Er besaß ausgedehnte Ländereien und führte im Council die Konservativen an, die die Interessen der Grundbesitzer verteidigten.
Gegen den Entwurf trat der fünfundzwanzigjährige Jurist aus Sydney, Daniel Henry Deniehy, auf. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Rechtsanwalt, schrieb für Zeitungen und setzte sich dafür ein, dass Grundbesitzer keine erblichen Sitze in der Gesetzgebung erhielten. Bei einer Versammlung im Victoria Theatre nannte Deniehy den vorgeschlagenen Adel eine „Bunyip-Aristokratie“ – nach einem mythischen Wasserwesen aus den Überlieferungen der indigenen Völker im Südosten Australiens. Die Zeitungen griffen den Beinamen auf. Aus dem endgültigen Entwurf verschwanden sowohl die erblichen Peers als auch die Einteilung der Wahlkreise zugunsten der Viehzüchter.
Wentworth behielt den übrigen Aufbau bei. Er legte sein Mandat im Council nieder und reiste nach England, um die Genehmigung des überarbeiteten Dokuments zu erwirken. Am sechzehnten Juli achtzehnhundertfünfundfünfzig verabschiedete das britische Parlament das Gesetz, und am zweiundzwanzigsten Mai des folgenden Jahres kamen die beiden neuen Kammern hier erstmals zusammen. Die untere Kammer wurde vollständig gewählt; die Mitglieder der oberen Kammer wurden ernannt. Die Regierung blieb nun im Amt, solange sie von der Mehrheit der Legislative Assembly of New South Wales unterstützt wurde. Ein Jahr später wurde Deniehy selbst in diese untere Kammer gewählt.
So arbeitet das Parlament auch heute: Die Legislative Assembly of New South Wales bildet die Mehrheit und stimmt über Gesetze ab, der Legislative Council of New South Wales prüft dieselben Gesetzesentwürfe als Oberkammer. Hinter der Kolonnade ist der erste Sitzungssaal des Council erhalten, in dem die Abgeordneten seit achtzehnhundertneunundzwanzig tagten. Er wurde Wentworth Room genannt, zugleich nach D'Arcy, dem Bauunternehmer und obersten Chirurgen, und William, dem Vorsitzenden des Verfassungsausschusses. Im Inneren sind die ursprünglichen Flügelfenster und die Bemalung, die Holzpaneele nachahmt, erhalten; in der benachbarten Kammer der Assembly hängt seit achtzehnhundertneunundfünfzig ein Porträt von William Wentworth.
Praktisch vor Ort
Das Parlament bleibt eine arbeitende und bewachte Institution. Halten Sie sich nicht an kontrollierten Eingängen auf; besuchen Sie die Innenräume nur nach den geltenden Regeln oder mit einer gesonderten Führung.
