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Gerberhaus und Petite France

Maison des Tanneurs et Petite France

Dieser Halt erklärt, wie Handwerksarchitektur und ein verschwundenes Krankenhaus ihren Zweck auf unterschiedliche Weise überdauerten.

15 Min.
Das Fachwerkhaus Gerberhaus am Kanal in Petite France.
Alexandre Prevot from Nancy, France · CC BY-SA 2.0; cropped/resized for app; ShareAlike applies
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Worauf achten

  • Fachwerkfassade des Gerberhauses
  • Verglaste Trockengalerie
  • Hohe Dachbodenöffnungen
  • Kanal vor dem Haus

Die Geschichte des Ortes

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Das Gerberhaus steht über dem Kanal: Zwei Fachwerkbauten wurden hier mit einem zweigeschossigen Galerieflügel verbunden, darüber ließ man die Öffnungen der belüfteten Dachböden. Die Gerber wuschen Häute im Flusswasser, gerbten sie anschließend und hängten sie zum Trocknen auf. Schmutzige Abwässer und hartnäckiger Geruch drängten dieses Gewerbe an den Rand des alten Straßburgs. Die verglasten Bögen unten bewahren noch immer das Volumen der früheren Trockengalerie.

Im Jahr neunzehnhundertneunundvierzig kauften acht elsässische Winzer – vier aus dem Oberelsass und vier aus dem Unterelsass – dieses Haus gemeinsam, um hier ein Restaurant einzurichten. Das Gebäude erforderte zwei Jahre Arbeit. Besonders merkwürdig für die neue Nutzung waren die geräumigen Galerien: Die früheren Besitzer hatten sie absichtlich offen gelassen.

Gerberhaus bedeutet „Haus der Gerber“. Diese Menschen lebten vom Verkauf gegerbten Leders, und der Kanal war Teil ihrer Werkstatt. Die Häute wurden sorgfältig im Flusswasser gewaschen, damit sie Gerbstoffe aufnahmen und weich wurden. Nach der Bearbeitung hängte man sie in den offenen Galerien und auf den belüfteten Dachböden auf. Das Wasser zog die Gerber an den westlichen Rand des alten Straßburgs; hierher verlagerte man auch ein Gewerbe, das mit schmutzigen Abwässern und hartnäckigem Geruch verbunden war.

Das Haus entstand nach und nach. Sein ältester Kern besteht aus zwei verbundenen Fachwerkbauten; in den Fensterrahmen eines von ihnen ist das Jahr eintausendfünfhundertzweiundsiebzig eingeschnitzt. Später fügten die Gerber auf der Flussseite einen querstehenden Bau mit zwei Galerieebenen an und gewannen wesentlich mehr Platz zum Trocknen. Gerade dieser Anbau für die Arbeit schuf die Fassade, die heute am häufigsten fotografiert wird.

Die Winzer schlossen die Bögen der unteren Galerie mit Fenstern und stellten Restauranttische dorthin, wo früher die Häute hingen. Sieben Jahre später verkauften sie das Lokal an die Eheleute Bee. Danach kümmerten sich deren Tochter Gabrielle Lenhardt und ihr Sohn François Lenhardt um das Restaurant. Hinter den heutigen Fenstern über dem Kanal ist das frühere Volumen der Trockengalerie erhalten geblieben, darüber die hohen belüfteten Dachböden.

Der Name Petite France entstand durch ein anderes Haus im selben Viertel. Ende des fünfzehnten Jahrhunderts verbreitete sich Syphilis in Europa, die man in Straßburg „französische Krankheit“ nannte. Im Winter des Jahres eintausendfünfhundertdrei eröffnete der Stadtrat für die Erkrankten ein eigenes Krankenhaus – das Blatterhaus, also ein Haus für Menschen mit Geschwüren. Zunächst befand es sich im benachbarten Finkwiller.

Im Jahr eintausendsechshundertsechsundachtzig verlegten die Stadtverwalter das Krankenhaus auf die Große Insel, in ein Haus bei den Gedeckten Brücken, an der heutigen Mühlenstraße. Die Bewohner nannten es „Zum kleinen Franzosel“ – „beim kleinen Franzosen“. Gemeint war die Krankheit, die man für französisch hielt. Zunächst bezog sich der Beiname auf das Krankenhausgebäude; im Jahr eintausendsiebenhundertfünfundneunzig erhielt das Gebäude selbst bereits die französische Bezeichnung Petite France, die später auf die umliegenden Straßen und Kanäle übertragen wurde.

Das Krankenhaus stellte im Jahr eintausendsiebenhundertneunundachtzig seinen Betrieb ein, und sein Gebäude wurde im Jahr eintausendachthundertfünfundneunzig abgerissen. Von ihm blieb der Name des Viertels. Am Kanal steht das Haus einer anderen Bewohnergruppe – der Gerber; hinter dem Glas ihrer ehemaligen Trockengalerie werden heute Restauranttische gedeckt.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort15 Min.
Nächster PunktGedeckte Brücken und das Vauban-Stauwehr
Eintrittvon außen

Besichtigung des Viertels und der Uferpromenaden von außen ohne feste Zeiten; die Einrichtungen in den Häusern haben eigene Öffnungszeiten.

Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Das Innere des Hauses ist für diesen Halt nicht nötig. Blockieren Sie auf den schmalen Durchgängen nicht den Verkehr und treten Sie vom Hauptblickwinkel zurück, um die oberen Stockwerke zu betrachten.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Überqueren Sie die Zugbrücke und folgen Sie dem Wasser zu den Wehrtürmen.

Stopp 4 von 9Weiter: Gedeckte Brücken und das Vauban-Stauwehr

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Straßburg zwischen Frankreich und Deutschland: Grande-Île und Neustadt“ — 9 Stopps, 4,6 km, 3 Std. 10 Min..

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