Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Fassade des Hauses Nummer 45
- Zeichnungen an den Wänden des Cafés
- Vitrinen mit Puppen
- Glasfenster mit dem Besitzer und einem Tablett
Die Geschichte des Ortes
Vom nördlichen Tor zum Markt zog Tag für Tag ein Handelsstrom, und an Festtagen bewegten sich Krönungs- und Trauerprozessionen auf dieser Straße zum Wawel. Zwischen den Fassaden steht das Haus Nummer fünfundvierzig: Darin ist noch immer ein Café geöffnet, das einst in eine helle Konditorei am Eingang und einen fensterlosen Raum in der Tiefe geteilt war. Im Inneren sind Zeichnungen früher Besucher, Vitrinen mit Puppen und ein Glasfenster erhalten, auf dem der Besitzer ein Tablett mit Essen und Getränken trägt.
Die Florianstraße erhielt ihren Namen von der St.-Florian-Kirche außerhalb der Stadtmauern. Florian war ein römischer Offizier, der zu Beginn des vierten Jahrhunderts hingerichtet wurde, weil er sich weigerte, dem Christentum abzuschwören. Im Jahr eintausendeinhundertvierundachtzig erwirkten Fürst Kazimierz II. Sprawiedliwy und der Krakauer Bischof Gedko die Überführung seiner Reliquien nach Krakau und gründeten für sie eine Kirche. Als im Jahr eintausendzweihundertsiebenundfünfzig die Straßen der neuen Stadt abgesteckt wurden, nannte man die Straße vom Markt zu dieser Kirche Florianstraße.
Über sie zogen Krönungseinzüge und Trauerprozessionen zum Wawel. An gewöhnlichen Tagen lag der Vorteil der Straße im Geschäftlichen: Der Verkehr zwischen dem nördlichen Tor und dem Markt führte an ihren Läden vorbei. Auf diesen Strom setzte der junge Konditor Jan Apolinary Michalik, der aus Lemberg gekommen war. Im Jahr eintausendachthundertfünfundneunzig mietete er Räume im Haus Nummer fünfundvierzig und eröffnete die „Lemberger Konditorei“. Im vorderen Raum verkaufte er Gebäck, Krapfen und Eis. Im hinteren, fensterlosen Raum servierte man den Gästen Kaffee, Essen und Alkohol.
In der Nähe befand sich die Schule der Schönen Künste, und ihre Schüler begannen, sich im Hinterraum zu versammeln. Sie hinterließen Zeichnungen und Karikaturen an den Wänden und brachten Schriftsteller und Schauspieler mit. Gerade der fensterlose Raum gab dem Lokal einen neuen Namen: „Jama Michalika“.
Im Jahr eintausendneunhundertfünf beschloss der Dramatiker Jan August Kisielewski, der die Kabaretts von Paris und Wien gesehen hatte, in Krakau eine ähnliche Vorstellung zu veranstalten. Er brauchte einen abgeschlossenen Raum und ein eigenes Publikum; all das gab es bereits bei Michalik. Nach der Erinnerung des Arztes und Literaten Tadeusz Boy-Żeleński, des künftigen Hauptautors der Kabaretttexte, erwies es sich als am schwierigsten, den Besitzer zu überreden. Michalik hielt Aufführungen für eine Entweihung einer anständigen Konditorei. Dann begriff er, dass die Abende Einnahmen bringen würden, und stimmte zu.
Im Herbst eintausendneunhundertfünf fand im Hinterraum die erste Aufführung des „Zielony Balonik“ statt, des ersten polnischen Literaturkabaretts. Fast das gesamte Programm bestand aus Improvisationen für eingeladene Gäste: Die Künstler verspotteten ihnen bekannte Maler, Theatergewohnheiten und Krakauer Beamte. Boy-Żeleński begann, für diese Abende Couplets zu schreiben, die später im Buch „Słówka“ veröffentlicht wurden. Seit eintausendneunhundertsechs wurden Puppenvorstellungen zur Hauptnummer; im Jahr eintausendneunhundertelf verkaufte man dafür bereits Eintrittskarten.
Der Erfolg ermöglichte Michalik, die Konditorei zu erweitern. Im Jahr eintausendneunhundertzehn fügte er zwei Räume und eine Küche hinzu, und der Künstler Karol Frycz entwarf Möbel, Türen, Lampen und Glasfenster. Die Erweiterung erwies sich als letzter großer Einsatz des Besitzers. Bis zum Jahr eintausendneunhundertzwölf waren die alten Witze erschöpft, der Erste Weltkrieg traf das Lokal, und im Jahr eintausendneunhundertachtzehn verkaufte Michalik es. Er zog nach Posen und eröffnete dort eine Pension.
Im Haus Nummer fünfundvierzig ist das Café „Jama Michalika“ weiterhin geöffnet. Im Inneren sind Zeichnungen der ersten Besucher, Vitrinen mit Puppen des „Zielony Balonik“ und ein von Frycz geschaffenes Glasfenster erhalten: Darauf kommt Michalik selbst mit einem Tablett voller Essen und Getränke aus der Konditorei.
Praktisch vor Ort
Die Außenstation ist jederzeit frei zugänglich. Die wichtigste Variable ist hier die Dichte des Passantenstroms, nicht die Öffnungszeit.
Geprüft: 16. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Straße ist eng und belebt; betrachten Sie die Häuser von der gegenüberliegenden Seite, ohne Eingänge zu versperren. Das Museum und das Lokal im Inneren werden separat besucht.
