Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Den angehobenen Rumpf des Klippers
- Die Galionsfigur Nannie mit Pferdeschweif
- Das Teakruder unter dem Heck
Die Geschichte des Ortes
Im Trockendock von Greenwich ist der Rumpf der Cutty Sark auf einer Stahlstütze über dem Boden angehoben. Es ist ein echtes Frachtschiff und kein Modell: Mehr als neunzig Prozent der Rumpfkonstruktion stammen noch aus dem Jahr achtzehnhundertneunundsechzig. In London war der Klipper registriert, kehrte mit Fracht zu den Londoner Kais zurück, und im Jahr neunzehnhundertvierundfünfzig stellte man ihn hier auf und machte ihn zu einem Museum.
Die weiße Frau am Bug ist die Hexe Nannie. In ihrer ausgestreckten Hand hält sie einen Pferdeschweif. Der Schiffseigner John Willis entnahm den Namen des Schiffs dem Gedicht „Tam o’ Shanter“ von Robert Burns. In der Handlung überrascht der Bauer Tam Hexen beim Tanz und ruft Nannie unvorsichtig zu. Sie setzt ihm nach. Tam reitet zu einem Fluss, den die Hexe nicht überqueren kann, doch unmittelbar vor dem Wasser gelingt es Nannie, den Schweif seines Pferdes abzureißen. Sie trug ein kurzes Hemd – auf Altschottisch „Cutty Sark“. Warum Willis gerade diesen Namen wählte, erklären die Dokumente nicht. Die heutige Nannie wurde im Jahr zweitausendeinundzwanzig nach Zeichnungen des ersten Konstrukteurs des Schiffs geschnitzt; in ihrer Hand hält sie noch immer denselben Schweif.
Willis bestellte das Schiff für den Handel mit chinesischem Tee. Käufer schätzten besonders die erste in London eintreffende Partie der neuen Ernte, und wer vor den Konkurrenten löschte, konnte seine Fracht teurer verkaufen. Für Geschwindigkeit gestaltete der Konstrukteur Hercules Linton den Rumpf schmal, den Bug scharf und die Segelfläche für ein Schiff dieser Größe gewaltig. Auf Ladekapazität verzichtete man: Der Klipper sollte nicht mit der Zahl der Kisten Geld verdienen, sondern mit der Zeit.
Am achtzehnten Juni achtzehnhundertzweiundsiebzig liefen die Cutty Sark und ihr wichtigster Konkurrent, der Klipper Thermopylae, fast gleichzeitig mit Tee aus Shanghai aus. Im Indischen Ozean lag die Cutty Sark ihrem Konkurrenten etwa vierhundert Seemeilen voraus. Dann riss das Meer während eines Sturms das Ruder ab. Ohne es konnte der Kapitän keinen Kurs halten, und der bisherige Vorsprung schwand mit jedem Tag.
An Bord befand sich Robert Willis, der Bruder des Eigners und Inhaber von vierundzwanzig Anteilen am Schiff. Er verlangte, Kapstadt anzulaufen: Sein Eigentum stand zusammen mit der Fracht auf dem Spiel. Kapitän George Moodie trug die Verantwortung für die Menschen und die Überfahrt und wollte den Klipper ohne Hafenanlauf nach London bringen. Moodie weigerte sich, dem Passagier zu gehorchen, und beauftragte den Schiffszimmermann Henry Henderson, auf See ein neues Ruder anzufertigen.
Henderson kannte diesen Rumpf noch von der Helling: Beim Bau hatte er als leitender Zimmermann gedient und das Holz ausgewählt, anschließend heuerte er auf der Cutty Sark als Schiffshandwerker an. Nun hing es von seinem Handwerk ab, ob das Schiff die Reise überhaupt fortsetzen konnte. Aus Ersatzbalken und Eisenteilen entwarf er ein provisorisches Ruder. Sechs Tage lang sägte, befestigte und schmiedete die Mannschaft Metall an Deck. Die tragbare Esse kippte im Seegang um und verbrannte den Sohn des Kapitäns, der bei der Arbeit half. Das Ruder wurde hinter dem Heck angebracht, später noch einmal an Bord gehoben und verstärkt.
Die Thermopylae traf zuerst in London ein. Die Cutty Sark lief am achtzehnten Oktober in den Hafen ein – hundertzweiundzwanzig Tage nach der Abfahrt aus Shanghai und nur eine Woche nach ihrem Konkurrenten. Henry Henderson erhielt für das provisorische Ruder eine Prämie von fünfzig Pfund. Der Kapitän und die Mannschaft wurden dafür gelobt, das beladene Schiff nach Hause gebracht zu haben, doch der Streit war damit nicht beendet. Robert Willis reichte Beschwerde ein, Moodie verließ die Cutty Sark und führte in den folgenden neunzehn Jahren Dampfschiffe auf Atlantikrouten.
Hendersons Ruder ist nicht erhalten geblieben. Das große Teakruder, das heute unter dem Heck zu sehen ist, kam später hinzu: Während seiner langen Dienstzeit verlor der Klipper das Ruderblatt mehrmals. Von der Überfahrt des Jahres achtzehnhundertzweiundsiebzig ist ein Foto erhalten – Henderson steht nach der Rückkehr nach London bei dem von ihm zusammengesetzten provisorischen Ruder.
Praktisch vor Ort
Täglich 10:00–17:00; letzter Einlass 45 Minuten vor Schließung. Geschlossen 24.–26. Dezember und an Tagen mit Sonderveranstaltungen.
Geprüft: 22. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Von außen lässt sich das Schiff gut zunächst umrunden und die Form seines Rumpfs betrachten. Der Aufstieg an Bord und die Innenräume gehören zu einem gesonderten Besuch – prüfen Sie die Zugangsbedingungen, wenn Sie mehr vom Deck und von der Konstruktion sehen möchten.
