Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Das bronzene Paar ohne Sockel
- Die Kirchenfassade
- Der Eingang zum ehemaligen Jesuitenkolleg
- Der Kreuzgang des Kollegs
Die Geschichte des Ortes
Die Kirchenfassade und der Eingang zum Colegio de la Compañía de Jesús umreißen das Klosterviertel unmittelbar am Hafen. Das Kolleg wurde hier eingerichtet, weil es von seinen Toren nicht weit zu den Anlegestellen war; die kleine Kirche, die früher daneben stand, gibt es nicht mehr. Erhalten ist der Innenhof – der Kreuzgang –, und im alten Gebäude befindet sich heute das Santuario Museo San Pedro Claver.
Der bronzene Priester in der Mitte des Platzes geht neben einem Afrikaner. Der Bildhauer Enrique Grau stellte beide Figuren ohne Sockel direkt auf das Pflaster. Der Priester ist Pedro Claver, ein spanischer Jesuit, der in Cartagena fast vierzig Jahre lang aus Afrika hergebrachte Gefangene empfing. Der Platz und die Kirche tragen seinen Namen.
Das Jesuitenkolleg wurde hier wegen der Nähe zum Hafen errichtet. Von seinen Toren war es nicht weit zu den Anlegestellen, an denen Sklavenschiffe ankamen. Die Gefangenen blieben in Cartagena nur einige Tage: Dann wurden sie verkauft und weitergeschickt. Pedro Claver wollte die Zeit nutzen, um ihnen Hilfe zu leisten und sie zu taufen.
Wenn ein neues Schiff gemeldet wurde, sammelte Claver gespendete Lebensmittel, Wasser und Medikamente, nahm Verbandsmaterial mit und ging zur Anlegestelle. Er stieg in die Laderäume hinab, wusch Wunden aus, pflegte Kranke und empfing die Menschen nach ihrer Ausschiffung an den Toren des Kollegs und in der kleinen Jesuitenkirche, die hier vor der heutigen Kirche stand. Im Jahr eintausendsechshundertzweiundzwanzig unterzeichnete er seine endgültigen Ordensgelübde mit den Worten: „Pedro Claver, für immer Sklave der Afrikaner“.
Claver kannte jedoch die Sprachen der ankommenden Menschen nicht. Ohne einen Dolmetscher konnte er weder einen Kranken fragen, was ihm zugestoßen war, noch erklären, warum der Priester ihn taufen wollte. Diese Arbeit verrichteten versklavte Afrikaner, die dem Jesuitenkolleg selbst gehörten.
Einer von ihnen hieß Francisco Jolofó. Das Kolleg kaufte ihn eigens für die Arbeit mit Claver. Andere Dolmetscher kannten die Sprachen Angolas, Kongos, Guineas und der Küste Westafrikas. Sie erkundeten, woher die jeweilige Gruppe gekommen war, übermittelten die Bitten der Kranken und übersetzten die Unterweisungen des Priesters. Durch sie konnte Claver mit den Menschen sprechen, die Händler als Fracht erfassten.
Die Dolmetscher blieben Eigentum des Kollegs. Im Jahr eintausendsechshundertachtundzwanzig ordneten die Ordensoberen an, die acht oder neun Afrikaner, die mit Claver arbeiteten, weder zu verkaufen noch einzutauschen: Ohne sie kam seine Mission zum Stillstand. Der Befehl hielt diese Menschen beim Kolleg, gab ihnen aber keine Freiheit.
Claver und die Dolmetscher schafften es, die Ankommenden zu ernähren, Wunden zu versorgen und viele auf die Taufe vorzubereiten. Die kirchliche Tradition schreibt ihm etwa dreihunderttausend Taufen zu. Nach einigen Tagen im Hafen wurden die Neugetauften dennoch zu Käufern in Bergwerke, auf Plantagen und in städtische Häuser gebracht. Die Taufe hob das Geschäft nicht auf, und die Dolmetscher, die anderen Menschen ihren neuen christlichen Namen erklärten, galten selbst weiterhin als Eigentum der Jesuiten.
Im Jahr eintausendsechshundertvierundfünfzig starb Claver in seinem Zimmer in diesem Kolleg. Die heutige große Kirche wurde erst nach seinem Tod errichtet; die kleine Kirche, in der er die Ankommenden empfing, gibt es nicht mehr. Erhalten ist der Kreuzgang, in dem Claver lebte und starb, und seine sterblichen Überreste wurden im Altar der Kirche beigesetzt. Nach Clavers Heiligsprechung im Jahr eintausendachthundertachtundachtzig erhielt die Kirche seinen Namen und nach ihr auch der Platz.
Heute befindet sich im ehemaligen Kolleg das Santuario Museo San Pedro Claver. Auf dem Platz geht der bronzene Claver weiterhin neben einem namenlosen Afrikaner. In den Dokumenten des Kollegs ist der Name eines solchen Menschen erhalten: Francisco Jolofó.
Praktisch vor Ort
Die ganze Geschichte lässt sich vom Platz aus verfolgen. Betreten Sie Kirche oder Museum nur, nachdem Sie den Zugang gesondert geprüft haben, und ohne den Gottesdienstablauf zu stören.
