Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Zwei siebenstufige Wasserfalltreppen
- Die Grotte unter der Palastterrasse
- Vergoldete Skulpturen
- Düsen an den Fontänenrohren
Die Geschichte des Ortes
Zu Beginn des Krieges nahmen Museumsmitarbeiter die Düsen – kleine Aufsätze, die Höhe, Richtung und Form jedes einzelnen Strahls bestimmen – von den Fontänenrohren der Großen Kaskade ab. Sie versteckten sie gleich hier, in den Grotten innerhalb der Kaskade. Deutsche Besatzungstruppen fanden das Versteck und brachten die Düsen fort. Das Wasser konnte wieder durch die Rohre geleitet werden, doch ohne diese Teile ließ sich das frühere Muster der Fontänen nicht wiederherstellen.
Nach der Befreiung nahm sich Pawel Wassiljewitsch Lawrentjew, ein erfahrener Fontänenmeister aus Peterhof, der Aufsätze an. Das war sein Handwerk: Er wusste, wie schon der kleinste Kratzer am Kopf einer Düse einen Strahl ablenken oder zerfallen lässt. Lawrentjew fertigte zusammen mit seinem Sohn Pawel neue Düsen an und vermittelte ihm seine Arbeitsgriffe unmittelbar bei der Arbeit. Vater und Sohn stellten Hunderte von Aufsätzen her. Im Sommer neunzehnhundertsechsundvierzig wurde die Große Kaskade wieder in Betrieb genommen – achtzehn Jahre vor der Eröffnung der ersten wiederhergestellten Säle des Palasts.
Die Düse gibt dem Wasser sein Muster, doch der Druck kommt von weit her. Diese Aufgabe musste bereits beim Bau von Peterhof gelöst werden. Der Architekt Jean-Baptiste Le Blond schlug vor, das Wasser mit Mühlen anzuheben. Pjotr I. suchte nach Quellen oberhalb von Peterhof, um den natürlichen Höhenunterschied zu nutzen.
Mit der Wasserführung wurde Wassili Tuwolkow beauftragt, ein junger Wasserbauingenieur, der gerade nach fünf Jahren Studium in Holland und Frankreich auf Staatskosten zurückgekehrt war. Solche Schüler nannte man Pjotrs Pensionäre. Tuwolkow diente im Admiralitätskollegium als „Maschinist“ – so bezeichnete man damals einen Ingenieur für Wasserbauten. Er legte die Trasse von den Ropscha-Höhen so an, dass möglichst wenig Erdarbeiten anfielen, entwarf Bagger und Wasserhebemaschinen und leitete die Soldaten an, von denen täglich bis zu zweitausend am Kanal arbeiteten.
Im August siebzehnhunderteinundzwanzig schlug Pjotr persönlich mit einem Spaten den Schieber am Anfang des Kanals heraus. Bis sechs Uhr am nächsten Morgen war das Wasser nach Peterhof gelangt, und man leitete es über die Große Kaskade. Danach vertraute Pjotr Tuwolkow den Entwurf eines noch längeren Kanals entlang des Ufers bis nach Sankt Petersburg an. Der Ingenieur konnte ihn nicht vollenden: Im Jahr siebzehnhundertsiebenundzwanzig starb er.
Das Wasser beginnt seinen Weg auch heute noch etwa fünfundzwanzig Kilometer südlich, auf den Ropscha-Höhen. Der Höhenunterschied dort beträgt mehr als hundert Meter, deshalb braucht die Kaskade keine Pumpen. Die Große Kaskade ist das größte Fontänenbauwerk von Peterhof: Zwei siebenstufige Wasserfalltreppen führen um die Grotte herum und von der Palastterrasse in den Unteren Park hinab. Pjotr wählte diesen Punkt auch als Abschluss des zeremoniellen Weges vom Golf: Das Wasser fällt in das Becken, an dem der Meereskanal beginnt.
Selbst bei natürlichem Gefälle müssen die Strahlen den ganzen Tag über eingestellt werden. Im Fontänenteam des Staatlichen Museum-Reservats Peterhof arbeiten zweiunddreißig Menschen. Sie drehen täglich etwa dreihundert Schieber; sechzig Prozent dieser Bauteile wurden im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert gefertigt. Im Lauf eines Tages werden die Wasserstrahlen zehn bis fünfzehn Mal reguliert, weil sich der Druck in den Rohren verändert. Wenn ein Strahl aus der Bahn gerät, nimmt der Fontänenmeister einen Holzhammer und richtet den Bleikopf der Düse – eben jenes kleine Teil, das Pawel Lawrentjew nach dem Krieg zusammen mit seinem Sohn neu anfertigte.
Praktisch vor Ort
Unterer Park 25. April — 18. Oktober 2026: 09:00–20:00, Einlass bis 19:45; Fontänen 10:00–19:45.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Vergleichen Sie den Blick von oben und von unten: Von oben wirkt der Raum einer einzigen Linie untergeordnet, von unten ragt der Palast über dem Wasser auf. Achten Sie am Rand der Strahlen auf Spritzwasser und Wind.
