Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Sieben Gusseisenbögen
- Themse
- Kuppel von St Paul’s Cathedral
Die Geschichte des Ortes
Sieben Bögen aus Gusseisen tragen die Westminster Bridge über die Themse. Die heutige Brücke wurde im Jahr eintausendachthundertzweiundsechzig eröffnet, als die alte steinerne Brücke wegen ihrer gefährlichen Pfeiler abgerissen werden musste. Vor dem Bau jener Brücke blieb London Bridge der einzige dauerhafte Übergang Londons, und der neue Weg gab Kutschen eine direkte Ausfahrt aus Westminster zu den Straßen in den Südosten. Die Kuppel von St Paul’s Cathedral erhebt sich noch immer über dem Fluss, obwohl die Brücke inzwischen ersetzt wurde.
Früh am Morgen des einunddreißigsten Juli eintausendachthundertzwei fuhr eine Postkutsche von Charing Cross nach Dover. Unter den Fahrgästen war der zweiunddreißigjährige Dichter William Wordsworth. Er reiste nach Calais, um zum ersten Mal seine neunjährige Tochter Caroline zu sehen und deren Mutter, seiner früheren Geliebten Annette Vallon, mitzuteilen, dass er Mary Hutchinson heiraten wollte.
Caroline wurde in Frankreich geboren, nachdem Wordsworth nach England abgereist war. Der danach begonnene Krieg trennte Vater und Tochter fast neun Jahre lang. Der kurze Frieden zwischen den Ländern öffnete den Weg über den Ärmelkanal. Auch Geld gab den Anstoß zur Reise: Wordsworth und seine Schwester hatten jahrelang sparsam von den Zinsen eines von einem Freund hinterlassenen Vermögens und von geringen Einnahmen aus Büchern gelebt. Im Frühjahr erhielt die Familie schließlich eine dem verstorbenen Vater seit Langem geschuldete Zahlung. Nun konnte der Dichter heiraten, wollte aber zunächst mit Annette die Zukunft Carolines regeln.
Mit ihm reiste seine Schwester Dorothy Wordsworth – seine engste Begleiterin und Vermittlerin im Briefwechsel mit Annette. Die Postkutsche überquerte die alte Westminster Bridge, eine steinerne Brücke mit fünfzehn Bögen. Sie war im Jahr eintausendsiebenhundertfünfzig eröffnet worden; davor war London Bridge der einzige dauerhafte Übergang über die Themse in London. Für Kutschen auf dem Weg nach Dover bot die neue Brücke eine direkte Ausfahrt aus Westminster zu den Straßen in den Südosten.
Dorothy hielt das Gesehene in ihrem Tagebuch fest. Über den Dächern hatte sich die übliche Wolke aus Kaminrauch noch nicht erhoben. Sie erkannte St Paul’s Cathedral, die Themse, zahlreiche kleine Boote und Häuser, die sich in die Ferne zogen. Sie war davon beeindruckt, dass die riesige bebaute Stadt im klaren Morgenlicht an eine Naturlandschaft erinnerte.
William behauptete später, er habe den Sonett auf dem Dach der Postkutsche auf dem Weg nach Frankreich gedichtet. Die Handschriften zeigen eine längere Arbeit. Dorothy hielt den Anblick am Tag der Reise fest, und ihr Bruder vollendete das Gedicht wahrscheinlich erst nach der Rückkehr, indem er ihr Tagebuch zu Rate zog. Im Titel erschien ein anderes Datum: „Auf der Westminster Bridge verfasst, am dritten September eintausendachthundertzwei“. In dem Gedicht lag London ohne Rauch und Bewegung da, und die Häuser schienen zu schlafen. Das Sonett wurde fünf Jahre später gedruckt.
In Calais verbrachte Wordsworth etwa vier Wochen mit Annette und Caroline. Die Tochter traf ihren Vater zum ersten Mal; im Herbst kehrte er nach England zurück und heiratete Mary. Später unterstützte er Caroline mit Geld. Von dem privaten Grund der Frankreichreise wussten die meisten Leser des Sonetts damals nichts.
Die steinerne Brücke, über die ihre Postkutsche gefahren war, wurde abgerissen, nachdem ihre Pfeiler gefährlich geworden waren. Die heutige Brücke mit sieben Gusseisenbögen wurde im Jahr eintausendachthundertzweiundsechzig eröffnet. Wordsworth und Dorothy sahen weder den heutigen Westminster-Palast noch das London Eye. Von Dorothys festgehaltenem Anblick blieben die Themse und die Kuppel von St Paul’s Cathedral; die alte Brücke ist nur im Titel des Sonetts erhalten.
Praktisch vor Ort
Die Brücke ist rund um die Uhr geöffnet; Fußgänger haben jederzeit freien Zugang.
Geprüft: 17. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Stehen Sie näher am Geländer und halten Sie sich nicht im Fußgängerstrom auf. Den besten Blick haben Sie von der Brücke; für diese Station ist kein Eintritt ins Parlament nötig.
