Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Die Domfassade
- Die Seitendurchgänge
- Die Figuren von Petrus und Paulus
- Das Salzfass an der Figur des Rupert von Salzburg
Die Geschichte des Ortes
Am zweiundzwanzigsten August neunzehnhundertzwanzig führte der Theaterregisseur Max Reinhardt eine Truppe auf den Domplatz. Er setzte sich für die Eröffnung der neuen Salzburger Festspiele ein, obwohl die Stadt nach dem Ersten Weltkrieg in Not lebte, es an Geld mangelte und viele das Vorhaben selbst für verfrüht hielten. Außerdem war das für die Eröffnung in Auftrag gegebene Werk nicht fertiggestellt. Es fand sich nicht einmal genügend Holz für die Zuschauertribünen in der Felsenreitschule – der ehemaligen Hofreitschule –, wo gespielt werden sollte.
Reinhardt bat Erzbischof Ignaz Rieder, das Oberhaupt der Erzdiözese Salzburg, um die Erlaubnis für eine Aufführung vor dem Dom. Um das Programm zu retten, nahm der Regisseur Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“. Dieser Dichter wirkte an der Gründung der Festspiele mit und bearbeitete ein mittelalterliches Stück über den Tod eines reichen Mannes. Der reiche Mann feiert, bis Gott den Tod nach ihm schickt. Freunde, die Geliebte und das Geld weigern sich, ihn zum Gericht zu begleiten; bei ihm bleiben Glaube und gute Werke. Reinhardt hatte dieses Stück bereits im Jahr neunzehnhundertelf in Berlin inszeniert, doch in Salzburg sollte es eine neue Institution ohne eigenes Theater eröffnen.
Der Regisseur nutzte die gesamte Anlage des Domplatzes. Es ist ein geschlossener Domhof zwischen der Residenz und der Erzabtei St. Peter. Die Seitendurchgänge neben der Fassade dienten als Auf- und Abgänge der Schauspieler, die flachen Dächer über den Bögen als Platz für Trompeter und Menschen, die den Namen Jedermanns ausriefen. Andere Mitwirkende stellte Reinhardt auf den Glockentürmen der Altstadt und auf dem Turm der gegenüberliegenden Franziskanerkirche auf. Sie riefen den reichen Mann von verschiedenen Seiten zum Tod, und über ihm stand am Giebel des Doms die Figur Christi mit einer Erdkugel.
Für die ersten Tage setzte man vier Aufführungen an. Der Erfolg war so groß, dass noch zwei weitere hinzukommen mussten – eigens für die Einwohner Salzburgs. Diese Aufführungen gelten als Geburtsstunde der Salzburger Festspiele. Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt erreichten, wofür sie das Unternehmen begonnen hatten: Ein Jahr später erschienen Konzerte im Programm, ein weiteres Jahr später die Oper. „Jedermann“ kehrt nach mehreren Unterbrechungen fast jeden Festspielsommer weiterhin auf den Domplatz zurück.
Die Fassade, die Reinhardt zur Kulisse machte, gehört zum Salzburger Dom der Heiligen Rupert von Salzburg und Virgil von Salzburg – der Hauptkirche der Erzdiözese Salzburg. Im unteren Geschoss stehen die Apostel Petrus mit einem Schlüssel und Paulus mit einem Schwert, daneben zwei örtliche Bischöfe. Rupert von Salzburg hält ein Salzfass, Virgil von Salzburg ein Kirchenmodell.
Rupert von Salzburg kam gegen Ende des siebten Jahrhunderts als Missionar hierher, eingeladen vom bayerischen Herzog Theodo. Auf den Ruinen des römischen Iuvavum gründete er das Kloster St. Peter und richtete ein kirchliches Zentrum ein. Zu dessen Unterhalt übergab der Herzog Rupert von Salzburg die Salzquellen von Reichenhall. Die Einnahmen aus dem Salz ernährten die Gemeinschaft und halfen der Mission; daher das Fass in den Händen des Heiligen und der Name Salzburgs selbst – „Salzstadt“.
Einige Jahrzehnte später ließ der irische Abt und Bischof Virgil von Salzburg an dieser Stelle den ersten Dom errichten. Bei der Weihe des Doms im Jahr siebenhundertvierundsiebzig überführte er die Gebeine Rupert von Salzburgs aus dem Kloster St. Peter hierher. Nach dem Tod Virgil von Salzburgs wurde er selbst im Dom beigesetzt; später erkannte man auch ihn als Heiligen an. Deshalb steht der eine Bischof an der Fassade mit der Einnahmequelle des frühen Salzburgs, der andere mit dem Gotteshaus, das er hier errichten ließ.
Während „Jedermann“ kniet der Schauspieler in der Rolle des reichen Mannes vor dem Domportal. Über ihm bleiben Christus mit der Erdkugel, Rupert von Salzburg mit dem Salzfass und Virgil von Salzburg mit dem Modell des ersten Doms.
Praktisch vor Ort
Der Domplatz ist als Stadtraum zugänglich; der Dom ist von März bis Juli Mo–Sa 08:00–18:00 und So/Feiertage 13:00–18:00 geöffnet, doch Gottesdienste, Mittagsmusik und Festivalproben/-aufführungen können den Zugang verändern.
Geprüft: 27. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Suchen Sie den besten Außenblick auf die Marienstatue von der Seite der Arkade der Franziskanergasse. Der Zugang zum Dom kann von Gottesdiensten abhängen; halten Sie sich nicht bei den Türen auf und stören Sie die Gläubigen nicht.
