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Glyptothek

Glyptothek

Um die Restaurierung nachzuvollziehen, nach der es kein Zurück mehr gibt – weder zu den gefundenen Bruchstücken noch zur Version des neunzehnten Jahrhunderts.

12 Min.
Glyptothek in München
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Schau dich zuerst um

Worauf achten

  • Tempelartige Fassade
  • Backsteinsäle
  • Kriegerfiguren ohne Gliedmaßen und Waffen
  • Glatte Schnittflächen im Marmor

Die Geschichte des Ortes

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Im Jahr neunzehnhundertzweiundsechzig übernahm der Archäologe Dieter Ohly die Leitung der Glyptothek, verbunden mit der Pflicht, die antiken Originale zu bewahren. Um dieser Pflicht nachzukommen, ließ er vom größten Schatz des Museums die marmornen Arme, Beine, Waffen und anderen Details abnehmen, die fast anderthalb Jahrhunderte lang als Teil des Denkmals gegolten hatten.

Es ging um die Ägineten – Figuren aus den dreieckigen Giebeln des Tempels der Göttin Aphaia auf der griechischen Insel Aigina. Die Krieger stellten Kämpfe um Troja dar, im Zentrum jeder Gruppe stand Athene. Forscher fanden die zerbrochenen Skulpturen im Jahr achtzehnhundertelf. Der bayerische Kronprinz Ludwig I. sammelte die besten Altertümer für ein künftiges öffentliches Museum und kaufte den Fund im folgenden Jahr auf einer Auktion. Die Sammlung und den Bau finanzierte er aus eigenen Mitteln.

Der Hofarchitekt Leo von Klenze errichtete für die Sammlung ein Gebäude mit der Fassade eines griechischen Tempels. Ludwig I. nannte das Museum Glyptothek: Das aus griechischen Wurzeln gebildete Wort bedeutet Aufbewahrungsort für geschnitzte Skulpturen. Die Ägineten wurden hier im Jahr achtzehnhundertsiebenundzwanzig aufgestellt, noch vor der Eröffnung des Museums.

Aus Rom kamen sie jedoch viel vollständiger an als von Aigina. Ludwig I. beauftragte den dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen, die Verluste zu ergänzen. Nach seinen Modellen schnitzten Handwerker neue Teile aus Marmor und passten sie an die antiken Bruchstücke an. Für eine feste Verbindung schliffen sie die ursprünglichen Ränder stellenweise ab. So entstanden vollendete Figuren, geeignet für Klenzes eleganten Saal, obwohl ein Mensch des neunzehnten Jahrhunderts einen beträchtlichen Anteil ihrer Posen und Ausrüstung bestimmt hatte.

Zweifel kamen schon vor Ohly auf. Im Jahr neunzehnhunderteins kehrte Adolf Furtwängler, Direktor der Glyptothek und Archäologe, zum Tempel der Aphaia zurück, um die Rekonstruktion zu überprüfen. Die gefundenen Statuenbasen zeigten, dass Thorvaldsen mehrere Figuren falsch aufgestellt hatte. Furtwängler stellte daneben ein verkleinertes Modell seiner eigenen Fassung aus, rührte die ursprüngliche Gruppe aber nicht an: Die Ergänzungen waren zusammen mit dem ausgemalten Saal bereits Teil der Museumsgeschichte geworden.

Während des Zweiten Weltkriegs brachten die Mitarbeiter die Altertümer in Klöster. Im Sommer neunzehnhundertvierundvierzig zerstörten Bomben die Decken und die Innenausstattung der Glyptothek. Die Skulpturen überstanden den Krieg im Schutzraum, doch der Saal, für den Thorvaldsen ihnen ein vollendetes Erscheinungsbild gegeben hatte, war verschwunden.

Ohly erhielt die Möglichkeit, sowohl das Gebäude als auch die Ägineten neu zusammenzusetzen. Als Direktor eines staatlichen Museums war er für die Erhaltung der Sammlung verantwortlich; als Archäologe setzte er seinen beruflichen Ruf mit einer unumkehrbaren Entscheidung aufs Spiel. Zwischen neunzehnhundertsechsundsechzig und neunzehnhundertneunundsechzig entfernten Restauratoren Thorvaldsens Ergänzungen. Die Skulpturen konnten nicht mehr in den Zustand zum Zeitpunkt der Ausgrabung zurückgeführt werden: Abgeschnittener antiker Marmor lässt sich nicht wiederherstellen.

Um den Anteil der Vermutung zu verringern, nahm Ohly die Ausgrabungen auf Aigina wieder auf und verglich Befestigungslöcher, Basen und gefundene Fragmente. Dann wurden die Figuren neu aufgestellt. Die Archäologen akzeptierten die neue Komposition, Kritiker warfen Ohly jedoch vor, ein eigenständiges Werk Thorvaldsens zerstört zu haben. Die Glyptothek wurde nach der Wiederherstellung im Jahr neunzehnhundertzweiundsiebzig eröffnet. Ohly erforschte die Ägineten bis zu seinem Tod weiter und vollendete nur den ersten Band des geplanten dreibändigen Katalogs.

Hinter Klenzes tempelartiger Fassade liegen heute schlichte Backsteinsäle mit großen Fenstern und einfarbigen Böden. Im Saal der Ägineten stehen die antiken Figuren wieder in Gruppen, doch den Kriegern fehlen Gliedmaßen und Waffen. An manchen Bruchstellen sind die glatten Schnittflächen erhalten, die für Thorvaldsens Marmorerweiterungen angefertigt wurden.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort12 Min.
Nächster PunktStaatliche Antikensammlungen
Eintrittvon außen

Städtischer Halt der Route; wenn Sie einen Besuch im Inneren planen, prüfen Sie den Fahrplan und die Besuchsregeln auf der offiziellen Website des Ortes.

Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Die Fassade kann ohne Eintritt besichtigt werden. Den Barberinischen Faun und die Giebel von Aigina können Sie nur bei einem gesonderten Museumsbesuch sehen.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Lassen Sie die Skulpturen hinter sich und gehen Sie zum gegenüberliegenden Portikus.

Stopp 3 von 8Weiter: Staatliche Antikensammlungen

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Königsplatz und Kunstareal: Kunst, Macht, Erinnerung“ — 8 Stopps, etwa 2,2 km, 2-3 Stunden.

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