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Mishkenot Yisrael

משכנות ישראל

Hier wurde aus dem unerfüllten Plan von einhundertvierzig Häusern eine Geschichte von gemeinsamer Kasse, Losentscheid und langsamem Städtebau.

15 Min.
Schmale steinerne Gasse im Viertel Nachlaot in Jerusalem.
Adiel lo · CC BY-SA 3.0; cropped/resized for app; ShareAlike applies
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Worauf achten

  • Dicht stehende Steinhäuser, innere Durchgänge und zwei Ebenen von Gebetsräumen in Beit Avraham.

Die Geschichte des Ortes

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Dicht stehende Steinhäuser bilden innere Durchgänge, und in einer der örtlichen Synagogen wurde gleichzeitig auf zwei Stockwerken gebetet. Den oberen Raum richtete man für diejenigen ein, die sich zum Sonnenaufgang versammelten; der untere blieb der anderen Gemeinde: Enge löste man hier durch neues Mauerwerk, nicht dadurch, dass Nachbarn weggingen. Das Viertel wuchs durch gemeinsame Beiträge seiner künftigen Bewohner, und die Bewohner kümmerten sich nicht nur um die Häuser, sondern auch um die Straßen ringsum. In der Nähe lagerte man schwere steinerne Straßenwalzen, die man der Stadt zusammen mit Pferden gab, wenn eine neue Straße verdichtet werden musste.

Dieses Viertel hatte anfangs viel mehr Zukunft als Häuser. Im Jahr achtzehnhundertsiebenundsiebzig erschien in einer Zeitung eine fast werbliche Ankündigung: Hier würden einhundertvierzig „große und gute“ Häuser entstehen – mit Veranden, Kellern und allem, was man zum Leben braucht. Kein hastig errichteter enger Zufluchtsort, sondern eine echte neue Stadt außerhalb der Mauern des alten Jerusalem.

Gebaut wurden vierundvierzig Häuser.

Der Unterschied zwischen Plan und Ergebnis war gewaltig, doch das brachliegende Land ging nicht verloren. Man säte dort Weizen. So war Mishkenot Yisrael zugleich Viertel und Feld: Die Steinmauern erhoben sich schon, doch dazwischen wogten noch die Ähren.

Yosef Rivlin, einer der wichtigsten Akteure beim Bau neuer Jerusalemer Viertel, kam eines Tages während der Ernte hierher. Später beschrieb er diese Szene in einem Brief. Rivlin sprach die Schnitter mit Worten aus dem Buch Rut an: „Der Herr sei mit euch.“ Sie antworteten, wie es in der biblischen Erzählung heißt: „Der Herr segne dich.“

Vermutlich hätten diese Worte, ausgesprochen mitten auf einem gewöhnlichen städtischen Brachland, zu feierlich wirken können. Doch ringsum fand eine wirkliche Ernte statt. Hinter den Schnittern sammelten Arme die zurückgelassenen Ähren auf – so wie einst Rut auf dem Feld des Boas. Und für Rivlin verschwand plötzlich die Distanz zwischen dem biblischen Land und diesem unfertigen Viertel.

Er schrieb, ihm seien vor Freude die Tränen gekommen. In einigen Dutzend Häusern, auf dem staubigen Feld und in den Menschen, die Ähren auflasen, sah er bereits ein ganzes Volk auf seinem eigenen Land leben. Vor seinem inneren Auge erschien eine festliche Prozession: Die ersten Früchte werden unter Flötenklängen in goldenen Körben getragen. Wo jeder andere Geldmangel und vierundvierzig Häuser statt einhundertvierzig bemerkt hätte, sah Rivlin den Beginn einer großen Rückkehr.

Doch allein von einer Vision konnte man nicht leben. Steine, Balken und Dächer verlangten nach Geld, und die Verteilung der Häuser nach Regeln. Deshalb richtete die Gemeinschaft eine Verwaltung von geradezu buchhalterischer Gründlichkeit ein. Die Beteiligten wurden in sieben Gruppen eingeteilt, die man „Banner“ nannte. Jedes „Banner“ hatte einen Vorsteher: Er sammelte Beiträge ein, hörte den Nachbarn zu und gab die gemeinsame Meinung weiter.

Die Gesellschaft versprach, pro Jahr mindestens zehn Häuser zu bauen. Jede neue Bauphase bedeutete einen Augenblick der Hoffnung – und einen Losentscheid. Gerade das Los entschied, wer ein fertiges Haus erhielt. Die Glücklichen zogen zunächst als Mieter ein: Das Viertel war noch nicht fertiggestellt, daher erhielt niemand ein endgültiges Eigentumsrecht. Wenn der Bau abgeschlossen sein sollte, war ein zweiter Losentscheid vorgesehen – nun für die dauerhafte Verteilung. Erhielt jemand ein wertvolleres Haus als ein anderer, sollte der Unterschied nachgezahlt werden.

So ruhte der Traum vom eigenen Zuhause zugleich auf drei Dingen: Geduld, regelmäßigen Beiträgen und Glück. Man konnte jahrelang an der gemeinsamen Sache teilnehmen, über sein „Banner“ abstimmen, für den Bau zahlen – und dennoch warten, bis das richtige Los gezogen wurde. Dafür entstand das Haus weder als Geschenk eines reichen Gönners noch auf Anordnung der Obrigkeit. Menschen, die selbst hier leben sollten, fügten es nach und nach aus gemeinsamem Geld zusammen.

Dieselbe Mischung aus Berechnung, Pflicht und Hoffnung bestimmte das Schicksal der ersten Synagoge. Man begann sie unter dem erhabenen Namen „Mishkeney Elyon“ – „Höhere Wohnstätten“. Der Name versprach bereits himmlische Höhe, während der Bau derweil in ganz irdischen Schulden stecken blieb.

Die Rettung kam aus London. Avraham Zusman schickte einhundert Pfund Sterling – eine Summe, die es ermöglichte, die Arbeiten zu vollenden. Aus Dankbarkeit erhielt die Synagoge seinen Namen: „Beit Avraham“, „Haus Abrahams“.

Die Einweihung fand an den Pessachtagen des Jahres achtzehnhundertsiebenundsiebzig statt. Schon am Morgen strömten Menschen hierher. Rabbiner, Sänger, Stadtbewohner und Torarollen zogen in feierlicher Prozession; Psalmen erklangen. Das unfertige Viertel erhielt für einige Stunden genau das Festbild, das Rivlin auf dem Weizenfeld gesehen hatte: ein Volk, eine Prozession, Gesänge – und ein neues Heiligtum dort, wo kurz zuvor noch nackte Erde gewesen war.

Dann begann der Alltag, und es zeigte sich, dass selbst das Gebet ein Problem mit dem Zeitplan haben kann. In der Synagoge versammelten sich zwei Minjanim. Der erste betete sehr früh nach dem Brauch von Vatikin und versuchte, das Hauptgebet mit dem Sonnenaufgang zu verbinden. Doch er schaffte es nicht, bis zu dem Zeitpunkt fertig zu werden, zu dem der Raum bereits vom zweiten Minjan benötigt wurde.

Die Uneinigkeit zog sich mehrere Jahre hin. Die Lösung war wahrhaft jerusalemisch: Wenn zwei Gemeinden in einer Synagoge zu wenig Platz haben, braucht es noch eine Synagoge. Im Jahr achtzehnhundertfünfundneunzig baute man für den frühen Minjan einen Raum ein Stockwerk höher, während der zweite unten blieb. Niemand musste weggehen. Die einen beteten über den anderen, jeder zu seiner Zeit, und aus dem Streit wurde ein weiteres Stockwerk.

Selbst die Straße war hier eine gemeinsame Angelegenheit. Neben dem Viertel lagerten zehn riesige steinerne Straßenwalzen. Vor dem Anlegen einer Straße wurde der Boden eingeebnet, Steine wurden zerschlagen, Gruben aufgefüllt, und dann zogen Pferde die schweren Räder immer wieder, bis der Belag fest wurde. Diese Walzen nannte man das „wiederkehrende Rad“ – es fuhr unzählige Male über dieselbe Stelle.

Alle packten bei der Arbeit an: Erwachsene, Alte und Kinder. Das Komitee von Mishkenot Yisrael lieh der Stadtverwaltung sowohl die Walzen als auch die Pferde kostenlos aus. So baute das Viertel nicht nur seine eigenen Häuser. Es half auch, die Straßen um sich herum anzulegen.

Der große Plan erfüllte sich nur teilweise. Die einhundertvierzig Häuser entstanden nie. Doch das Weizenfeld wurde zu einer biblischen Szene, die Schuld zum Haus Abrahams, der Streit über die Gebetszeit zu einem neuen Stockwerk, und das schwere Rad verwandelte Stein um Stein immer wieder in eine Straße. Das neue Jerusalem entstand hier nicht auf einmal. Es wurde langsam aus dem Boden herausgewalzt.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort15 Min.
Nächster PunktMazkeret Moshe
Eintrittfrei zugänglich

Der Hof ist jederzeit geöffnet; der Eintritt ist frei, aber respektieren Sie die Bewohner

Geprüft: 22. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Besichtigen Sie die Synagoge von außen, wenn sie geschlossen ist oder dort ein Gottesdienst stattfindet. Rechnen Sie nicht damit, die im Bericht erwähnten Gegenstände und Räume zu sehen: Ein Teil der Geschichte lässt sich nur an der erhaltenen Struktur des Viertels ablesen.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Gehen Sie weiter nach Mazkeret Moshe, wo das Genossenschaftsmodell von erschwinglichem Wohnraum abgelöst wird, den ein Wohltätigkeitsfonds geschaffen hat.

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Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Vom Markt zu den Höfen: das lebendige Jerusalem hinter der Agrippas-Straße“ — 7 Stopps, ca. 850 m, 2–3 Std..

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