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Worauf achten
- Schlichte Steinfassaden und silberne Platten mit den zwölf Stämmen Israels an den Türen der Chesed-ve-Rachamim-Synagoge.
Die Geschichte des Ortes
In der Enge der Altstadt von Jerusalem musste eine Familie überfüllte Zimmer teilen und um jeden neuen Winkel kämpfen. Außerhalb der Mauern stehen in Mazkeret Moshe kleine Steinhäuser mit Höfen, und die Bewohner konnten sie über viele Jahre hinweg nach und nach abbezahlen. Das Viertel war zunächst für Aschkenasim bestimmt, für Sephardim war das benachbarte Ohel Moshe vorgesehen, und später überwogen hier bereits sephardische Familien. An den Türen der heutigen Synagoge befinden sich weiterhin silberne Platten mit den zwölf Stämmen Israels.
Ein Geschenk für einen reichen Menschen versucht man gewöhnlich sichtbar zu machen. Eine Reiterstatue, ein feierlicher Bogen, wenigstens eine Bronzetafel mit Namen. Zum neunzigsten Geburtstag von Moshe Montefiore ging man anders vor: Man verwandelte sein Andenken in Wohnraum.
Mit Mitteln der Yehudit-und-Moshe-Montefiore-Stiftung wurden hier dreiundachtzig Häuser gebaut. So entstand der Name Mazkeret Moshe – „Erinnerung an Moshe“. Die Häuser wurden günstig verkauft, und das Geld durfte über viele Jahre hinweg schrittweise zurückgezahlt werden. So entstand ein Denkmal, bei dem man nicht vor einem Sockel erstarrt, sondern Fensterläden öffnet, über Lärm streitet, Wäsche trocknet und Kinder schlafen legt.
Für die Bewohner der engen Altstadt von Jerusalem bedeutete ein solches Haus nicht einfach eine neue Adresse. Hinter den Festungsmauern waren die Zimmer überfüllt, die Luft schwer, und um Wohnraum musste man kämpfen. Hier eröffnete sich die Möglichkeit, ein eigenes Leben zu beginnen – bescheiden vielleicht, mit Schulden vielleicht, aber nun mit einer eigenen Schwelle und einem eigenen Hof.
Die Wohltätigkeit folgte allerdings ebenfalls der Ordnung des damaligen Jerusalem. Mazkeret Moshe war für Aschkenasim bestimmt, das benachbarte Ohel Moshe für Sephardim. Man holte die Menschen aus der Enge heraus, siedelte sie jedoch nach Herkunft, Sprache und Gebetstradition an. Zwei Viertel nebeneinander, beide tragen den Namen Montefiore, beide entstehen dank derselben philanthropischen Idee – und doch erhalten sie von Anfang an unterschiedliche Stimmen.
Die Grenzen zwischen den Gemeinschaften erwiesen sich als weniger fest als die Hausmauern. Mit der Zeit wurde Mazkeret Moshe sephardischer. Am deutlichsten ist dieser Wandel in der Geschichte der Chesed-ve-Rachamim-Synagoge zu hören – „Barmherzigkeit und Mitgefühl“.
Einst befand sich in ihren Räumen eine Bierstube. Ende der 1920er Jahre überredete ein örtlicher Metzger den Besitzer, das Lokal für eine Synagoge zur Verfügung zu stellen. An dieser Geschichte ist alles wunderbar: der hartnäckige Metzger, der zustimmende Eigentümer und die Räume, die nirgendwohin umziehen mussten, um ihr Leben vollständig zu verändern. Gestern kam man hierher, um zu trinken und zu reden, und bald erklangen hier bereits Gebete. Dieselben Wände, derselbe Türdurchgang, aber ein anderer Tagesablauf.
An den Türen der heutigen Synagoge befinden sich silberne Platten mit Darstellungen der zwölf Stämme Israels. Hinter ihnen verbirgt sich ein beinahe wörtliches Porträt des Viertels: viele Familienlinien und Traditionen versammeln sich in einem kleinen Raum. Auch der Name „Barmherzigkeit und Mitgefühl“ scheint auf die ganze Geschichte von Mazkeret Moshe zu antworten. Zuerst günstige Häuser und langfristige Darlehen, dann eine Bierstube, die dem Gebet Platz machte, und später der Versuch, Kinder zu retten, denen die Stadt keine leichte Zukunft versprach.
Vor dieser Zukunft lebte das Viertel von schwerer täglicher Arbeit. Im Jahr neunzehnhundertzweiundvierzig fotografierte Tim Nachum Gidal es. In der Archivbeschreibung blieb neben den Fotografien eine beinahe fertige Liste der Beteiligten erhalten: Händler, Schuster, Schuhputzer, ein Bäcker.
Der Morgen konnte hier nicht mit der schönen Stille alter Gassen beginnen, sondern mit Arbeit. Der Hammer des Schusters klopfte auf die Sohle. Die Bürste des Schuhputzers raschelte schnell über den Schuh. Der Bäcker holte bereits Brot heraus, während die anderen erst die Türen aufschlossen. Die Händler legten ihre Waren aus und warteten auf die ersten Kunden. Gespräche, Rufe, Feilschen, der Geruch von Teig und Leder – das Viertel klang wie eine Werkstatt, in der jeder ein wenig verdiente und sich fast niemand erlauben konnte, stehen zu bleiben.
Heute werden alte Viertel leicht zur Kulisse: Der Stein wird malerisch, die abgenutzte Tür fotogen, die Armut der Vergangenheit zu einer gemütlichen „Atmosphäre“. Doch für jene, die Gidals Kamera erfasste, bedeutete diese Atmosphäre einen langen Arbeitstag, ein knappes Budget und ständige Sorge um den Verdienst von morgen. Mazkeret Moshe wurde als Ausweg aus der städtischen Enge gebaut, doch ein Haus allein reichte nicht, um die Not für immer loszuwerden.
Besonders schwer traf sie die Kinder. Später entstand im Viertel ein Klub für Straßenkinder und benachteiligte Jugendliche. Er begann in einer einfachen Baracke und zog dann in ein eingeschossiges Haus um. Hierher kamen Kinder von fünf bis achtzehn Jahren – eine Altersspanne fast so lang wie ein ganzes Leben: Das eine lernte noch zu spielen, das andere musste bereits entscheiden, wer es werden würde und ob es sich überhaupt in der Stadt halten konnte.
Sozialarbeiter und Studenten beschäftigten sich mit den Kindern, organisierten Spiele und Ausflüge, führten Theaterstücke auf. Sie arbeiteten nicht nur mit den Jugendlichen selbst, sondern auch mit ihren Eltern. Der Psychologe Avraham Nadad-Probolovsky leitete den Klub. Eliezer Shmueli bereitete die älteren Jugendlichen auf den Dienst in der Haganah vor. So verband eine kleine Einrichtung im Viertel Hof, Familie und die große Geschichte des Landes.
Hier versprach man keine märchenhafte Rettung. Ein paar Spiele, ein Ausflug, ein Amateurtheaterstück oder ein Gespräch mit einem Erwachsenen konnten die Armut nicht mit einem einzigen Handgriff aufheben. Aber sie gaben einem Kind einen Ort, an dem man seinen Namen kannte und seine Zukunft für wichtig hielt. In dem Viertel, das als Hilfe für erwachsene Familien geschaffen worden war, brauchte die nächste Generation wieder Hilfe – nicht mehr nur ein Dach, sondern Aufmerksamkeit, Beschäftigung und die Chance, nicht überflüssig zu werden.
Deshalb liegt die Erinnerung an Moshe hier nicht so sehr im Namen. Sie wiederholt sich in der Art, wie das Viertel besteht. Ein Haus wird durch ein langfristiges Darlehen zugänglich. Eine Bierstube wird durch das Gespräch eines Metzgers mit dem Besitzer zur Synagoge. Eine Baracke wird durch Menschen, die nach ihrer Arbeit hierherkommen, um zu arbeiten, zu einem Kinderklub. Das Montefiore-Denkmal wurde nicht feierlich und unbeweglich. Es änderte ständig die Bestimmung der Räume – als könnte sich hier jede Tür eines Tages zu einem anderen Leben öffnen.
Praktisch vor Ort
Der Durchgang durch das Viertel ist frei; die Synagogen sind zu den Gebetszeiten und an Feiertagen geöffnet
Geprüft: 22. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Verwechseln Sie die malerische alte Bebauung nicht mit einer Kulisse: Die Durchgänge werden von Bewohnern und Gemeindemitgliedern genutzt. Betreten Sie die Synagoge nur mit ausdrücklicher Erlaubnis und fotografieren Sie nicht während des Gebets.
