Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Öffentliche Galerien
- Wechselausstellung
- Kulturelle Erbegegenstände der Koorie
Die Geschichte des Ortes
Die Sammlung des Koorie Heritage Trust begann mit einem kleinen Reibstein für die Zubereitung von Nahrung. Zu Beginn der achtziger Jahre brachte ein unbekannter Mann ihn zusammen mit mehreren Steinbeilen zum Victorian Aboriginal Legal Service. Er betrat das Büro des Leiters Jim Berg, eines Angehörigen des indigenen Volkes der Gunditjmara, und sagte: „Das gehört Ihnen und Ihrem Volk.“
Berg nahm die Gegenstände an, doch es gab keinen Ort, an dem sie aufbewahrt werden konnten. Eine Organisation, die kulturelle Gegenstände im Namen der Koorie selbst besitzen konnte, gab es noch nicht. Die Steine mussten dem Museum of Victoria zur Aufbewahrung übergeben werden. Damals stellte Bergs Frau Kylie ihm eine kurze Frage: Warum nicht einen eigenen Trust gründen?
Hinter dieser Frage stand eine weitaus schwerere Geschichte. Berg war zugleich Inspektor nach dem Gesetz über archäologische Relikte. In Universitäts- und Museumssammlungen befanden sich menschliche Überreste, die für wissenschaftliche Forschungen aus Gräbern der Aborigines entnommen worden waren. Berg setzte sich dafür ein, dass die Überreste der Vorfahren den Gemeinschaften übergeben und bestattet würden.
Im Jahr neunzehnhundertvierundachtzig half ihm der Anwalt Ron Merkel, eine gerichtliche Verfügung gegen die University of Melbourne zu erwirken. Die Universität focht die Forderung an, doch das Gericht verpflichtete sie, die Sammlung der Überreste dem Museum of Victoria zu übergeben. Von dort aus konnte damit begonnen werden, ihre Herkunft festzustellen und sie in ihre Heimat zurückzuführen. Für Berg hatte das Verfahren einen persönlichen Preis: Die Beziehungen zur Universität blieben ein Vierteljahrhundert lang kühl, und er wurde nicht mehr eingeladen, Medizinstudierenden Vorlesungen zu halten. Gegen eine große Institution setzte er genau das Wissen und die dienstlichen Befugnisse ein, mit denen er seinen Lebensunterhalt verdiente.
Am siebzehnten Oktober neunzehnhundertfünfundachtzig versammelten sich Berg, Merkel, Koorie-Älteste und ihre Unterstützer in einer Anwaltskanzlei in der Queens Street. Sie gründeten den Koorie Heritage Trust und beantragten sofort die offizielle Erlaubnis, kulturelle Gegenstände selbst zu erwerben und die Überreste von Vorfahren in Verwahrung zu nehmen. Einen Monat später, am zweiundzwanzigsten November, wurden achtunddreißig Menschen, deren genaue Herkunft nicht festgestellt werden konnte, im Kings Domain bestattet. Die Überreste wurden in Papierbaumrinde gewickelt, eine Reinigungszeremonie mit Rauch wurde abgehalten, und das Grab wurde mit einem zwei Tonnen schweren Felsblock verschlossen.
Danach begannen die Treuhänder, Geld zu sammeln und Gegenstände von privaten Besitzern und auf ausländischen Auktionen zurückzukaufen. Mit dem Wort „Koorie“ bezeichnen sich viele indigene Bewohner Victorias und des südlichen New South Wales zusammenfassend; einzelne Völker bewahren dabei ihre eigenen Namen. Deshalb ist die Sammlung den Kulturen des Südostens Australiens gewidmet und wird von Menschen aus diesen Gemeinschaften geleitet.
Im Juni zweitausendfünfzehn wurden die Sammlung und die Dienststellen von der King Street zur Federation Square verlegt. Hier, neben dem Birrarung und an einem der wichtigsten städtischen Treffpunkte, stellte man ihnen öffentliche Galerien, Bildungsräume und Gemeinschaftsräume zur Verfügung. Nun zeigt man hier einen wechselnden Teil der Sammlung, zeichnet mündliche Geschichten auf, bietet jungen Künstlern Ausstellungsflächen und hilft Nachkommen der Stolen Generations, Informationen über Verwandte zu suchen. Von hier aus beginnen auch Spaziergänge, die der Kultur der Koorie am Fluss gewidmet sind.
Jener erste Reibstein wird weiterhin in der Sammlung geführt. Die Exponate wechseln, daher kann er heute möglicherweise nicht in einer Vitrine stehen. Doch er wird nun hier von genau jener Organisation aufbewahrt, die Jim und Kylie Berg ins Auge fassten, nachdem der den Koorie zurückgegebene Gegenstand erneut in ein fremdes Depot gebracht werden musste.
Praktisch vor Ort
Täglich 10:00–17:00; an viktorianischen und nationalen Feiertagen geschlossen; freier Eintritt.
Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Wenn der Trust geöffnet ist, planen Sie Zeit für einen selbstständigen Rundgang ein; einen organisierten Besuch stimmen Sie gesondert ab. Bei geschlossenen Türen hören Sie die Erzählung von draußen, ohne den Durchgang aufzuhalten.
