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Cardo

The Cardo

Die Ausgrabung erklärt, warum moderne Wohnungen direkt über einer byzantinischen Straße liegen.

20 Min.
Der Cardo in Jerusalem
Zairon · CC BY-SA 4.0; cropped/resized for app; ShareAlike applies
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Worauf achten

  • Steinplatten
  • Kalksteinfundamente der Säulen
  • Rekonstruierte Kolonnade
  • Betongewölbe

Die Geschichte des Ortes

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Im sechsten Jahrhundert verlängerte man die städtische Hauptstraße an dieser Stelle bis zur großen Nea-Kirche im Süden Jerusalems. In der Mitte verlief eine breite Fahrbahn, seitlich zogen sich unter Dächern Fußgängergalerien entlang, und hinter Kalksteinsäulen handelten die Läden. Die Steinplatten wurden unmittelbar auf den Felsen gelegt: Ein älteres römisches Pflaster fand man nicht unter ihnen. Die rekonstruierte Säulenreihe hilft, die frühere Breite der Straße zu erfassen.

Im Jahr neunzehnhunderteinundsiebzig arbeiteten die jungen Architekten Peter Bogod und Esther Niv-Krendel noch angestellt im Atelier des Landschaftsarchitekten Shlomo Aronson. Gemeinsam reichten sie einen Wettbewerbsbeitrag ein: Auf einem zweihundert Meter langen Streifen zwischen der Chabad-Straße und der Jüdischen Straße sollten ein Hotel, Wohnungen und Geschäfte untergebracht werden. Unter der Erde war noch nichts zu sehen.

Die drei Architekten studierten die Mosaikkarte von Madaba aus dem sechsten Jahrhundert, die in einer Kirche der jordanischen Stadt Madaba gefunden worden war. Darauf wurde Jerusalem von einer breiten Straße mit zwei Säulenreihen durchquert. Es war der Cardo – so nannte man in römischen Städten eine von Norden nach Süden verlaufende Straße; der Haupt-Cardo diente als Straße, Markt und Ort städtischer Prozessionen. Bogod, Niv-Krendel und Aronson entschieden, dass das Wettbewerbsgelände genau über seiner Verlängerung lag. Sie schlugen vor, das antike Straßenpflaster zu suchen, die untere Ebene dem Handel zu überlassen und die Wohnungen darüber anzuheben.

Ihr Entwurf setzte sich gegen siebenundzwanzig Mitbewerber durch, doch der Auftraggeber bezweifelte, dass sich ein solches Konzept überhaupt bauen ließe. Die Architekten mussten ein dreidimensionales Modell anfertigen, um die Arbeitserlaubnis zu erhalten. Nach dem Sieg verließen Bogod und Niv-Krendel das Atelier und übernahmen das Projekt selbstständig. Insgesamt kostete es sie zwölf Jahre.

Die archäologischen Ausgrabungen im Viertel leitete Professor Nachman Avigad von der Hebräischen Universität Jerusalem. Er war über sechzig und verzichtete für diese Arbeiten auf einen geplanten Urlaub vor seinem bevorstehenden Ruhestand. Nach Bogods Erinnerung lachte Avigad zunächst über die Vermutung der jungen Architekten. An der Oberfläche waren weder Straßenpflaster noch Säulen erhalten, und das Mosaik aus Madaba war eine Darstellung der Stadt, kein Bauplan.

Dennoch ließ Avigad entlang der vermuteten Linie dreizehn Suchschnitte anlegen. Jeder stieß in etwas mehr als zwei Metern Tiefe auf eine feste Schicht. Als die Archäologen die Ausgrabung erweiterten, kamen nacheinander Säulenfundamente aus der Erde zum Vorschein, die in gleichen Abständen aufgestellt waren. Daneben verlief ein Abfluss, in den einst Wasser von den Dächern über den seitlichen Durchgängen geflossen war. Die Straße auf der Mosaikkarte lag unter dem Wettbewerbsgelände.

Dieser südliche Abschnitt des Cardo wurde im sechsten Jahrhundert angelegt. Die Archäologen fanden darunter kein älteres römisches Straßenpflaster: Die Steinplatten lagen unmittelbar auf dem Felsen. Daher verbinden die Forscher den Bau mit Kaiser Justinian, der im Süden der Stadt die riesige Nea-Kirche errichten ließ. Für Einwohner und Pilger wurde die Hauptstraße bis zur neuen Kirche verlängert; von hier aus konnte man entlang der Kolonnade zur Grabeskirche gelangen. In der Mitte ließ man eine breite Fahrbahn frei, an den Seiten wurden überdachte Gehwege angelegt, und hinter den Säulen öffneten sich Läden. Die Nea-Kirche verschwand später fast vollständig, doch die Baumeister legten die Straße dort an, wo die Mosaikmeister sie gezeigt hatten.

Die Ausgrabungen verzögerten die Errichtung der Häuser, und der Auftraggeber verlangte, die Wohnungen möglichst bald zu übergeben. Bogod und Niv-Krendel änderten die Zeichnungen, sobald neue Säulen und Mauern auftauchten. Statt die Funde wieder zuzuschütten, überspannten sie das Gelände mit einem System aus Betongewölben. Die Archäologen arbeiteten unten weiter, während die Bauarbeiter oben Höfe anlegten und um sie herum etwa vierzig Wohnungen errichteten. Das untere Stockwerk wurde wieder von Geschäften eingenommen.

Den grauen Beton ließ man hier sichtbar und bearbeitete ihn von Hand. Die Architekten wollten, dass ihre Säulen, Bögen und Stützen nicht für antik gehalten werden konnten. Deshalb gehören die Steinplatten unter den Füßen und die erhaltenen Kalksteinfundamente zum Cardo des sechsten Jahrhunderts, die rekonstruierten Fragmente der Kolonnade zeigen seine frühere Breite, und die Betongewölbe tragen die über der Ausgrabung errichteten Häuser. Zwischen der Chabad-Straße und der Jüdischen Straße verläuft genau jene Linie, für die zwei Architekten das Atelier verließen und ein älterer Archäologe seinen Ruhestand aufschob.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort20 Min.
Nächster PunktHurva-Platz
Eintrittvon außen

Offener städtischer Durchgang mit Handelsbereichen; in der Regel täglich zugänglich.

Geprüft: 27. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Vergleichen Sie die Ebenen, ohne Treppen und Geschäftseingänge zu blockieren; der Handel ist hier Teil einer funktionierenden Straße.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Folgen Sie von der langen Linie des Cardo der Kuppel und dem Hurva-Platz entgegen.

Stopp 4 von 8Weiter: Hurva-Platz

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Altstadt von Jerusalem: Tore, Viertel und Heiligtümer“ — 8 Stopps, etwa 2,4 km, etwa 4 Stunden.

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