Schau dich zuerst um
Worauf achten
- Backsteinhaus Nr. 132
- Staffelgiebel
- Gedenktafel von 1924
Die Geschichte des Ortes
Unter der Hausnummer einhundertzweiunddreißig ist ein Backsteinhaus erhalten: Der Giebel steigt über der Fassade stufenweise an, und die Gedenktafel ist an derselben Wand angebracht. Das Dach wird von Balken getragen, die um das Jahr eintausendfünfhunderteinundvierzig gefällt wurden. Fassade und Dach wurden im Jahr neunzehnhundertsechzig in die Denkmalliste aufgenommen. Später ging das Gebäude zusammen mit der Antiquitätensammlung an die Königlichen Museen der Schönen Künste von Belgien über.
Der französische Name Rue Haute bedeutet „Hohe Straße“. So wurde sie bereits Ende des dreizehnten Jahrhunderts genannt: Die Straße führte durch die heutigen Marollen zu den Stadttoren. An ihrer alten Biegung steht ein Backsteinhaus mit Staffelgiebel und einer Gedenktafel für Pieter Bruegel den Älteren.
Nach der bereits erwähnten Hochzeit ließ sich Bruegel in Brüssel nieder, lebte hier sechs Jahre und starb im Jahr eintausendfünfhundertneunundsechzig. Er malte für wohlhabende Auftraggeber, unterhielt seine Frau und zwei kleine Söhne; der Verlust gefährlicher Zeichnungen oder eines unvollendeten Werks hätte den Verlust eines Teils des Familienerbes bedeutet. Doch kein bekanntes Dokument bringt ihn mit der Schwelle von Hausnummer einhundertzweiunddreißig in Verbindung.
Die Adresse entstand drei Jahrhunderte nach dem Tod des Künstlers. Im Jahr achtzehnhundertsiebenundneunzig versuchte der Stadtarchivar Alphonse Wauters festzustellen, wo sich Bruegels Brüsseler Atelier befunden hatte. Er stieß auf einen Eintrag über den Maler David Teniers den Dritten, Bruegels Urenkel: Dieser war in einem Haus „neben der Porte Rouge“ gestorben. Porte Rouge hieß der Eingang zu einer Gasse in der Nähe dieses Ortes. Wauters entschied, dass auch Teniers’ berühmter Vorfahr hier gearbeitet habe, verwies jedoch auf das benachbarte Haus, das bereits abgerissen war.
Im Jahr neunzehnhundertachtzehn übertrug ein anderer Stadtarchivar, Guillaume Des Marez, die Vermutung vom verschwundenen Gebäude auf die erhaltene Hausnummer einhundertzweiunddreißig. Beide Autoren beschäftigten sich beruflich mit Brüsseler Dokumenten, deshalb hielten die Leser die Schlussfolgerung für eine aufgefundene Adresse. Im Jahr neunzehnhundertvierundzwanzig brachte man an der Fassade eine Tafel mit der Widmung „vom Volk für seinen großen Maler“ an. Das Haus erhielt den Namen Maison Bruegel, und den angrenzenden Teil der Marollen begann man Bruegelviertel zu nennen.
Diese Vermutung hatte durchaus materielle Folgen. Fassade und Dach wurden im Jahr neunzehnhundertsechzig in die Denkmalliste aufgenommen. Drei Jahre später kaufte der Arzt und Sammler Frans Huylens das Haus und beauftragte eine umfassende Restaurierung. Eine Untersuchung des Holzes ergab, dass die Dachbalken ungefähr aus dem Jahr eintausendfünfhunderteinundvierzig stammen: Vor uns steht tatsächlich ein Brüsseler Haus aus Bruegels Zeit. Nach dem Tod der Witwe des Sammlers im Jahr zweitausendsieben gingen das Gebäude und die von dem Ehepaar gesammelten Antiquitäten an die Königlichen Museen der Schönen Künste von Belgien über.
Dann kehrte der Archivar Jean Bastiaensen zu der Frage zurück, mit der Wauters begonnen hatte. Er fand eine Familienhandschrift, die im Jahr eintausendfünfhundertdreiundachtzig, nur vierzehn Jahre nach Bruegels Tod, verfasst worden war. Angehörige der Frau des Künstlers berichteten, die Familie habe nahe dem Manneken Pis gewohnt, direkt gegenüber dem Bogardenkloster – an der heutigen Rue des Bogards, nur wenige Minuten von hier entfernt. Bastiaensen überprüfte die in der Handschrift erwähnten Personen anhand von Archivakten und fand Bestätigungen. Das Maison Bruegel in der Rue des Bogards ist nicht bis in unsere Zeit erhalten geblieben.
Auch der Eintrag über den Urenkel rettet die alte Version nicht: Die Formulierung „neben der Porte Rouge“ passt sowohl auf das heutige Haus als auch auf seinen abgerissenen Nachbarn. An Hausnummer einhundertzweiunddreißig befindet sich weiterhin die Tafel aus dem Jahr neunzehnhundertvierundzwanzig. Sie bezeichnet nicht Bruegels nachgewiesenes Wohnhaus, sondern den genauen Ort, an dem eine Vermutung aus dem Archiv eine Backsteinfassade, eine offizielle Adresse und ihr eigenes Denkmal erhielt.
Praktisch vor Ort
Öffentliche Stadtstraße; das Haus und die benachbarten Geschäfte haben private oder eigene Öffnungszeiten, ein Zugang ins Innere ist nicht vorgesehen.
Geprüft: 1. Juli 2026. Prüfe vor dem Besuch die offizielle Quelle.Betrachten Sie das Haus vom öffentlichen Raum aus und halten Sie die Gedenkadresse nicht für eine gesicherte Tatsache: Bruegels Verbindung gerade mit diesem Gebäude ist umstritten.
