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Boekentoren

Boekentoren

Hier wird der Streit über die Form der Bibliothek zu einer Geschichte von langwieriger Bauzeit und dem persönlichen Preis eines Entwurfs.

15 Min.
Außenansicht des Boekentoren, der Universitätsbibliothek Gent, von der Rozier aus.
PMRMaeyaert · CC BY-SA 3.0; cropped/resized for app; ShareAlike applies
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Worauf achten

  • Betonturm
  • Niedrige Flügel der Lesesäle
  • Stahlfensterrahmen

Die Geschichte des Ortes

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Im Boekentoren wurden die Lesetische in den niedrigen Flügeln untergebracht, während der Hauptbestand in den hohen Betonturm verlegt wurde. Die zwanzig Stockwerke sind durch Bücheraufzüge mit den Sälen verbunden, sodass der benötigte Band von oben, aus dem schmalen vertikalen Magazin, herabkommt. Nach der Restaurierung dienen all diese Ebenen wieder als Magazin, und ein Mitarbeiter findet die Ausgabe anhand des Strichcodes bis zum konkreten Regalboden. Die Stahlfensterrahmen und das Fehlen einer Turmspitze unterstreichen, dass die Höhe hier für die Arbeit der Bibliothek erforderlich ist.

Im Jahr neunzehnhundertdreiunddreißig erhielt der siebzigjährige Henry van de Velde den Auftrag für eine neue Bibliothek der Universität Gent (UGent). Das frühere Büchermagazin befand sich in der ehemaligen Baudelo-Kapelle: Das Grundwasser sorgte fortwährend für Feuchtigkeit, der Schimmel erreichte das Parkett und die unteren Regale, und die Leser mussten von den Universitätsgebäuden aus weite Wege zurücklegen. Für das neue Gebäude wählte man den Gipfel des Blandijnberg, neben dem Universitätsviertel.

Die Bibliothekare schlugen ein lang gestrecktes horizontales Magazin vor und ließen von einem anderen Architekten einen Alternativentwurf anfertigen. Van de Velde setzte den Turm durch. Er wollte ihn am Ende des Anstiegs vom Sint-Pietersplein errichten und neben den drei mittelalterlichen Türmen in die Silhouette von Gent einfügen. Die Zeitungen stritten darüber, ob ein solcher Nachbar zulässig sei: vierundsechzig Meter Beton ohne Turmspitze, Uhren und Glocken.

Der Architekt benötigte die Höhe auch für die Bibliothek selbst. Die Lesesäle ließ er in den niedrigen Flügeln, das Magazin hob er auf zwanzig Stockwerke an und verband es durch Bücheraufzüge mit den Sälen. Die berechnete Kapazität betrug zwei Millionen Bände. Van de Velde nannte das Projekt „einen mächtigen, hochkant gestellten Bücherschrank“. Daher rührt der Name Boekentoren – „Turm der Bücher“.

Er hoffte, das Gebäude zu seinem wichtigsten öffentlichen Werk in Belgien zu machen, und entwarf alles: die Stahlfensterrahmen, Lampen, Türgriffe, Schalter und Tische. Der Bau begann im Jahr neunzehnhundertsechsunddreißig, doch die staatlichen Zuschüsse kamen in kleinen Raten, und die Arbeiten wurden in einzelne Aufträge aufgeteilt. Das Honorar des Architekten betrug zweieinhalb Prozent der Baukosten; nach dem Anteil eines Verwaltungsmitarbeiters reichte das verbleibende Geld nicht mehr für den Unterhalt seines Büros. Der Buchhalter warnte Van de Velde, dass die Verzögerung sein Büro in den Ruin treibe.

Dann begann der Krieg. Für die vorgesehene Ausstattung fehlten Materialien, und oben stellten deutsche Militärangehörige ein Flugabwehrgeschütz auf. Im Oktober neunzehnhundertzweiundvierzig ließ man Leser in die noch unfertige Bibliothek. Ein bedeutender Teil der von Van de Velde entworfenen Möbel wurde nie angefertigt. Im Jahr neunzehnhundertvierundfünfzig weigerte sich der einundneunzigjährige Architekt, den Kampf mit den Genehmigungen fortzusetzen, und übergab die Fertigstellung des Komplexes seinem Schüler Eugène Delatte. Van de Velde selbst starb drei Jahre später; die Überführung der Bestände war erst im Jahr neunzehnhundertsechzig abgeschlossen.

Nach der Restaurierung füllten Bücher und Zeitschriften wieder zwanzig Stockwerke. Ein Mitarbeiter findet die angeforderte Ausgabe anhand eines Strichcodes, der Stockwerk, Reihe, Schrank und Regalboden angibt. Über den Lesesälen steht noch immer eben jener Bücherschrank, um dessentwillen Van de Velde den horizontalen Entwurf verwarf.

Praktisch vor Ort

Zeit am Ort15 Min.
Nächster PunktStadtmuseum Gent (STAM)
EintrittBibliothek in Betrieb; Aussichtsplattform nur nach Fahrplan oder mit Führung

Jeden Werktag; Lesebereiche und Ausleihe gewöhnlich Mo–Do 08:00–20:00, Fr 08:00–17:00; einzelne Räume und Sommerwochen sind gemäß Kalender geschlossen. Belvedere nur zu besonderen Anlässen oder mit Führung.

Geprüft: 29. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.

Dies ist eine in Betrieb befindliche Universitätsbibliothek, kein frei zugänglicher Aussichtsturm. Klären Sie die Möglichkeit des Zutritts und der Besichtigung der oberen Bereiche im Voraus.

Nächster Schritt

Wie weiter?

Gehen Sie nach Westen zur Bijloke hinunter und betreten Sie das Gelände der ehemaligen Abtei.

Stopp 6 von 7Weiter: Stadtmuseum Gent (STAM)

Route beendet

Spaziergang abgeschlossen

„Museumsviertel Gent: vom Citadelpark bis Bijloke“ — 7 Stopps, etwa 2,3 km, 2–3 Stunden.

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