Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Brunnen in der Platzmitte
- Balkone der Häuser am Rand
- Offenes Pflaster
Die Geschichte des Ortes
Plaza Vieja bedeutet „Alter Platz“, obwohl die Bewohner ihn zunächst den Neuen Platz nannten. Nachdem der Bau der Festung den früheren öffentlichen Raum bei der Plaza de Armas eingenommen hatte, wies der Stadtrat im Jahr eintausendfünfhundertneunundfünfzig weiter südlich ein rechteckiges Grundstück für Markt und Feste aus. Wohlhabende Familien bauten darum Häuser mit Geschäftsräumen im Erdgeschoss und Balkonen, von denen aus sie Aufführungen, Prozessionen und Stierkämpfe beobachteten. Als bei der Kirche Santo Cristo del Buen Viaje der nächste neue Platz entstand, erhielt der frühere Neue Platz seinen heutigen Namen.
Im Jahr eintausendachthundertfünfunddreißig versuchten vier Hausbesitzer an der Ostseite der Plaza Vieja, einen großen Bau hier zu verhindern. In der Mitte standen damals hölzerne Marktstände um einen Brunnen. Der Generalkapitän Miguel Tacón, Gouverneur von Kuba und wichtigster Auftraggeber der städtischen Umgestaltung, wollte sie durch einen steinernen Markt ersetzen. Die Eigentümer erklärten, seine Mauern würden ihren Häusern Licht und Luft nehmen. Sie wohnten selbst schon nicht mehr in diesen Häusern, verteidigten jedoch die ihnen gehörenden Immobilien.
Tacón hatte eigene Interessen. Die Sauberkeit der Märkte galt als Maßstab für die Qualität seiner Verwaltung, und den Bauauftrag erhielten private Investoren, unter ihnen der dem Gouverneur nahestehende Ingenieur Manuel Pastor. Sie bezahlten den Bau, erhielten anschließend für mehrere Jahre das ausschließliche Recht, von den Händlern Gebühren zu erheben, und gewannen auf diese Weise ihr investiertes Geld zurück. Nach Ablauf der Konzession sollte das Gebäude an die Stadt übergehen.
Die Hausbesitzer schickten eine Beschwerde nach Spanien. Tacón antwortete dem Minister in einem Brief, in dem er nicht mehr die Argumente, sondern die Beschwerdeführer selbst behandelte: Den einen erklärte er für unerfahren, den anderen für einen Schuldner, dem dritten warf er persönliche Feindschaft vor. Die Beschwerde wurde abgewiesen. Bis zum Jahr eintausendachthundertsiebenunddreißig waren die steinernen Reihen fertiggestellt.
Der Markt wurde nach María Cristina benannt, die Spanien im Namen ihrer minderjährigen Tochter regierte. Vier Flügel nahmen fast das gesamte Zentrum des Platzes ein. In jedem Laden gab es einen Verkaufstresen, eine Truhe und Geräte zum Zerlegen von Fleisch; über den Reihen richtete man Zimmer für die Verkäufer ein. Versklavte Frauen kamen, um den täglichen Bedarf für die Häuser ihrer Besitzer zu besorgen. Schwarze Zwischenhändler kauften Fleisch, Gemüse und Obst im Großhandel und verkauften sie in der Stadt und ihren Vororten einzeln weiter – für manche war das ein einträgliches Geschäft. Bis zum Jahr eintausendachthundertzweiundsechzig brachten sechzig Läden zweiundvierzigtausend Pesos an Miete ein.
Die Steinmauern beseitigten weder Feuchtigkeit noch Schmutz. Der kubanische Arzt Nicolás José Gutiérrez setzte sich für die Schließung überdachter Märkte als Infektionsherde ein, und im Jahr eintausendneunhundertacht ordnete der Stadtrat den Abriss des Mercado de Cristina an. Die Hausbesitzer gewannen diesen Streit siebzig Jahre nach ihrer Beschwerde, als weder ihre Gegner noch die ersten Händler noch am Leben waren.
Der heutige Brunnen wurde im Jahr eintausendneunhundertsiebenundneunzig nach dem Vorbild eines Brunnens aufgestellt, der von Stichen aus dem neunzehnten Jahrhundert bekannt ist. Er ist nicht derjenige, an dem die Wasserträger des Marktes ihre Fässer füllten: Das alte Becken wurde schon im Jahr eintausendachthundertsiebenundvierzig entfernt. Auch die steinernen Marktstände sind verschwunden. Heute befinden sich in den Erdgeschossen der Häuser am Rand Cafés und Kultureinrichtungen, und dort, wo einst sechzig Läden und die Zimmer der Verkäufer standen, liegt wieder offenes Pflaster.
Praktisch vor Ort
Betrachten Sie den Platz zunächst vom Rand aus und gehen Sie dann zu dem am Boden markierten Umriss: So lässt sich die heutige Leere leichter mit der früheren dichten Bebauung vergleichen. Die Cafés, Galerien und anderen Räumlichkeiten ringsum arbeiten unabhängig von der Route und werden zum Anhören nicht benötigt.
