Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Rote Türen
- Wappen mit einem kleinen Schild in der Mitte
- Tafel mit dem Namen Thomas Moodies
- Grabstein Robert Fergussons
Die Geschichte des Ortes
Der Name Canongate erinnert an den Weg, der von den Stadttoren zu den Besitzungen der Augustiner von Holyrood führte. Hier führen rote Türen in eine Kirche der Church of Scotland, und um sie herum liegt ein alter Pfarrfriedhof. In Schottland nennt man eine Kirche Kirk, ihren Friedhof Kirkyard. An der steinernen Fassade sind ein Wappen mit einem kleinen Schild in der Mitte und eine Tafel mit dem Namen des Mannes erhalten, dessen Geld in den Bau floss.
Im Sommer sechzehnhundertsiebenundachtzig verlangte König Jakob VII. von den Bewohnern des Canongate, ihre Pfarrkirche zu räumen. Die Gemeinde besaß damals kein eigenes Gebäude: Nach der Schottischen Reformation beteten die Gemeindemitglieder der Church of Scotland im Kirchenschiff der mittelalterlichen Holyrood Abbey am Fuß der Straße. Jakob, ein katholischer König, belebte den Distelorden wieder – den königlichen Ritterorden Schottlands – und bestimmte dasselbe Kirchenschiff zu dessen Kapelle. Die Gemeindemitglieder wurden vorübergehend in die fremde Lady Yester’s Church verlegt.
Der Canongate war damals ein eigenständiges Städtchen vor den Toren Edinburghs. Sein Name bedeutet „Weg der Chorherren“: Er verband die Stadttore mit den Besitzungen der Augustiner von Holyrood Abbey. Deshalb brauchte die vertriebene Gemeinde gerade an dieser Straße eine neue Kirche.
Das Geld fanden die Gemeindemitglieder in einem Testament, das die Stadt fast vierzig Jahre lang nicht ausgeführt hatte. Thomas Moodie, der durch Handel reich geworden war und als Stadtkämmerer gedient hatte, hinterließ bereits sechzehnhundertneunundvierzig eine große Summe für den Bau einer Kirche in Edinburgh. Die Bewohner des Canongate erreichten, dass Jakob diesen Fonds für den Ersatz des ihnen weggenommenen Gebäudes einsetzte. Auf der Nordseite der Straße kaufte man ein Grundstück, und sechzehnhundertachtundachtzig begann man mit dem Bau der heutigen Kirche.
Jakob erlebte ihre Eröffnung nicht. Noch im selben Jahr wurde er gestürzt, und Wilhelm von Oranien erhielt die Krone. Die Bauleute bereiteten für die Fassade Jakobs Wappen vor, setzten aber nach dem Königswechsel in dessen Mitte den Schild des Hauses Nassau ein und verwandelten es so in Wilhelms Wappen. Darunter ließen sie Moodies Wappen und eine Tafel mit seinem Namen. An einer Fassade sind die Beteiligten der ganzen Geschichte erhalten: der König, der die Gemeinde vertrieb, sein Nachfolger und der Kaufmann, dessen lange zurückliegendes Testament das neue Gebäude bezahlte. Hinter den roten Türen versammelt sich noch heute die Gemeinde der Church of Scotland; „Kirk“ bedeutet auf Schottisch Kirche.
Zusammen mit dem Baugrundstück kaufte man auch das Gelände ringsum. Bereits seit dem Ende der sechzehnhundertachtziger Jahre wurden hier Gemeindemitglieder bestattet – so entstand der Kirkyard, der Friedhof bei der Kirche.
Siebzehnhundertvierundsiebzig bestattete man hier Robert Fergusson, einen jungen Dichter, der über Edinburgh auf Schottisch schrieb. Nach dem Tod seines Vaters verließ er die Universität und verdiente sein Geld mit dem Abschreiben gerichtlicher Dokumente. Eine Krankheit nahm ihm diese Arbeit; nach einer schweren seelischen Störung und einem Sturz brachte man ihn gegen seinen Willen in die städtische Heilanstalt für mittellose psychisch Kranke. Fergusson starb dort im Alter von vierundzwanzig Jahren, und seine Familie begrub ihn im Canongate Kirkyard ohne Grabstein.
Dreizehn Jahre später fand Robert Burns, ein Dichter, der Fergusson als seinen Vorgänger betrachtete, das Grab. Als Burns die kahle Erde sah, schrieb er den Verwaltern von Kirche und Friedhof, bat um die Erlaubnis, einen einfachen Stein setzen zu dürfen, verfasste die Inschrift und bezahlte die Arbeit. Der Grabstein wurde siebzehnhundertneunundachtzig aufgestellt. Später wurde er restauriert, doch der von Burns in Auftrag gegebene Stein blieb auf der Westseite des Kirkyard. Am Tor ist Fergusson mit einem Buch unterwegs dargestellt; hinter dem Gitter steht der Grabstein, durch den sein Name auf sein eigenes Grab zurückkehrte.
Praktisch vor Ort
Im Sommer ist die Kirche in der Regel an Wochentagen 11:00-16:00 geöffnet, samstags und sonntags nach dem Gottesdienst; in der Nebensaison hängt der Zugang von Freiwilligen ab. Der Friedhof lässt sich als Außenstation auch ohne Betreten des Gebäudes erschließen.
Geprüft: 15. Juni 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Sprechen Sie auf dem Friedhof leise und bleiben Sie auf den Wegen; ein Teil der Inschriften ist abgerieben, und einige Zuschreibungen bleiben umstritten.
