Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Der polygonale Backsteinturm
- Der runde Raum im Inneren des Turms
- Drei Figuren von Gefangenen
- Zwei Figuren von Nonnen
Die Geschichte des Ortes
Im Hof des archäologischen Museums steht ein Backsteinturm: Außen hat er vierundzwanzig Seiten, innen einen runden Raum. An den Wänden sind noch mittelalterliche Fresken zu erkennen: die Kreuzigung, der heilige Franziskus, drei gefangene Heilige. Im unteren Teil der Malerei sind zwei Nonnen dargestellt. Forschende nehmen an, dass gerade sie den Künstler mit dieser Arbeit beauftragten.
Der Turm wurde für ganz andere Menschen errichtet. Im Jahr zweihundertsechsundachtzig machte Kaiser Maximian, einer der vier Mitkaiser des Römischen Reichs, Mailand zur Residenz seines Hofes. Er benötigte ein kaiserliches Viertel mit Palast, einer Rennbahn für Wagenrennen und einer neuen Befestigungslinie. Hier verband sich die Mauer mit den Anlagen der Rennbahn; daneben befanden sich die Starttore, aus denen die Gespanne in die Arena gelassen wurden. Der polygonale Turm deckte diesen Knotenpunkt zur Stadtgrenze hin.
Einige Jahrhunderte später verschwanden die römischen Wachen, und zwischen den ehemaligen Befestigungen ließen sich Angehörige des Benediktinerinnenordens nieder. Sie gründeten hier das Monastero Maggiore – das größte und eines der reichsten Frauenklöster Mailands. Töchter einflussreicher Familien traten in die Gemeinschaft ein; die Nonnen lebten von den Einkünften aus Land und Immobilien, die das Kloster verwaltete.
Die alten Türme bezogen sie in ihren Alltag ein. Der quadratische Bau bei den Starttoren wurde zum Glockenturm, und den polygonalen Wehrturm verwandelten die Nonnen in eine Kapelle. Ende des dreizehnten und Anfang des vierzehnten Jahrhunderts ließen zwei Auftraggeberinnen ihn innen ausmalen. Die Identität der drei gefangenen Heiligen bleibt umstritten: Man sah in ihnen entweder Mailänder Märtyrer oder Krieger der Thebäischen Legion. Sicher lässt sich etwas anderes sagen: Für die Nonnen war dieser römische Raum bereits ein Ort des Gebets, und an seiner Wand hinterließen sie ihre eigenen Figuren neben den Heiligen.
Diese Nutzung erforderte den Erhalt des Raums. Spätere Klostergebäude umgaben den Turm dicht und verdeckten Abschnitte der antiken Mauer. Als die Regierung der Cisalpinischen Republik das Kloster im Jahr tausendsiebenhundertachtundneunzig aufhob, verlor die Gemeinschaft ihr Zuhause, und ihre Gebäude und Ländereien wurden anderen Zwecken zugeführt. Im neunzehnten Jahrhundert legte die Stadt zwei Straßen durch das Gelände und riss einen beträchtlichen Teil der Bauten ab. Nach der Bombardierung des Jahres neunzehnhundertdreiundvierzig wurde ein weiterer beschädigter Hof abgerissen. Den polygonalen Turm, den die Nonnen jahrhundertelang als Kapelle genutzt hatten, riss man nicht ab.
Nach dem Krieg suchten die städtischen Museumsfachleute einen eigenen Ort für die archäologischen Sammlungen und wählten das ehemalige Kloster neben dem wichtigsten erhaltenen Abschnitt der römischen Mauer. Während der Bauarbeiten von neunzehnhundertneunundfünfzig bis neunzehnhunderteinundsechzig entdeckten Archäologen unter dem Hof Überreste eines römischen Wohnhauses. Im Jahr neunzehnhundertfünfundsechzig brachte man die griechische, etruskische und römische Sammlung aus dem Castello Sforzesco hierher.
Das Wort „civico“ im Namen bedeutet „städtisch“: Es ist ein städtisches Museum, über dessen Sammlungen die Stadtverwaltung von Mailand verfügt. Im Untergeschoss ruhen die Klostermauern weiterhin auf römischem Mauerwerk, und im unteren Geschoss des Wehrturms befinden sich noch drei gemalte Gefangene und die zwei Nonnen, die für die Darstellungen der Gefangenen bezahlt haben.
Praktisch vor Ort
Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet, die Kasse schließt eine Stunde vor Museumsschluss. Einzelbesucher benötigen gewöhnlich keine verpflichtende Reservierung; Gruppen reservieren im Voraus.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Auch ohne Eintritt können Sie den Turm von außen und den Unterschied zwischen seinem unteren und oberen Teil betrachten. Für die Sammlung ist ein gesonderter Museumsbesuch erforderlich; die Zugänglichkeit einzelner Säle sollte man besser im Voraus prüfen.
