Stopp 1 von 7

Residenzplatz

Residenzplatz / Residenzbrunnen

Hier beginnt die Geschichte davon, wie ein repräsentativer Platz dazu diente, eine Parteiaktion als Entscheidung der ganzen Stadt darzustellen.

15 Min.
Residenzplatz
Eric T Gunther · CC BY-SA 3.0; cropped/resized for app; ShareAlike applies
1234567

0 von 7 erledigt

Audioguide · aufgenommene StimmeOrtsgeschichte anhören

Schau dich zuerst um

Worauf achten

  • Glas im Pflaster
  • Schwarzes metallenes Gerippe eines aufgeschlagenen Buches
  • Westwand der Neuen Residenz
  • Brunnen

Die Geschichte des Ortes

Textgröße

In das Pflaster an der Westwand der Neuen Residenz ist Glas eingelassen. Darunter liegt das schwarze metallene Gerippe eines aufgeschlagenen Buches – ein Denkmal für die Bücherverbrennung, die am dreißigsten April neunzehnhundertachtunddreißig auf dem Residenzplatz veranstaltet wurde.

Der Name des Platzes verweist auf die Gebäude an seinen Seiten. In der Alten Residenz wohnten die Fürsterzbischöfe – die Herrscher des Landes Salzburg, die zugleich die örtliche Kirche leiteten. Gegenüber steht die Neue Residenz. Ende des sechzehnten Jahrhunderts beschloss Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, zwischen seinen Palästen und dem Salzburger Dom einen weiten repräsentativen Hof nach italienischem Vorbild anzulegen. Auf seinen Befehl riss man fünfundfünfzig mittelalterliche Gebäude ab, schloss den alten Domfriedhof und räumte das Gelände vor den Residenzen frei. So entstand ein Platz für große Zeremonien. Diese Funktion hat er bis heute: Hier finden Märkte, Konzerte und große Stadtfeste statt.

Wenige Wochen nach dem Anschluss Österreichs an NS-Deutschland wählte Karl Springenschmid, Leiter des Salzburger Schulamts und des Nationalsozialistischen Lehrerbunds, gerade den Residenzplatz für die öffentliche Abrechnung mit Büchern. Er setzte sich dafür ein, Autoren aus Schulen, Bibliotheken und dem Buchhandel zu entfernen, die das neue Regime zu Feinden erklärt hatte. Der zentrale Platz neben dem Salzburger Dom ermöglichte es, die Beschlagnahme von Literatur in ein Schauspiel für die ganze Stadt zu verwandeln.

In der Zeitung erschien ein Aufruf an die Einwohner: Bücher jüdischer Autoren sollten ausgesondert und abgegeben werden. Auf der Liste standen fünfzig Namen. Mitglieder der Hitlerjugend sammelten in Bibliotheken, Buchhandlungen und Privathäusern etwa eintausendzweihundert Bände. Den Scheiterhaufen errichtete man nördlich des Brunnens, nahe der St. Michaelskirche.

Springenschmid hielt eine Rede, nach der die Bücher ins Feuer geworfen wurden. Die Beteiligten wählte man nach Rollen aus: zwei Schüler, zwei Mitglieder der Hitlerjugend, ein Arbeiter, ein Bauer, ein Musiker, ein Soldat sowie Vertreter der Sturmabteilung und der SS. Jeder begleitete seinen Wurf mit einer vorbereiteten Formel. Die Organisatoren wollten die Parteiaktion als Entscheidung aller Schichten der Stadtgesellschaft ausgeben.

Stefan Zweig wurde eigens genannt – ein Schriftsteller aus einer jüdischen Familie, der fünfzehn Jahre in Salzburg gelebt und seinen Lebensunterhalt mit literarischer Arbeit verdient hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er Österreich bereits verlassen und versuchte, weiterhin im Ausland veröffentlicht zu werden. Auf dem Residenzplatz warf man sein Buch mit einer besonderen Verurteilungsformel auf den Scheiterhaufen. Am selben Tag entfernte man in der Österreichischen Nationalbibliothek einen seiner Bände aus dem allgemeinen Magazin und stellte an seine Stelle eine Pappkarte mit dem Stempel „geschlossen“. Das Exemplar bewahrte man für dienstliche Zwecke des Regimes auf und gab es Lesern nicht mehr aus. Das Verbot entzog Zweig den deutschsprachigen Markt, und neue Verträge schloss er mit ausländischen Verlegern.

Nach dem Sturz des NS-Regimes hielt sich Springenschmid mehrere Jahre verborgen. Im Jahr neunzehnhundertsechsundvierzig nahm man seine eigenen Schriften in die österreichische Liste verbotener nationalsozialistischer Literatur auf. Die gerichtliche Untersuchung wurde eingestellt, und seit neunzehnhundertdreiundfünfzig durfte er wieder veröffentlichen.

Der Scheiterhaufen stand nahe der St. Michaelskirche; an seiner Stelle ist kein eigenes Zeichen erhalten. Das Denkmal wurde an die Westwand der Neuen Residenz versetzt: Unter dem Glas blieb der metallene Einband ohne Seiten.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort15 Min.
Nächster PunktDomplatz und Salzburger Dom
Eintrittvon außen

Der Stadtplatz ist jederzeit zugänglich, kann aber von Märkten, Konzerten, dem Weihnachtsmarkt und anderen Veranstaltungen belegt sein.

Geprüft: 27. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Die Besichtigung findet vollständig im Freien statt. Wenn das Zentrum von einer Bühne oder Aufbauarbeiten besetzt ist, bleiben Sie am Rand des Platzes: Der Brunnen und das Verhältnis der Fassaden lassen sich auch von dort erkennen.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Gehen Sie durch den Dombogen zum Domplatz.

Stopp 1 von 7Weiter: Domplatz und Salzburger Dom

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Salzburg der Fürsterzbischöfe: Altstadt und Festung“ — 7 Stopps, etwa 2 km, 2–3 Stunden.

Ohne App Store und Google Play

Guide On Map als App installieren

Ein Symbol erscheint auf dem Startbildschirm; die Website öffnet sich ohne Browseroberfläche.

Android · Chrome
  1. Wenn unten „Jetzt installieren“ erscheint, tippe darauf und bestätige.
  2. Falls die Schaltfläche fehlt: Menü ⋮ → „App installieren“.
iPhone · Safari
  1. Tippe unten in Safari auf „Teilen“.
  2. Wähle „Zum Home-Bildschirm“ und dann „Hinzufügen“.
Symbol auf dem BildschirmVollbildmodusOffline-RoutenSpazierfortschritt