Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Genietete Fachwerke
- Hohes leeres Gerüst
- Volumen aus poliertem Stahl
Die Geschichte des Ortes
In den Packhäusern befinden sich heute ein Konzertsaal und ein Ausstellungssaal, doch das historische Metall trägt diese neuen Räume nicht. Eigenständige Volumen mit Fassaden aus poliertem Stahl sind unter dem alten Gerüst so aufgestellt, dass sie es nicht belasten. Die zwei erhaltenen Gebäude wurden in den neunzehnhundertsechziger Jahren innerhalb des Hafens versetzt, um ein Viertelkreis gedreht und auf Betonsockel gestellt; Wände und Dächer verbargen die Fachwerke lange vor den Blicken. Nun bewahrt die hohe leere Spannweite mit genieteten Verbindungen den Maßstab des früheren Lagerraums.
Der Kaufmann der ersten Gilde aus Nischni Nowgorod, Alexander Zeveke, hatte hier eine ganz praktische Aufgabe: Wo sollten die Güter gelagert werden, mit denen er auf der Wolga sein Geld verdiente? Die Dampfschifffahrtsgesellschaft, zu deren Eigentümern Zeveke gehörte, ging bankrott. Ihre Schiffe und Grundstücke an der Sibirskaja-Anlegestelle gingen an das Transportunternehmen „Nadeschda“ über, und der Kaufmann selbst wurde dessen Bevollmächtigter für die Wolga-Dampfschifffahrt. Der neue Eigentümer brauchte große feuerfeste Lagerhäuser – Packhäuser.
Vier Kilometer von hier stand damals der Hauptpavillon der Allrussischen Ausstellung des Jahres achtzehnhundertsechsundneunzig leer. Die Ausstellung fand auf dem Gelände des heutigen Parks des 1. Mai statt. Das eiserne Gerüst des Pavillons war noch älter: Es war für die Moskauer Ausstellung des Jahres achtzehnhundertzweiundachtzig gefertigt, zerlegt, nach Nischni Nowgorod gebracht und dort erneut aufgebaut worden.
„Nadeschda“ zahlte für den Pavillon einhundertfünfzehntausend Rubel. In der Erläuterung nannte das Unternehmen seine Berechnung offen: Die fertigen Metallteile senkten die Kosten und ermöglichten es, die Anlegestelle in etwa eineinhalb Jahren einzurichten. Zeveke reichte die Zeichnungen bei der Messeverwaltung ein. Der Ausstellungssaal sollte zum dritten Mal zerlegt und hier in Warenlager umgewandelt werden.
Der Gouverneur von Nischni Nowgorod, Paul Unterberger, stoppte das Projekt. Er war für den Umbau der Anlegestelle zuständig und setzte sich für den Brandschutz ein. Die neuen Lagerhäuser sollten durch breite Zwischenräume getrennt und in ihrer Größe begrenzt werden. Das Unternehmen wollte jedoch die riesigen Spannweiten der Ausstellung erhalten: Andernfalls hätte das gekaufte Gerüst zerschnitten und umgebaut werden müssen.
Der Ingenieur von „Nadeschda“, Alexander Wenzkowski, überarbeitete die Zeichnungen, doch fünf Lagerhäuser erreichten weiterhin fast fünfzig Meter Breite. Das Unternehmen argumentierte, unter dem hohen First steige der Rauch bei einem Brand langsamer auf, über den Waren könnten automatische Löschleitungen verlegt werden, und in der Mitte bliebe eine Durchfahrt für Fuhrwerke und Waggons. Während die Beamten mit den Ministerien korrespondierten, begannen die Bauarbeiter, diese Gebäude ohne endgültige Genehmigung zu errichten. In die unvollendeten Lagerhäuser waren bereits etwa achttausend Rubel investiert worden.
Der Vorstand von „Nadeschda“ verpflichtete sich, kein zweites Stockwerk einzurichten, Waren nicht höher als zwei Saschen – etwa viereinviertel Meter – zu stapeln, die hölzernen Zwischenwände zu entfernen und eine automatische Wasserleitung anzulegen. Danach erlaubte das Ministerium, die großen Spannweiten beizubehalten. Zur Messe des Jahres neunzehnhundertzwei waren die Lagerhäuser fertig. Unterberger erreichte nicht, dass sie auf ein übliches Maß umgebaut wurden, doch die Brandschutzauflagen wurden in die endgültige Genehmigung aufgenommen. „Nadeschda“ selbst bestand nicht lange: Im Jahr neunzehnhundertacht wurde das Unternehmen liquidiert, und die Packhäuser gingen an neue Eigentümer über.
In den neunzehnhundertsechziger Jahren wurden zwei erhaltene Gerüste innerhalb des Hafens versetzt, um neunzig Grad gedreht und auf Betonsockel gestellt. Wände und Dächer verdeckten das Metall, sodass die Herkunft der Lagerhäuser mit der Zeit in Vergessenheit geriet.
Im Jahr zweitausendfünfzehn sah der Architekt aus Nischni Nowgorod, Denis Plekhanov, ein Foto ihres Innenraums. Für einen gewöhnlichen Hafenhangar waren die genieteten Fachwerke zu komplex. Plekhanov verglich sie mit Fotos des Ausstellungspavillons und Luftaufnahmen aus dem Jahr neunzehnhundertdreiundvierzig; spätere Archivforschungen bestätigten seine Vermutung. Die Konstruktionen erhielten Schutzstatus, und im Jahr zweitausendzweiundzwanzig wurden in ihnen ein Konzertsaal und ein Ausstellungssaal eröffnet.
Der Architekt Sergei Tchoban ließ die alten Fachwerke außen sichtbar und stellte darunter eigenständige Volumen mit Fassaden aus poliertem Stahl auf. Die modernen Säle belasten das historische Metall nicht. Über ihren Dächern erhebt sich weiterhin das hohe leere Gerüst – genau jene Spannweite, die „Nadeschda“ erst nach dem schriftlichen Versprechen behalten durfte, hier kein zweites Stockwerk zu errichten.
Praktisch vor Ort
Die äußeren Konstruktionen sind vom öffentlichen Raum aus sichtbar. Die Ausstellungs- und Konzert-Packhäuser sind nach dem Zeitplan der jeweiligen Veranstaltungen geöffnet; die Auskunftsnummer ist als täglich von 10:00 bis 19:00 erreichbar angegeben.
Geprüft: 24. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die historischen Konstruktionen sind von außen gut zu erkennen. Den Besuch einer Ausstellung, eines Konzerts oder einer anderen Veranstaltung im Inneren prüfen und buchen Sie bitte gesondert.
