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Altstädter Rathaus und Ring

Staroměstská radnice s orlojem

Hier vereint ein Gebäude Stadtrat, Gefängnis und öffentliche Bestrafung.

20 Min.
Altstädter Rathaus und Ring
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Worauf achten

  • Großes Renaissancefenster
  • Kleine vergitterte Fenster
  • Kreuze im Pflaster
  • Namensliste an der Wand

Die Geschichte des Ortes

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Zu beiden Seiten des großen Renaissancefensters sind kleine vergitterte Fenster erhalten geblieben: Dahinter befand sich das Gefängnis. An der Wand daneben ist eine Liste der Toten angebracht, und im Pflaster markieren Kreuze, die hier erst im Jahr neunzehnhundertvier erschienen, die Stelle. So bewahrt die Fassade des Rathauses die Spuren jener Menschen, die die Stadtmacht einst hinter diesen Mauern festhielt.

„Altstädter“ bedeutet „zur Altstadt gehörend“. Bis zum Jahr eintausendsiebenhundertvierundachtzig bestand Prag aus vier Städten mit eigenen Räten. Der Rat der Altstadt tagte in diesem Rathaus; hier befanden sich auch Gericht und Gefängnis. Vor dem Gebäude lag der Hauptmarkt, daher kamen Handel, städtische Ämter und öffentliche Strafen auf einem einzigen Platz zusammen.

Jan Kutnauer hatte hier viel zu verlieren. Sein Vater hinterließ ihm Häuser und einen Laden auf dem Altstädter Ring. Jan erhielt eine Ausbildung, wurde Rechtsanwalt und braute und verkaufte gemeinsam mit seinem Bruder Bier. Auch Šimon Sušický, der ihn großgezogen hatte, war als Rechtsanwalt tätig, diente in der Finanzverwaltung des Königreichs und betrieb ein Brauereigeschäft. Beide gehörten der protestantischen Gemeinschaft der Böhmischen Brüder an, die man in Prag erst kurz zuvor nicht mehr verfolgt hatte.

Im Jahr eintausendsechshundertachtzehn erhoben sich Vertreter des böhmischen Adels und der königlichen Städte gegen den katholischen König Ferdinand II. Sie wollten ihre religiösen Rechte und die städtische Selbstverwaltung bewahren; der König strebte danach, die Räte wieder seiner Kontrolle zu unterstellen und die Bekehrung des Landes zum Katholizismus wieder aufzunehmen. Kutnauer und Sušický kamen zu einer Sitzung des Altstädter Rates und versuchten, die dem König treuen Ratsherren zum Anschluss an den Aufstand zu bewegen. Zunächst wies man sie ab. Ein Jahr später entfernte man die vom König ernannten Ratsherren aus dem Rat, und Jan und Šimon nahmen selbst Sitze in diesem Rathaus ein.

Im November eintausendsechshundertzwanzig schlugen Ferdinands Armeen die Aufständischen am Weißen Berg am Rand von Prag. Der von den Aufständischen gewählte König floh, die Altstadt kapitulierte. Mehr als sechzig Beteiligte am Aufstand, denen die Flucht nicht gelungen war, wurden verhaftet. Kutnauer und Sušický sperrte man in das Gefängnis des Rathauses ein – zu beiden Seiten des großen Renaissancefensters befinden sich bis heute dessen kleine vergitterte Fenster.

Ein Sondertribunal schlug die Strafen vor, und Ferdinand unterzeichnete einundfünfzig Urteile, darunter achtundzwanzig Todesurteile. Einen Verurteilten begnadigte man bereits auf dem Schafott. Am siebenundzwanzigsten Juni eintausendsechshunderteinundzwanzig starben hier siebenundzwanzig Menschen: drei Adlige, sieben Ritter und siebzehn Bürger. Die Städte spielten im Aufstand eine vergleichsweise geringe Rolle, doch unter den Hingerichteten befanden sich gezielt besonders viele ihrer Vertreter. Der Hauptmarkt vor dem Rathaus machte es möglich, das Blutgericht in eine Warnung an alle Stadträte des Königreichs zu verwandeln.

Die meisten Verurteilten enthauptete man auf einem Gerüst. Kutnauer und Sušický wurden zusammen mit einem weiteren Mitglied der Böhmischen Brüder zu einem schmachvolleren Tod verurteilt. Jan und Šimon erhängte man an einem Balken, der aus dem Fenster eben jenes Rathauses ragte, in dem sie zuvor als Ratsherren getagt hatten.

Jans Witwe Kateřina begrub ihren Mann, nahm die Kinder mit und zog ins sächsische Meißen. Das gesamte Vermögen Kutnauers wurde eingezogen; später verlor Kateřina auch ihren eigenen Besitz, weil sie sich weigerte, die Kinder nach Tschechien zurückzubringen. Die Kinder konnten erst nach zwei Jahrzehnten nach Prag kommen, nachdem sie sich bereit erklärt hatten, zum Katholizismus überzutreten. Der älteste Sohn musste gesondert um königliche Begnadigung bitten. Danach trat er wieder in einen Stadtrat ein – nun in den der Neustadt.

Das Schafott und der Balken verschwanden. Die Kreuze im Pflaster legte man hier erstmals erst im Jahr neunzehnhundertvier an, und an der Rathauswand brachte man eine Liste der Toten an. Auf ihr stehen die Namen von Jan Kutnauer und Šimon Sušický nebeneinander – von Menschen, die dieses Gebäude als Ratsherren betraten, hinter seinen Gittern auf ihr Urteil warteten und aus seinem Fenster gehängt wurden.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort20 Min.
Nächster PunktKlementinum
Eintrittvon außen / Rathaus mit Eintrittskarte

Rathaus: Januar—März täglich 10:00—19:00, April—Dezember täglich 9:00—20:00. Führungen durch die historischen Innenräume finden nach einem gesonderten Zeitplan statt. Der Turm ist dank eines Aufzugs leichter zugänglich als andere Aufstiege. Geprüft am 2026-06-29.

Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Während die Uhr in Bewegung ist, ist es an der Wand besonders eng; die Kreuze und die gesamte Fassade lassen sich etwas abseits der Menge besser betrachten.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Lassen Sie das Rathaus hinter sich, überqueren Sie den Kleinen Ring und gehen Sie in die Karlova.

Stopp 3 von 8Weiter: Klementinum

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Königsweg: Altstadt, Brücke und Prager Burg“ — 8 Stopps, etwa 3,1 km, 3,5–4,5 Stunden.

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