Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Einläufige Treppenläufe
- Geteilte Treppenläufe
- Fußgängerbrücke
- Schichten von Bemalungen
Die Geschichte des Ortes
Die Stufen verengen sich abwechselnd zu einem Lauf und teilen sich dann in zwei; über dem in den Hang eingeschnittenen Cours Lieutaud verbindet sie ein schmaler Übergang. Von den unteren Vierteln stieg man von hier zum Großmarkt auf dem Plateau hinauf. Ein Metroeingang hat einen der beiden Läufe unterbrochen, doch das Gesamtbild aus Aufstieg, Straße und Brücke bleibt erkennbar. Die Farbe auf den Stufen verändert sich mit den Künstlern: Eine neue Bemalung überdeckt die vorherige, sodass alte Fotos bereits verschwundene Bilder zeigen.
Im Jahr achtzehnhundertneun forderten die Bewohner des Plateau Saint-Michel – des Gebiets bei der heutigen La Plaine – von den Gemeinderäten einen direkten Durchgang zum unteren Zentrum von Marseille. Zwischen ihren Häusern und der Rue Jean-Baptiste-Estelle lag ein kurzer, aber steiler Hang: Auf achtzig Metern Wegstrecke musste man ungefähr vierzehn Meter absteigen.
Kosten und Streitigkeiten mit den Eigentümern der benachbarten Häuser verzögerten das Projekt. Nach den damals in Marseille geltenden Regeln beteiligten sich Eigentümer an der Finanzierung neuer Straßen; auch hier sollten sie eigenes Geld investieren. Der Rat beriet über den Durchgang, doch der genehmigte Plan erschien erst im Jahr achtzehnhundertneunundfünfzig. Ein halbes Jahrhundert lang setzten sich die Bewohner für die Treppe ein, die sie anschließend gemeinsam mit der Stadt bezahlten.
Die Bauarbeiter wechselten einläufige und geteilte Treppenläufe ab und spannten eine Fußgängerbrücke über den in einem Einschnitt angelegten Cours Lieutaud. Die Bewohner des Plateaus erhielten den geforderten Abstieg. Fast gleichzeitig eröffnete oben der auf der Route bereits bekannte Großmarkt: Die Treppe führte direkt aus dem unteren Teil der Stadt zu ihm. Heute unterbricht ein Metroeingang einen ihrer Läufe, doch die ursprüngliche Linie ist erhalten geblieben – Straße, Brücke, Aufstieg zum Plateau.
Im Jahr zweitausendvierzehn wählten die Organisatoren des ersten Marseiller Street-Art-Festivals die Treppe für eine riesige Bemalung aus. Die Künstler Julien Raynaud und Asete verteilten eine Komposition auf Trittstufen und Setzstufen. Spätere eingeladene Künstler überdeckten sie mit ihren Werken. Im Jahr zweitausendachtzehn schuf der Künstler Man Clou auf den Treppenläufen zwei Gesichter: Einzelne Farbstreifen fügten sich vom unteren Punkt der Treppe aus zu einem Bild zusammen. Später beauftragten ein Zusammenschluss örtlicher Händler und die Stadtverwaltung weiterhin neue Bemalungen.
Die heutige Farbe liegt über früheren Kompositionen. Hier bewahrt man gerade die Praxis des Ersetzens, weshalb ein Foto der Treppe von vor einigen Jahren ein bereits verschwundenes Werk zeigt. Der Name Cours Julien ist älter als all diese Bemalungen: Der Marseiller Historiker Adrien Blès brachte ihn mit dem Familiennamen eines früheren Grundbesitzers in Verbindung, von dem keine verlässlichen biografischen Angaben erhalten sind.
Praktisch vor Ort
Rund um die Uhr zugänglich; die Treppe ist für Fußgänger geöffnet.
Geprüft: 19. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Achten Sie auf Ihre Schritte und bleiben Sie nur dort stehen, wo man an Ihnen vorbeigehen kann; nach Regen können Farbe und Stufen rutschig sein.
