Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Neue Sakristei
- Statuen „Nacht“ und „Tag“
- Statuen „Morgen“ und „Abend“
- Unvollendetes Gesicht der Statue „Tag“
Die Geschichte des Ortes
Die Medici-Kapellen bei der Basilika San Lorenzo dienten als Grabstätte der florentinischen Familie. In der Neuen Sakristei liegen über zwei herzoglichen Sarkophagen vier Marmorfiguren: „Nacht“ und „Tag“ über dem einen, „Morgen“ und „Abend“ über dem anderen. Daneben richtete man später die Fürstenkapelle ein, und schon vor diesen Bestattungen hatten die Medici frühere Generationen in derselben Kirche beigesetzt.
Im Frühjahr eintausendfünfhundertneunundzwanzig legte Michelangelo hier den Meißel beiseite und übernahm die Leitung der florentinischen Befestigungen. Nun sollte er Florenz gegen die Armee verteidigen, die seine Auftraggeber – die Familie Medici – in die Stadt zurückführte.
Diese Entscheidung drohte ihm mit dem Verlust seines Einkommens und mit Vergeltungsmaßnahmen. Verträge banden fast seine gesamte Arbeitszeit an zwei Päpste aus der Familie Medici. Giovanni de' Medici (Papst Leo X.) und sein Cousin, Kardinal Giulio de' Medici (Papst Clemens VII.), beauftragten ihn, an die Basilika San Lorenzo eine neue Grabkapelle anzubauen. In der Familienkirche lagen bereits frühere Generationen, doch nun brauchten die Auftraggeber Plätze für vier Angehörige.
Die prächtigsten Gräber waren für zwei kürzlich verstorbene Herzöge bestimmt. Giuliano de' Medici, Herzog von Nemours, war der Bruder Leos X.; auf seinem Sarkophag liegen die Marmorstatuen „Nacht“ und „Tag“. Lorenzo de' Medici, Herzog von Urbino, der Neffe des Papstes, erhielt „Morgen“ und „Abend“. Lorenzo il Magnifico und sein Bruder Giuliano de' Medici, der während einer Verschwörung im Dom von Florenz getötet wurde, befanden sich schließlich gemeinsam in einem schlichteren Sarkophag unter Michelangelos „Madonna“. Gerade diese Familienbestattungen gaben dem Ort seinen Namen. Die Pluralform entstand, weil das Museum Michelangelos Neue Sakristei und die spätere Fürstenkapelle vereint.
Im Jahr eintausendfünfhundertsiebenundzwanzig vertrieben die Florentiner die Medici und stellten die Republik Florenz wieder her. Giulio de' Medici (Papst Clemens VII.) war zu diesem Zeitpunkt Papst Clemens VII. geworden und setzte sich für die Rückkehr der Familie ein. Die Truppen Kaiser Karls des Fünften umzingelten Florenz. Michelangelo unterbrach die Arbeit an den Medici-Gräbern und übernahm die Verteidigung der Stadt.
Nach einer zehnmonatigen Belagerung ergab sich die Republik. Die Medici kehrten zurück, und Michelangelo verschwand: Als Beamter der besiegten Regierung erwartete er Rache. Clemens VII. brauchte jedoch jemanden, der die bereits begonnene Grabstätte vollenden konnte. Der Papst teilte mit, er werde dem Künstler verzeihen, wenn dieser die Arbeit an den Grabmälern wieder aufnehme. Michelangelo kam aus seinem Versteck hervor und setzte die Arbeit fort.
Wo genau er sich versteckte, ist nicht zuverlässig bekannt. Im Jahr eintausendneunhundertfünfundsiebzig entdeckte man unter der Neuen Sakristei zufällig einen schmalen Raum, der zuvor als Kohlenlager gedient hatte. Unter zwei Putzschichten kamen große Zeichnungen aus Kohle und Kreide zum Vorschein. Der Museumsdirektor entschied, dass Michelangelo sich hier verborgen und hier auch seine eigenen Figuren aus dem Gedächtnis gezeichnet habe; eine Skizze erinnert an die Beine der Statue Giulianos ein Stockwerk höher. Ein Teil der Fachleute erkannte einige Zeichnungen als seine Werke an, andere wiesen die Zuschreibung zurück. Die Verbindung des geheimen Raums mit dem Versteck des Künstlers bleibt eine Theorie.
Im September eintausendfünfhundertvierunddreißig verließ Michelangelo Florenz für immer und ging nach Rom. Die Neue Sakristei ließ er unvollendet zurück. Später stellten andere Meister die fertigen Statuen auf und überführten die sterblichen Überreste der Medici in die Kapelle. Über dem vermuteten Versteck des Künstlers liegt der „Tag“ bis heute mit einem nur leicht angedeuteten Gesicht, und die vier Flussfiguren, die an den Fußenden der herzoglichen Gräber vorgesehen waren, wurden nie herausgemeißelt.
Praktisch vor Ort
Di–So 08:15–18:50; letzter Einlass 40 Minuten vor Schließung. Mo – geschlossen. Geschlossen am 1. Januar und 25. Dezember. Freier Eintritt am ersten Sonntag des Monats.
Geprüft: 17. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Die Medici-Kapellen werden getrennt von der Hauptbasilika besichtigt. Rechnen Sie nicht damit, die geschlossene unterirdische Kammer mit Zeichnungen als gewöhnlichen Teil der Besichtigung zu sehen; ein möglicher Zugang dazu wird vom Museum geregelt.
