Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Altar von Man Cheong
- Altar von Mo Tai
- Granitenen Türrahmen des Kung Sor
- Jahreszahl 1862 am Rahmen
Die Geschichte des Ortes
Die beiden Altäre des Tempels sind Man Cheong und Mo Tai geweiht. Zum ersten kommen Menschen mit Bitten um Erfolg beim Lernen und bei Prüfungen, an beiden betet man für Wohlergehen. Den Bau bezahlten zwei chinesische Unternehmer des frühen kolonialen Hongkong: Einer stammte aus der Tanka-Bootsgemeinschaft, der andere begann als Handwerker auf einer Werft in Singapur und entging einmal dank eines Gläubigers dem Schuldgefängnis. Daneben richtete man einen eigenen Kung Sor-Saal für Versammlungen der Gemeinschaft ein; von ihm ist der granitene Türrahmen mit der eingemeißelten Jahreszahl eintausendachthundertzweiundsechzig erhalten.
Im September eintausendneunhundertachtzehn verlangte die Firma „Hung Tai“ vor Gericht fünfhundert Dollar von Ho Yik-piu, der beauftragt worden war, den Handel mit Antimonerz zu organisieren. Für ein kleines Unternehmen war das Umlaufkapital, und der Ausgang des Falls hing von Ho Yik-pius Geschäftsbüchern ab: Die Firma hielt sie für unzuverlässig, während Ho Yik-piu die Abweisung der Klage anstrebte.
Ho Yik-pius Hauptzeuge schlug einen Beweis vor, den man in den Akten nicht findet: vor den Göttern im Man-Mo-Tempel zu schwören und den Eid durch das Abschlagen eines Hahnenkopfs zu bekräftigen. Die Parteien kamen hierher. Der Zeuge schwor, dass die Bücher echt seien, und vollzog das Ritual. Danach stimmte der Vertreter von „Hung Tai“ einer Entscheidung zugunsten von Ho Yik-piu zu. Die fünfhundert Dollar wurden nicht von ihm eingezogen.
Dieser Ausgang beruhte nicht auf der exotischen Laune eines einzelnen Händlers. Chinesische Bewohner des frühen kolonialen Hongkong brachten jahrzehntelang Fälle hierher, die sie nicht nach dem britischen Verfahren behandeln lassen wollten oder konnten. Ein Schwur vor den Göttern drohte dem Lügner mit Unglück, das auf seine Kinder und Nachkommen übergehen sollte. Selbst Richter, die diesen Glauben nicht teilten, verstanden: Für einen Zeugen konnte diese Drohung mehr bedeuten als ein gewöhnlicher Eid.
Diese Rolle erhielt der Tempel von seinen Erbauern. Im Jahr eintausendachthundertsiebenundvierzig stellten Lo Ah-guo und Tam Ah-choy das Geld für den Bau bereit – Unternehmer der ersten Generation des chinesischen Hongkong. Lo stammte aus der Tanka-Bootsgemeinschaft, die in der alten sozialen Hierarchie niedrig stand. Tam begann als Handwerker auf einer Werft in Singapur, übernahm dann Bauaufträge und wäre einmal beinahe ins Schuldgefängnis gekommen: Ein Gläubiger rettete ihn. Hier richteten sie einen Ort ein, an dem Händler ohne erbliche Beamte und Gelehrtenadel zusammenkommen und Streitigkeiten beurteilen konnten.
Schon im Jahr eintausendachthunderteinundfünfzig wählten die Ladenbesitzer der umliegenden Viertel selbst ein Tempelkomitee und beauftragten es, Fälle zu behandeln, die die ganze Gemeinschaft betrafen. Im Jahr eintausendachthundertzweiundsechzig errichtete man daneben einen eigenen Kung Sor-Saal – eine öffentliche Halle für Versammlungen und Verhandlungen. Lo und Tam erhielten die Stellung, die ihnen ihre Herkunft nicht verlieh: Man wandte sich an sie als an anerkannte Vermittler.
Der Name des Tempels weist auf jene hin, vor denen die Eide geleistet wurden. Man Cheong ist der Schutzpatron von Literatur, Bildung und Staatsprüfungen. Mo Tai ist der vergöttlichte Feldherr Guan Yu, der für Loyalität und Gerechtigkeit verehrt wird. Daher hinterlässt man heute vor Man Cheong Bitten um Erfolg beim Lernen, und vor beiden Altären betet man für Wohlergehen. Im Kung Sor finden keine Verhandlungen mehr statt; vom früheren Gemeinschaftsgericht ist sein granitener Türrahmen mit der Jahreszahl eintausendachthundertzweiundsechzig erhalten.
Praktisch vor Ort
In der Regel 08:00–18:00; 07:00–18:00 am ersten und fünfzehnten Tag jedes Monats sowie an den angegebenen Tempelfeiertagen. Geprüft am 2026-06-30.
Geprüft: 30. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Bewahren Sie Ruhe, versperren Sie Gläubigen nicht den Zugang zu den Heiligtümern und beachten Sie vor dem Fotografieren die Hinweisschilder.
