Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Weiße Vorbereitungsbäder
- Farbige Bottiche
- Häute im Farbstoff
- Gemeinsame Waschbecken
Die Geschichte des Ortes
Am Bett des Wadi Fès liegt der Gerbereihof der Chouara-Gerberei. Die runden Bottiche mit weißlichem und gefärbtem Wasser sind mit gemeinsamen Brunnen und Waschbecken verbunden: Jeder Eigentümer hat seine eigene Arbeitszelle, doch ohne dieses gemeinsame Wasser und die gemeinsame Ausrüstung geht die Arbeit nicht. Als sich die Gerber hier niederließen, lag ringsum noch der Stadtrand; dann schloss sich die Medina um das Handwerkerviertel. Während der jüngsten Instandsetzung kehrten die Handwerker nacheinander zu ihren Bereichen zurück, und der Hof behielt seine bisherige Arbeit.
Die farbigen Bottiche der Chouara-Gerberei zeigen den letzten Teil der Arbeit. Bevor die Haut zum Farbstoff kommt, muss sie aufhören, im alltäglichen Sinn eine Haut zu sein – mit Haaren, Fett und Gewebe, das ohne Behandlung zu verwesen beginnt.
Die Gerber weichen die angelieferten Häute in Kalkbädern ein. Der Kalk lockert Haare und Fleischreste; sie werden von Hand entfernt. Danach folgen getrennte Bäder mit Taubenkot und Kleie. Die darin enthaltenen Stoffe machen die Haut weicher und helfen, die Lauge zu entfernen. Anschließend behandeln die Handwerker sie mit pflanzlichen Gerbstoffmischungen: Diese binden die Kollagenfasern, und das Leder wird durch Wasser nicht mehr so verdorben wie eine rohe Haut.
Erst jetzt kommen die farbigen Bottiche an die Reihe. Der Gerber taucht das Leder in eine Farbstofflösung, wendet und knetet es mit Händen und Füßen, damit die Farbe gleichmäßig in die ganze Dicke eindringt. Die getrockneten Stücke verlassen die Chouara-Gerberei ohne Verschlüsse, Sohlen und Nähte. Hersteller von Babouches, Taschen und Sätteln, Buchbinder und andere Handwerker von Fès kaufen sie.
Für diese Abfolge wird ständig Wasser gebraucht: Die Häute müssen eingeweicht, gewaschen und wieder in eine Lösung gebracht werden. Deshalb legte man den Gerbereihof am Bett des Wadi Fès an. Als die Handwerkerviertel entstanden, war dies ein Randgebiet der Bebauung; später wuchs die Medina um sie herum. Die Chouara-Gerberei wird oft als Betrieb aus dem elften Jahrhundert bezeichnet, obwohl frühe Dokumente keine sichere Datierung gerade dieses Hofs erlauben. Sicherer ist etwas anderes: Gerber arbeiteten im frühen Fès und richteten ihre Werkstätten an Flüssen und Quellen ein.
Zu Beginn der zweitausendzehner Jahre hätte sich diese Nachbarschaft beinahe verändert. Ein Teil der Bottiche und Durchgänge war verfallen, die Wasserversorgung versagte zeitweise, und die Abflüsse brauchten eine neue Anlage. In Projekten zur Wiederherstellung des Flusses erwog man, einen Teil der Produktion zu verlegen: Der frei werdende Hof hätte für eine andere Nutzung eingerichtet werden können.
Für die Gerber hätte ein Umzug den Verlust eines ganzen Systems bedeutet, das auf einem einzigen Gelände zusammengefügt ist. Die Bottiche und Lagerräume gehören hier einzelnen Eigentümern oder werden an sie vermietet, doch die Brunnen, Waschbecken und Vorrichtungen zum Kneten des Leders nutzen die Handwerker gemeinsam. Eine Person kann eine Arbeitszelle besitzen, aber eine Haut lässt sich in einer einzelnen Werkstatt nicht durch alle Stadien führen. Von diesem Hof hingen auch die Handwerker ab, die fertiges Leder kauften.
Die Restauratoren erhielten die Produktion am Ort und teilten die Arbeiten in Abschnitte, damit die Handwerker mit der Fertigstellung der Bereiche zurückkehren konnten. Im Herbst zweitausendfünfzehn war wieder mehr als die Hälfte der Chouara-Gerberei in Betrieb; etwa zweihundert Gerber kehrten zu ihren Bottichen zurück. Nach Abschluss der Hauptarbeiten im Jahr zweitausendsechzehn blieb der Hof eine Produktionsstätte und wurde nicht zu einer leeren Kulisse.
Die runden Bottiche vor Ihnen stammen zu einem großen Teil aus jener Restaurierung. In ihnen liegen wieder Häute: Die weißen Bäder bereiten die Fasern vor, die farbigen geben ihnen Farbe, und die gemeinsamen Becken verbinden die einzelnen Werkstätten weiterhin zu einem einzigen Gerbereihof.
Praktisch vor Ort
Täglich 08:00–19:00
Geprüft: 19. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Schauen Sie nur vom erlaubten Aussichtspunkt aus zu und betreten Sie nicht die Durchgänge der Produktion. Die Terrassen können zu privaten Läden gehören; erkundigen Sie sich vor Ort nach den Besuchsbedingungen.
