Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Zweistöckiges Haus
- Zu Lebzeiten erschienene Ausgaben
- Kamee
- Silberne Teelöffel
Die Geschichte des Ortes
Das Literaturmuseum nahm zwei Etagen eines ehemaligen Wohnhauses in der Kasanskaja-Straße ein. In den Räumen sind zu Lebzeiten der Dichterin erschienene Bücher, Briefe, Fotografien, eine Kamee, Teelöffel und ein Umschlag mit einer Haarsträhne versammelt. Nach der Räumung des Gebäudes gab es hier weder originale Möbel noch ein für Forschende zugängliches Archiv. Dokumente suchte man in Privatsammlungen, die Einrichtung der Epoche sammelte man in alten Jelabugaer Häusern und auf Müllhalden. Die Ausstellung widmete man dem literarischen Schaffen und dem ganzen Leben der Dichterin.
Dieses zweistöckige Haus in der Kasanskaja-Straße wurde zu einer Ersatzadresse. Marina Zwetajewa hat hier nie gewohnt. Im August neunzehnhunderteinundvierzig kam die evakuierte Dichterin mit ihrem sechzehnjährigen Sohn Georgi nach Jelabuga, versuchte Arbeit zu finden und starb zehn Tage später. Das Haus, in dem diese Tage vergingen, lag in der Nähe und blieb Privatwohnraum.
Im Jahr neunzehnhundertneunzig beschloss der Bankier Leonid Onuschko, jenes Haus zu kaufen und dort ein Museum einzurichten. Zur Direktorin der noch nicht bestehenden Institution berief er Inna Limonowa, eine Dichterin aus Nabereschnyje Tschelny, die die Ausstellung von Grund auf schaffen sollte. Limonowa gab zu, dass sie nichts vom Museumswesen verstand, sich damals nicht ernsthaft mit Zwetajewas Werk beschäftigte und eher aus Überraschung zustimmte.
Am nächsten Morgen kamen sie zur Eigentümerin des Zwetajewa-Hauses. Für zwei Zimmer, einen Gemüsegarten und Schuppen verlangte sie mehrere Wohnungen und Ferienhäuser für ihre Verwandten. So viel Geld hatte die Bank nicht. Onuschko wies an, in der Nähe nach einem günstigeren und geräumigeren Gebäude zu suchen. Einen Monat später kaufte man dieses Haus, etwa zweihundert Meter vom ursprünglichen Ziel entfernt.
Limonowa übernahm halb verfallene Räume, die mit Sachen der früheren Eigentümer vollgestellt waren. Sie erinnerte sich, dass der Müll mit fünfzehn Lastwagen abtransportiert wurde; ihre inzwischen erwachsenen Kinder halfen dabei und erhielten für die Arbeit ein symbolisches Gehalt. Nach der Räumung musste überlegt werden, womit das Museum gefüllt werden sollte. Das Zwetajewa-Archiv war für Forschende bis zum Jahr zweitausend geschlossen, und originale Möbel der Dichterin konnte es hier nicht geben. Limonowa suchte Dokumente in Privatsammlungen, fuhr zu Fachleuten und filmte Bewohner Jelabugas, die Zwetajewa begegnet waren. Möbel aus der Zeit der Dichterin sammelte man in alten Häusern, fand sie sogar auf Müllhalden, wusch sie ab und gab sie zur Reparatur.
Etwa ein Jahr später entstand die erste Ausstellung. Bald teilte Onuschko mit, dass das Museum sich nun selbst finanzieren müsse. Der Eintritt blieb kostenlos, doch bereits sieben Mitarbeitende mussten bezahlt werden. Limonowa eröffnete einen Kunstsalon, veranstaltete Führungen durch Jelabuga und nahm Spenden an. Angereiste Verehrer Zwetajewas wurden hier bewirtet und über Nacht untergebracht, wenn sie sich ein Hotel nicht leisten konnten; wegen eines verspäteten Gastes öffneten die Mitarbeitenden das Museum auch spät am Abend. So wurde das ehemalige Wohnhaus zu einem Ort, zu dem Menschen wegen Zwetajewa kamen, noch bevor in der Stadt ein vollwertiger Gedenkkomplex entstand.
Nach Limonowas Weggang blieb die Institution eine Zeit lang geschlossen. Im Jahr neunzehnhundertsiebenundneunzig wurde sie der Stadt übergeben und anschließend in das Jelabugaer Museumsreservat aufgenommen. Im Jahr neunzehnhundertdrei renovierten die Mitarbeitenden das Gebäude vollständig, stellten eine neue Ausstellung zusammen und erwarben zu Zwetajewas Lebzeiten erschienene Ausgaben sowie persönliche Gegenstände. Für das Dach reichte das Geld trotzdem nicht: Bekannte Bauarbeiter erklärten sich bereit, es auf Kredit anzufertigen, und die fehlende Summe fand man erst nach der Eröffnung.
Als in der Nähe schließlich das Gedenkhaus M. I. Zwetajewas entstand, teilten die Mitarbeitenden die Aufgaben der beiden Museen auf. Die Jelabugaer Tage blieben an der ursprünglichen Adresse, während man hier im Jahr neunzehnhundertzwölf eine Erzählung über Zwetajewas ganzes Leben und literarisches Schaffen einrichtete. In den Sälen befinden sich zu ihren Lebzeiten erschienene Bücher, Briefe, Fotografien, eine von ihrem Vater geschenkte Kamee, silberne Teelöffel, eine von ihr in Deutschland gekaufte Schale, Schreibpapier und ein Umschlag mit einer Haarsträhne.
Das Haus in der Kasanskaja-Straße bewahrte die Rolle, die es durch den nicht zustande gekommenen Kauf erhielt: Es war kein Ort von Zwetajewas letzten Tagen, doch gerade hier brachte man Gegenstände und Bücher unter, die aus verschiedenen Abschnitten ihres Lebens nach Jelabuga gelangt waren.
Praktisch vor Ort
Dienstag–Sonntag 09:00–18:00; Montag — Ruhetag. An Feiertagen sind Änderungen möglich.
Geprüft: kein Datum angegeben. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Beginnen Sie den Rundgang nicht mit dem Ende der Biografie: Gehen Sie die Ausstellung der Reihe nach durch, von Familie und früher Arbeit über Emigration und Archiv bis zur Rückkehr.
