Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Azulejo-Tafeln in der Vorhalle
- Weiße verputzte Decke
- Bahnsteige und Tunnelmündungen
- Der Name „São Bento“ auf den Hinweisschildern
Die Geschichte des Ortes
Im Jahr achtzehnhundertachtundachtzig kamen Ingenieure hierher, um den Klosterbesitz zu vermessen. Sie legten eine Eisenbahn von Campanhã ins Zentrum von Porto und wussten bereits, wo die Gleise enden würden: an der Stelle des Frauenklosters Mosteiro de São Bento de Avé Maria.
Maria da Glória Dias Guimarães, die letzte Äbtissin des Klosters, erlebte diese Vermessungen. Sie hatte im Jahr achtzehnhundertsechsundzwanzig die Ordensgelübde abgelegt. Sechsundsechzig Jahre lang bot ihr das Kloster Unterkunft und Unterhalt; der Gemeinschaft gehörten Ländereien und Einkünfte, und auf dem Platz verkauften die Nonnen Süßigkeiten, die sie selbst zubereitet hatten. Für Maria da Glória bedeutete der künftige Bahnhof den Verlust des einzigen Zuhauses, das sie fast ihr ganzes Erwachsenenleben lang gekannt hatte.
Eine städtische Überlieferung schreibt der Äbtissin eine Antwort an die Landvermesser zu: Sie dürften messen, so viel sie wollten, doch das Kloster werde nicht abgerissen, solange noch Nonnen darin lebten. Sie soll hinzugefügt haben, der heilige Benedikt werde den Minister, der den Bau in Gang gesetzt habe, zum Fortgehen zwingen. Der Bericht über die Worte der Äbtissin ist nicht dokumentarisch belegt. Die rechtliche Grundlage für ihre Gewissheit war jedoch durchaus real.
Nach dem Bürgerkrieg löste die portugiesische Regierung im Jahr achtzehnhundertvierunddreißig die religiösen Orden auf und übertrug ihr Eigentum der Staatskasse. Männerklöster wurden sofort geschlossen. Frauengemeinschaften durften keine neuen Novizinnen aufnehmen, doch den dort lebenden Nonnen wurde erlaubt, bis zum Tod der letzten von ihnen zu bleiben. So entstand ein Aufschub ohne Frist: Der Staat betrachtete das Gebäude bereits als sein Eigentum, konnte die letzte Bewohnerin jedoch nicht ausweisen.
Solange Maria da Glória lebte, genehmigte der Stadtrat die Strecke, Arbeiter begannen, die Tunnel vorzutreiben, Ingenieure erstellten Pläne, und das Kloster stand am Ende der künftigen Gleise. Am siebzehnten Mai achtzehnhundertzweiundneunzig starb die Äbtissin. Am nächsten Tag wurde sie in der Klosterkirche eingesegnet, woraufhin das Militär die Räume besetzte. Zwei Jahre später begann man, den Kreuzgang und die Wohngebäude abzutragen.
Am siebten November achtzehnhundertsechsundneunzig traf hier der erste Zug ein. Die Fahrgäste wurden in einem provisorischen Holzbahnhof abgefertigt: Ein Teil der Klosterkirche stand damals noch daneben. Zwischen Oktober neunzehnhundert und Oktober des folgenden Jahres wurde sie vollständig abgetragen. Die Gebeine der Nonnen, die unter der Kirche und im Hof bestattet waren, brachte man in eine Gemeinschaftsgruft auf dem Cemitério do Prado do Repouso. Dorthin gelangten auch einige steinerne Details des alten Klosters.
Das heutige Empfangsgebäude wurde am fünften Oktober neunzehnhundertsechzehn eröffnet. Die Züge fahren von Campanhã durch drei Tunnel hinein und enden hier: Die Eisenbahn wurde eigens unter dem Hügel hindurchgeführt, damit die Einwohner im Herzen von Porto in die Züge einsteigen konnten.
Die Vorhalle war als repräsentativer Saal für Ankommende gedacht. Im Jahr neunzehnhundertfünf beauftragte der Eisenbahnverwalter José Fernando de Sousa den Künstler Jorge Colaço, die Wände mit Szenen der portugiesischen Geschichte, nordportugiesischen Landschaften, dem Landleben und der Entwicklung des Verkehrs zu bedecken. Colaço war Miteigentümer einer Keramikfabrik und erhielt einen Auftrag, der mehrere Jahre in Anspruch nahm: Die Fliesen wurden im Sommer neunzehnhundertfünfzehn angebracht. Der Künstler wollte auch die Kassettendecke bemalen, doch dieser Teil des Projekts wurde nicht verwirklicht – über den Zehntausenden von Azulejos ließ man weißen Putz stehen.
Der Name des Bahnhofs bewahrte, was sich nicht mehr innerhalb seiner Mauern befindet. São Bento ist der portugiesische Name Benedikts von Nursia, nach dessen Ordensregel die Gemeinschaft von Maria da Glória lebte. Dort, wo heute die Gleise enden und die Bahnsteige liegen, befanden sich die Klostergebäude und die Kirche; von ihnen ist hier nur die verkürzte Aufschrift auf den Eisenbahnschildern geblieben.
Praktisch vor Ort
Bleiben Sie am Rand der Vorhalle stehen und achten Sie auf den Fahrgaststrom: Dies ist vor allem ein in Betrieb befindlicher Bahnhof, kein Museumssaal.
