Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Turm der St.-Nikolaus-Kirche
- Korenmarkt an der Kirchenmauer
- Belfried hinter der Kirche
Die Geschichte des Ortes
Auf dem mittleren Turm der St.-Nikolaus-Kirche hielten städtische Wächter Wache; hier hingen auch Glocken. Der Korenmarkt reicht unmittelbar bis an die Kirchenmauer: Im vergangenen Jahrhundert standen entlang ihr noch Reihen mit Getreide und Saatgut. Nach der Fertigstellung des Belfrieds hielten die Wächter dort Wache, auch die Glocken wurden dorthin verlegt, und der Kai vor der Kirche verschwand.
Korenmarkt bedeutet „Getreidemarkt“. Sein früherer Name, Korenard, bedeutete „Getreidekai“: Archäologen halten es für möglich, dass ein Arm der Leie oder ein mit dem Fluss verbundener Kanal einst fast bis hierher reichte.
Die mittelalterlichen Stadtverwalter machten aus der günstigen Lage einen streng kontrollierten Markt. Nach der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts sicherten sie Gent offiziell das Stapelrecht für Getreide. Weizen und Roggen, die über Leie und Schelde aus Frankreich herangebracht wurden, mussten gerade hier zum Verkauf angeboten werden. Bis zu einem Viertel des durch die Stadt gelangten Getreides wurde für die Genter reserviert; ein Händler, der es kaufte, durfte seinen Kauf nicht weitertransportieren.
Drei Stapelherren, städtische Verwalter des Getreidestapels, überwachten die Einhaltung. Sie entnahmen Proben aus Schiffsladungen, prüften die Qualität und ordneten an, wie viel Getreide in die Speicher zu bringen war. Für einen Schiffer bedeutete das Verzögerung und den verpflichtenden Verkauf an dem Ort, den Gent bestimmte. Für eine Stadt, in der im vierzehnten Jahrhundert mehr als sechzigtausend Menschen lebten, bedeutete es einen Vorrat an Weizen und Roggen für Brot und Brei. Für die örtlichen Händler bedeutete es einen Warenstrom, der nicht an ihnen vorbeigeführt werden konnte.
Schon seit dem frühen Mittelalter sammelten diese Händler Geld für ihre Pfarrkirche. Zu Beginn des dreizehnten Jahrhunderts begannen sie, das heutige Gebäude zu errichten, und die Zünfte bezahlten ihre eigenen Kapellen und verpflichteten sich, sie zu unterhalten. Deshalb steht die Kirche direkt am Ort des Handels und nicht abseits davon.
Als Patron der Pfarrei wählten die Händler Nikolaus von Myra, den Bischof des kleinasiatischen Myra, über den nur wenig zuverlässig bekannt ist. Seine Verbindung zu Getreide und Transporteuren stammt aus einer Überlieferung. Ihr zufolge erschien Nikolaus während einer Hungersnot einem Schiffer im Traum, gab ihm drei Goldmünzen und befahl ihm, eine Getreideladung nach Myra zu bringen. Als der Schiffer mit den Münzen in der Hand erwachte, erfüllte er die Bitte. Dank solcher Erzählungen verehrte man Nikolaus als Patron der Kaufleute, Seeleute und Bäcker. Hier spiegelte sein Name die Tätigkeit der Menschen hinter der Kirchenmauer wider.
Die Händler bezahlten auch den mittleren Turm der Kirche. Die städtischen Schöffen nutzten seine Lage: Sie stationierten oben städtische Wächter und hängten Glocken auf. Dieser Turm diente Gent als Wachturm und Glockenturm, bis man für dieselben Aufgaben den Belfried fertiggestellt hatte.
Die Getreidereihen blieben bis ins zwanzigste Jahrhundert auf dem Korenmarkt, der Handel mit Getreide und Saatgut endete erst um den Zweiten Weltkrieg. Den Kai vor der Kirche gibt es nicht mehr, die Stapelherren prüfen keine Schiffsladungen mehr, die städtischen Glocken wurden verlegt. Geblieben sind zwei Namen: Getreidemarkt und St.-Nikolaus-Kirche – der Markt und der von seinen Händlern gewählte Patron.
Praktisch vor Ort
Korenmarkt rund um die Uhr; die Kirche öffnet nach dem aktuellen Wochenplan, Eintritt frei
Geprüft: 27. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Der Platz ist belebt, treten Sie daher aus den Hauptströmen heraus; der Zugang zur Kirche hängt von den Gottesdiensten und dem aktuellen Betrieb ab.
