Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Flaggenmast
- Staatsflagge
- Fassade des Nationalpalasts
- Zwei Türme der Metropolitankathedrale von Mexiko-Stadt
Die Geschichte des Ortes
Jeden Tag hissen und senken Soldaten auf dem Zócalo eine riesige Staatsflagge. Hier werden Bühnen für Konzerte aufgebaut, Paraden und staatliche Zeremonien abgehalten. Dafür braucht es einen leeren Platz – und seine heutige Leere entstand nach einer ganz konkreten Vertreibung.
Der offizielle Name des Zócalo lautet Plaza de la Constitución. Er erinnert nicht an ein mexikanisches Gesetz. Am dreißigsten September achtzehnhundertzwölf schworen der Vizekönig Francisco Javier Venegas, der Neuspanien im Namen des spanischen Monarchen regierte, und die Mitglieder des obersten Kolonialgerichts hier der Verfassung von Cádiz die Treue. Die öffentliche Verlesung wurde auf dem Hauptplatz veranstaltet, weil sich um ihn bereits Palast, Rathaus und Kathedrale befanden: Hier konnten die Beamten das neue Gesetz zu einem städtischen Spektakel machen.
Einunddreißig Jahre später plante General Antonio López de Santa Anna, ein kommissarischer Präsident mit außerordentlichen Vollmachten, ein anderes Spektakel. Damals stand vor dem Rathaus El Parián – ein steinernes Handelsgebäude, das fast die Hälfte des Platzes einnahm. Einst wurden in seinen Läden teure Importwaren verkauft; bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts arbeiteten daneben Schuster, Hutmacher und Lebensmittelverkäufer. Viele Händler hatten für das Recht bezahlt, einen Laden zu belegen. Dieses Recht konnte weiterverkauft oder den Kindern hinterlassen werden, und ein fester Standort verschaffte Kredit und das Vertrauen der Kunden.
Santa Anna wollte das Zentrum der Hauptstadt freiräumen und hier eine Säule zum Gedenken an die Unabhängigkeit Mexikos errichten. Am achtundzwanzigsten Juni achtzehnhundertdreiundvierzig befahl er den Abriss von El Parián und gab den Händlern fünfzehn Tage Zeit, auszuziehen.
Einhundertdreiundsechzig Ladeninhaber antworteten mit einem gemeinsamen Brief. Sie erklärten, dass sie ihr investiertes Geld, ihre Kunden und die Möglichkeit verlieren würden, ihre Familien zu versorgen. Der Präsident versprach Entschädigung, ließ jedoch die Stadtkasse zahlen – eben jene, die nach dem Abriss die Mieteinnahmen von El Parián verlor. Die Gemeinde hatte kein Geld. Die Händler erreichten nur zehn zusätzliche Tage, und bis zum siebenundzwanzigsten Juli war der Markt abgetragen.
Bis Dezember entschlossen sich dreiundsechzig ehemalige Mieter, den Rechtsstreit fortzusetzen. Im folgenden Frühjahr beschlossen die Beamten, nur jenen Verluste zu ersetzen, die den Kauf des Rechts auf einen Laden nach achtzehnhundertachtundzwanzig urkundlich nachweisen konnten. Die Mehrheit erfüllte diese Bedingung nicht. Weitere zehn Jahre später war die Forderung nach einer Zahlung noch offen; Forschern gelang es nicht festzustellen, ob überhaupt jemand Geld erhielt.
Auf dem freigeräumten Gelände beauftragte Santa Anna den Architekten Lorenzo de la Hidalga, ein Unabhängigkeitsdenkmal zu errichten. Am sechzehnten September achtzehnhundertdreiundvierzig wurde der erste Stein gelegt. Über das runde Fundament kam das Vorhaben nicht hinaus: Die Staatskasse war verschuldet, und Santa Anna wurde bald darauf gestürzt und ins Exil geschickt.
Den unteren Teil eines Denkmalsockels nennt man auf Spanisch „zócalo“. Das unvollendete Fundament stand mehr als dreißig Jahre lang mitten auf dem Platz, und sein Name ging auf den gesamten Platz über. Im Jahr achtzehnhundertfünfundsiebzig stellte man darauf einen französischen Musikpavillon auf; später entfernte man den Pavillon, gestaltete den Platz um und verbarg die Steinplattform unter einem Belag.
Im Jahr neunzehnhundertneunundsiebzig wurde das tägliche Hissen der Flagge hier durch einen staatlichen Erlass festgeschrieben. Bei der Aufstellung des heutigen Flaggenmasts durchschnitten Bauarbeiter einen Teil des alten Fundaments. Im Jahr zweitausendsiebzehn fanden Archäologen etwas nördlich des Masts eine kreisförmige Plattform mit einem Durchmesser von acht Metern, die aus Stein gebaut und mit Basalt verkleidet war. Sie maßen sie aus, deckten sie mit Schutzgewebe ab und schütteten sie wieder zu. Über den Platten blieb das Wort „Zócalo“ bestehen; der Zócalo selbst liegt unter ihnen.
Praktisch vor Ort
Stellen Sie sich näher an den Rand des Platzes: Von hier aus lässt sich die Erzählung leichter hören und zugleich die Gebäude sehen, ohne mitten im Verkehr oder einer Zeremonie zu stehen.
