Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Granitschaft der Säule
- Engel mit Kreuz
- Bronzereliefs des Sockels
- Inschrift auf der Seite des Winterpalasts
Die Geschichte des Ortes
Am dreißigsten August achtzehnhundertzweiunddreißig nahm im Zentrum des Schlossplatzes ein hölzernes Gerüst von der Höhe eines mehrstöckigen Hauses den Raum ein. Darin lag der massive Schaft der künftigen Säule – fast sechshundert Tonnen roter Granit. Der französische Architekt Auguste de Montferrand war dafür verantwortlich, diesen Stein mit einem einzigen Hub aus der horizontalen Lage zu drehen und genau auf den Sockel zu setzen.
Der Auftrag kam von Kaiser Nikolai I. Er wollte seinen verstorbenen älteren Bruder Alexander I. verewigen, unter dem die russische Armee Napoleons Invasion zurückgeschlagen und den Krieg mit dem Einzug in Paris beendet hatte. Daher der Name der Säule. Auf der dem Winterpalast zugewandten Seite des Sockels steht es unmittelbar: „Alexander I. – das dankbare Russland.“
Für das Denkmal wählte man den Platz vor der kaiserlichen Residenz. Schlossplatz heißt er gerade wegen des Winterpalasts. Ihm gegenüber hatte Karl Rossi bereits den Bogen des Generalstabsgebäudes mit einem Triumphbogen zum Gedenken an den Sieg über Napoleon errichtet. Nikolai wollte das leere Zentrum mit demselben Thema füllen. Montferrand schlug zunächst einen Obelisken vor, doch der Kaiser verlangte eine Säule – höher als die Vendôme-Säule in Paris, die zu Ehren napoleonischer Siege errichtet worden war. Dem französischen Architekten stand bevor, in Sankt Petersburg eine Antwort auf das Pariser Denkmal zu errichten.
Um das Gerüst stellte man sechzig Spillwinden auf – handbetriebene Winden mit senkrechten Trommeln. Soldaten und Arbeiter schoben die Griffe; Matrosen oben überwachten Flaschenzüge und Seile. Insgesamt beteiligten sich etwa zweieinhalbtausend Menschen am Hub. Neben dem Gerüst stellte man vorsorglich einen Chirurgen bereit. Montferrand brauchte keinen einzelnen Kraftausbruch, sondern den gleichen Schritt von Dutzenden Mannschaften: Wenn ein Seil nachließ, ging die Last auf die benachbarten über.
Die erhaltene Beschreibung des Hubs hält den Moment fest, in dem die Mannschaften beinahe auseinanderfielen. Als die Säule vom Wagen abgehoben wurde, blieben wegen verhedderter Flaschenzüge drei Spillwinden stehen. Einer der oberen Flaschenzüge riss und fiel in eine Menschengruppe hinab. Verwirrung brach aus, doch die Mannschaften an den benachbarten Winden gingen weiter im gleichmäßigen Schritt. Die anderen kehrten auf ihre Plätze zurück, die Seile spannten sich wieder, und der Granitschaft wurde langsam über dem Platz gedreht. Dann führten ihn die Steinmetze zur Basis und ließen ihn auf den Sockel hinab.
Als die Säule stand, erklärte Nikolai I. Montferrand vor den Versammelten, der Architekt habe sich unsterblich gemacht. Die Arbeiten dauerten jedoch noch zwei Jahre: Der Granit wurde geschliffen, der Sockel mit bronzenen Reliefs versehen, und der Bildhauer Boris Orlowski schuf einen Engel mit Kreuz. Auf Wunsch der kaiserlichen Familie erhielt das Gesicht des Engels die Züge Alexanders I. Im September achtzehnhundertvierunddreißig eröffnete man das Denkmal mit einer Militärparade – der Platz vor dem Palast erhielt jenes zeremonielle Zentrum, um dessentwillen Nikolai den Bau begonnen hatte.
Der Granitschaft ist auch heute durch nichts am Sockel befestigt. Er wird von seinem eigenen Gewicht gehalten. Über ihm steht der Engel mit dem Gesicht Alexanders I., und unter ihm bleibt der Punkt, auf den zweieinhalbtausend Menschen den Monolithen nach einem gerissenen Flaschenzug und drei stehen gebliebenen Spillwinden hinabließen.
Praktisch vor Ort
Der Platz ist gewöhnlich rund um die Uhr zugänglich; Konzerte, Paraden und der Aufbau städtischer Veranstaltungen können einzelne Bereiche vorübergehend sperren.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Auf dem Platz gibt es wenig Schutz vor Wind und Sonne; achten Sie bei Veranstaltungen auf die Bewegung der Menschen und auf vorübergehende Absperrungen.
