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Conciergerie

Conciergerie

Ein gescheiterter Fluchtversuch führt von der Gefängniszelle zum beschleunigten Prozess gegen die ehemalige Königin.

15 Min.
Conciergerie
Dietmar Rabich · CC BY-SA 4.0; cropped/resized for app; ShareAlike applies
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Worauf achten

  • Mittelalterliche Türme
  • Schwarze Wände der Gedächtniskapelle
  • Silberne Tränen an den Wänden

Die Geschichte des Ortes

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Hinter den Mauern der Conciergerie, wo sich während der Revolution ein Gefängnis befand, führte der Gefängnisinspektor Jean-Baptiste Michonis am achtundzwanzigsten August siebzehnhundertdreiundneunzig einen Besucher in die Zelle der ehemaligen Königin von Frankreich. Für die Wache war er ein Mann, den ein Beamter zugelassen hatte. Marie-Antoinette erkannte Alexandre Gonsse de Rougeville – einen Royalisten, der entschlossen war, sie aus dem Gefängnis zu holen. Rougeville ließ zwei Nelken zu ihren Füßen fallen. In den Blütenblättern einer von ihnen war eine Nachricht versteckt: Er habe Leute, Geld und einen Fluchtplan.

Marie-Antoinette war hier am sechsundzwanzigsten Tag. Ihr Mann, Ludwig XVI., war bereits hingerichtet worden. Die Kinder blieben im Pariser Temple-Gefängnis in Haft, sie selbst hatte man in der Nacht vom ersten auf den zweiten August allein von dort hierhergebracht: Der Nationalkonvent – die Versammlung, die die Republik regierte – bereitete einen eigenen Prozess gegen die ehemalige Königin vor.

Dafür brachte man sie gerade in die Conciergerie. Ende des vierzehnten Jahrhunderts hörten die Könige auf, im Palast auf der Île de la Cité zu wohnen, ließen dort aber die Gerichte und das Gefängnis zurück. Sie unterstanden dem Concierge – so nannte man damals einen hohen königlichen Beamten mit richterlichen Befugnissen. Von seinem Amt stammt auch der Name Conciergerie. Während der Revolution tagte oben das Revolutionstribunal – ein außerordentliches Gericht für Gegner der Republik –, unten warteten die Angeklagten auf ihren Aufruf. Die meisten verbrachten hier einige Tage: Aus der Zelle führte man einen Menschen in den Gerichtssaal, nach dem Urteil zum Wagen im Hof. Die Hinrichtungen selbst wurden nicht in der Conciergerie vollzogen.

Marie-Antoinette durfte fast nicht schreiben. Zwei Gendarmen wachten Tag und Nacht in ihrer Zelle, sogar wenn sie sich umzog. Ihre Antwort an Rougeville stach sie mit einer Nadel auf ein Stück Papier: Man überwache sie ständig, doch sie sei bereit zu gehen. Michonis riskierte sein Amt und sein Leben – ohne seinen Passierschein wäre Rougeville nicht durch die Gefängnistüren gekommen. Die Flucht wurde für die Nacht vom zweiten auf den dritten September angesetzt.

Danach gehen die Zeugnisse auseinander. Nach einer späten Erzählung von Beteiligten verließ Marie-Antoinette ihre Zelle, passierte mehrere Türen und wurde von einem Wachposten vor dem letzten Gitter angehalten, hinter dem der Hof begann. Die Dokumente erlauben nur die sichere Aussage, dass der Befreiungsversuch aufgedeckt wurde und die Königin nicht nach draußen gelangte. Rougeville floh und erreichte Belgien. Michonis wurde verhaftet und im Sommer des folgenden Jahres zur Guillotine geschickt. Auch der Gefängnisleiter Richard und seine Frau wurden verhaftet, die Wache wurde verstärkt.

Marie-Antoinette brachte man in eine andere Zelle, in der man sie leichter überwachen konnte. Am dritten Oktober verlangte der Nationalkonvent, sie ohne Verzug vor Gericht zu stellen. Die beiden bestellten Verteidiger erhielten erst am Vorabend der Verhandlung Zugang zu den Akten; vor ihnen lag ein Haufen Dokumente, für deren Lektüre nur Stunden blieben. Am vierzehnten Oktober begann oben, über den Gefängnisräumen, der Prozess. In zwanzig Stunden sagten mehr als vierzig Zeugen aus. Man beschuldigte sie der Verschwörung mit ausländischen Monarchen, der Verschwendung staatlicher Gelder und des Versuchs, die Monarchie wiederherzustellen. Als einer der Ankläger die falsche Anschuldigung einer Beziehung zu ihrem eigenen Sohn wiederholte, erwiderte sie, schon die Natur erlaube einer Mutter nicht, auf so etwas zu antworten, und wandte sich an die Mütter im Saal.

Im Morgengrauen des sechzehnten Oktober befanden die Geschworenen Marie-Antoinette für schuldig. Man führte sie wieder hinunter. In ihrer Zelle schrieb sie den letzten Brief an die Schwester ihres Mannes; die Adressatin erhielt ihn nicht. Gegen Mittag brachte man die ehemalige Königin zur Place de la Révolution (heute Place de la Concorde) und richtete sie hin.

Im Jahr achtzehnhundertsechzehn genehmigte Ludwig XVIII., der Bruder des hingerichteten Königs, die Einrichtung einer Gedächtniskapelle an der Stelle jener zweiten Zelle. Heute sind ihre schwarzen Wände mit silbernen Tränen bemalt. Die erste Zelle Marie-Antoinettes lag näher am Frauengefängnishof; die Kapelle kennzeichnet gerade den Raum, in den man sie nach Rougevilles Nelken und dem gescheiterten Fluchtversuch verlegte.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort15 Min.
Nächster PunktPlace Dauphine
Eintrittvor Ort

Die Geschichte kann man draußen hören, während man auf die Palastfassade blickt. Für die Säle und die Gedächtniskapelle ist ein separater Eintritt nötig; verwechseln Sie die spätere Kapelle nicht mit der erhaltenen Zelle Marie-Antoinettes.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Gehen Sie an der Nordfassade des Palasts entlang und biegen Sie zwischen den Häusern auf den dreieckigen Platz ab.

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Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Île de la Cité: von Notre-Dame de Paris bis zum westlichen Ende“ — 8 Stopps, 2.6 km, 1 Std. 35 Min..

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