Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Steinerne Balustrade
- Offener Halbkreis der Terrasse
- Gedenktafel
- Panorama von Montréal
Die Geschichte des Ortes
Der weite Halbkreis des Belvederes entstand im Jahr neunzehnhundertsechs. Die Fachleute der Stadt entschieden sich für eine offene Terrasse: Ein Pavillon über dem Abhang hätte die Silhouette des Mont Royal verändert, wenn man ihn von unten betrachtet. Deshalb ließ man die Mitte der Fläche frei und trennte die Menschen mit einer steinernen Balustrade vom Hang. Hier versammeln sich Menschen wegen des Panoramas von Montréal; ihren Namen erhielt die Terrasse erst viel später.
Am einundzwanzigsten Juni neunzehnhundertsiebenundneunzig hielt Bürgermeister Pierre Bourque hier gemeinsam mit Vertretern der First Nations eine Zeremonie ab und gab dem bisherigen Belvedere am Mont Royal offiziell den Namen Belvédère Kondiaronk. Die Stadtverwaltung wollte die beinahe vergessenen Verhandlungen des Jahres siebzehnhunderteins und die Rolle der indigenen Völker bei ihrem Ausgang wieder ins Gedächtnis der Stadt rücken. Ein Jahr später brachte man an der Balustrade eine Gedenktafel an.
Kondiaronk selbst war nie auf dieser Terrasse: Sie wurde zwei Jahrhunderte nach seinem Tod errichtet. Er war ein Anführer der Wendat-Tionnontati, die nach Michilimackinac übersiedelt waren – an die Meerenge zwischen dem Huronsee und dem Michigansee. Nach der Zerschlagung früherer Wendat-Siedlungen lebte seine Gemeinschaft neben algonkinischen Völkern, baute Mais an und tauschte ihn bei den Jägern und Fischern ein, die sich hier versammelten. Von der benachbarten Siedlung trennte sie ein dünner Palisadenzaun. Hätten die Franzosen einen Separatfrieden mit den fünf Völkern der Haudenosaunee-Konföderation geschlossen, die französische Dokumente Irokesen nannten, hätten Kondiaronks Leute ihrem früheren Gegner ohne Verbündete gegenüberstehen können. Deshalb setzte er sich für ein Abkommen ein, dem auch die Völker der Großen Seen angehören würden.
Bis zum Jahr siebzehnhunderteins hatte er sie überzeugt, Vertreter nach Montréal zu entsenden und Haudenosaunee-Gefangene zum Austausch mitzubringen. Zur Konferenz kamen Delegationen von ungefähr vierzig Völkern; ihre Lager rund um die kleine befestigte Stadt kamen der Bevölkerung innerhalb der Mauern zahlenmäßig beinahe gleich. Doch die Haudenosaunee gaben nicht alle versprochenen Gefangenen zurück. Unter den Abwesenden waren Kondiaronks Leute. Für ihn bedeutete das, dass seine Gemeinschaft erneut gebeten wurde, einem Abkommen zu vertrauen, während ihre Angehörigen beim Gegner blieben.
Am ersten August kam Kondiaronk mit starkem Fieber zum Rat. Er konnte bereits nicht mehr stehen. Man brachte ihm einen großen Sessel und gab ihm einen Aufguss aus einer Pflanze, mit der sich indigene Bewohner behandelten. Er sprach etwa zwei Stunden lang: Er forderte eine Antwort für die nicht zurückgekehrten Gefangenen, erinnerte daran, wie er selbst die Völker zum Ende des Krieges überredet hatte, und rief dazu auf, das erreichte Abkommen nicht zu zerstören. Eine wortgetreue Aufzeichnung der Rede gibt es nicht – ein französischer Chronist gab sie später wieder; deshalb sind auch die Worte auf der hiesigen Tafel als Kondiaronk zugeschrieben gekennzeichnet. Die Zeugen stimmen jedoch im Wesentlichen überein: Sein Auftritt überzeugte die letzten Gegner des Vertrags.
Nach der Rede konnte Kondiaronk nicht mehr selbstständig ins Lager zurückkehren. Man trug ihn in das Montréaler Krankenhaus Hôtel-Dieu de Montréal, wo er früh am Morgen des zweiten August starb. Am folgenden Tag gingen französische Offiziere, Wendat und Anführer der Haudenosaunee in der Trauerprozession. Kondiaronk wurde unter der Église Notre-Dame beigesetzt. Einen weiteren Tag später schlossen Vertreter der versammelten Völker den Großen Frieden von Montréal: Die Parteien verpflichteten sich, die Kriege zu beenden, Gefangene freizulassen und gemeinsame Jagdgebiete zu nutzen; die Haudenosaunee erhielten Handelsfreiheit und versprachen, in den Kriegen Frankreichs mit England neutral zu bleiben.
Auf der Tafel an der Balustrade werden Kondiaronk Worte über einen Friedensbaum zugeschrieben, der „auf dem höchsten Berg der Erde“ gewachsen sei. Das ist ein Bild aus der Verhandlungsrede, kein Beleg dafür, dass er den Mont Royal bestiegen hat. Die Verhandlungen, sein Tod und seine Beisetzung fanden unten in der Stadt statt. Kondiaronks Grab ist verloren und befindet sich vermutlich irgendwo unter oder neben der Place d’Armes; oben blieb der Name, den diese Terrasse im Jahr neunzehnhundertsiebenundneunzig erhielt.
Praktisch vor Ort
Täglich 06:00–24:00; geprüft 2026-06-29.
Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie zuerst das gesamte Panorama und suchen Sie dann nach dem Namen der Fläche: Ohne dieses Detail wird die Station leicht zu einem gewöhnlichen Fotopunkt. Am offenen Rand kann es windig sein.
